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Er bekämpft den Krebs mit Röntgenstrahlen

Dr. Jörg Müller sorgt dafür, dass Krebspatienten, die eine Strahlentherapie machen, wirklich nur die Strahlendosis abbekommen, die sie im Kampf gegen ihre Krankheit brauchen. Foto: Iris Maurer
Dr. Jörg Müller sorgt dafür, dass Krebspatienten, die eine Strahlentherapie machen, wirklich nur die Strahlendosis abbekommen, die sie im Kampf gegen ihre Krankheit brauchen. Foto: Iris Maurer FOTO: Iris Maurer
Saarbrücken. Wer denkt schon gern ans Krankenhaus – solange er gesund ist? Hauptsache, das Krankenhaus ist da, und wir fühlen uns sicher, weil für den Notfall alles bereitsteht: Geräte und vor allem Menschen. Genau um diese Menschen geht es in unserer Serie „Arbeitsplatz Krankenhaus“. Wir stellen die vor, die uns helfen, falls uns das Glück verlässt. Heute: Jörg Müller. Gerrit Scherer

"Frag mal nach, ob das wirklich stimmt", bekam Jörg Müllers Sohn als Schüler immer wieder zur Antwort, wenn er Erwachsenen erzählte, sein Vater sei Physiker und arbeite im Krankenhaus. Denn unter den ganzen Ärzten, Krankenpflegern und Hebammen vermutet kaum jemand einen Physiker .


Dabei könnten bestimmte Behandlungen ohne Medizinphysiker wie Jörg Müller überhaupt nicht durchgeführt werden. Die Strahlentherapie hilft Menschen mit Arthrose, mit einem Fersensporn oder einem Tennisellenbogen. Unverzichtbar ist sie in der Krebsbehandlung - dort werden Röntgenstrahlen eingesetzt, um die Tumoren zu zerstören. Das ist auch der Grund, warum Müller ein Aufbaustudium für medizinische Strahlenphysik gemacht hat. "Ich wollte sehen, wie meine Arbeit sich konkret auf Menschen auswirkt", sagt der 50-Jährige.

Das erlebt er als Leitender Medizinphysiker der Radioonkologie am Caritas-Klinikum St. Theresia Saarbrücken täglich. Vier Physiker und vier Ärzte sind sie in der Abteilung. "Die Zahl der Physiker muss mit der Zahl der Ärzte übereinstimmen. So ist das Gesetz", erklärt Müller. Er schätzt es besonders, dass unter den Mitarbeitern ein großer Zusammenhalt herrscht. "Wir machen viele gemeinsame Ausflüge, zum Beispiel zum Skifahren oder Wandern am Wochenende." Da haben sie frei, weil samstags und sonntags keine Bestrahlungen stattfinden. Dass viele Patienten schwer krank sind, ist für Müller kein Widerspruch zur fröhlichen Stimmung in der Abteilung. "Wir sind da, um zu helfen. Und das wissen auch die Patienten . Deshalb ist die Atmosphäre hier sehr positiv", erzählt er. Mit den Patienten hat Müller nur indirekt zu tun. Er berechnet im Hintergrund die optimale Strahlendosis und simuliert die Bestrahlung am Computer. "Gesundes Gewebe soll natürlich geschont werden", sagt Müller. Deshalb fertigen Müller und sein Team sogar während der Bestrahlung Aufnahmen von Patienten an, um deren Liegeposition zu verbessern. "Es gibt ständig technische Fortschritte."



Damit auch alles glatt geht, prüft Müller regelmäßig die Funktion von "Bruni, Siggi und Fred". So nennt das Team scherzhaft seine zwei Bestrahlungsgeräte und das CT. "Die müssen genau gecheckt werden, wie ein Flugzeug vor dem Start."

Sein Wissen gibt Müller als Dozent der Hochschule für Technik und Wirtschaft weiter, ein Ausgleich zwischen Theorie und Praxis. "Mein Beruf macht mir wirklich Spaß", sagt Müller.