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Erfolg an der Saar und in Marseille

Gabi Wagner (rechts) beim Tag der Bildenden Kunst Ende September in ihrem Atelier in Saarbrücken. Foto: Oliver Dietze
Gabi Wagner (rechts) beim Tag der Bildenden Kunst Ende September in ihrem Atelier in Saarbrücken. Foto: Oliver Dietze FOTO: Oliver Dietze
Saarbrücken/Marseille. Seit Ende der 80er Jahre führt die aus Bexbach stammende Künstlerin eine Art Doppelleben: Abwechselnd wohnt und arbeitet sie in Saarbrücken und Marseille, wo sie Kurse in experimenteller Druckgrafik gibt. Von SZ-MitarbeiterinSilvia Buss

Nur einen Monat nach dem "Tag der Bildenden Kunst" begrüßte Gabi Wagner am vergangenen Sonntag schon wieder Besucher zum Tag der offenen Tür in ihrem Atelier. Nur diesmal nicht in der Saarbrücker Bismarckstraße, sondern im Bahnhofsviertel von Marseille.

Seit Ende der 80er Jahre führt die aus Bexbach stammende Künstlerin eine Art Doppelleben: Immer abwechselnd wohnt und arbeitet sie in der Saar-Landeshauptstadt und in der Mittelmeer-Metropole, die dieses Jahr als Kulturhauptstadt viel von sich reden macht.

Nicht immer nur positiv. Ganz abgesehen von blutigen Abrechnungen unter Drogendealern in den Armutsvierteln, heißt es oft, die Stadt habe sich mit Großprojekten übernommen, die einheimische Künstlerszene im Kulturhauptstadt-Jahr darben lassen. "Es stimmt schon, viele Künstler hier klagten, dass man sich für das Programm gar nicht bewerben konnte", sagt Gabi Wagner. Denn da sich Marseille unter dem Motto "mediterrane Kunst" profilieren wollte, hätten die großen Kunstinstitutionen etablierte Künstler aus dem gesamten Mittelmeerraum eingeladen und sich nicht an die lokale Szene gewendet, die inzwischen sehr reich und vielfältig sei.

"Als ich 1988 hierherkam, um nach dem Design-Studium in Saarbrücken hier freie Kunst zu studieren, gab es höchstens vier anerkannte Galerien für Zeitgenössisches", erinnert sich Wagner. Heute gebe es so viele, dass man den Überblick verliere. Und nicht nur eine große Off-Szene, sondern auch eine große Off-Off-Szene. Auch weil man in Marseille anders als in Paris als Künstler sehr preisgünstig (über-)leben könne. Gabi Wagner gelang es, dank guter Vernetzung, in einer kleinen Galerie eine Ausstellung zu erhalten. "Außerhalb des offiziellen Marseille-Programms." Positiv gespürt hat sie das Kulturhauptstadt-Jahr jedoch in den Kursen in experimenteller Druckgrafik, die sie in ihrem Atelier anbietet. Bisher besuchten diese vorwiegend Franzosen aus Marseille und Umgebung.

"In diesem Sommer meldeten sich plötzlich Teilnehmer aus Belgien, Deutschland und der Schweiz an, die den Kurs mit einem Urlaub verbanden", berichtet sie erfreut.

Mit ihrem Tiefdruckverfahren, bei dem sie statt Platten Tetra-Paks und sonstige Alltags-Materialien verwendet und auf giftige Stoffe verzichtet, hat die Saarländerin eine Technik gefunden, die ihr auch in Marseille ein Alleinstellungsmerkmal verschafft.

Insgesamt, findet sie, habe Marseille durch die Kulturhauptstadt sehr viel gewonnen. Nicht nur wegen der neuen Museen wie dem Mucem und der "Friche de la Belle de Mai".

Der Autoverkehr, der früher vielspurig am neuen und alten Marseiller Hafen entlang toste, verläuft heute unter der Erde. "Durch die Verkehrsberuhigung überall kann man jetzt endlich mal stressfrei im Straßencafé sitzen", schwärmt Wagner. "Saarbrücken könnte sich davon ruhig mal was abgucken."

gabi-wagner.blogspot.de


Gabi Wagner beim Vorbereiten ihrer Ausstellung in der Galerie Andiamo in Marseille. Foto: Silvia Buss
Gabi Wagner beim Vorbereiten ihrer Ausstellung in der Galerie Andiamo in Marseille. Foto: Silvia Buss FOTO: Silvia Buss