Engagiert aus Entsetzen über das Flüchtlingselend

Saarbrücken · Sie kämpfen dafür, dass Flüchtlinge in Deutschland positiv aufgenommen und wirkungsvoll unterstützt werden: Adoula Dado, Bernhard Mommenthal und Maike Lüdecke-Braun. Gestern erklärten sie, was ihrer Meinung nach dazu noch alles dringend geschehen müsste.

 Beim Gespräch im SST: (v.l.) Bernhard Mommenthal, Adoula Dado, Maike Lüdecke-Braun und Ursula Thinnes. Foto: kek

Beim Gespräch im SST: (v.l.) Bernhard Mommenthal, Adoula Dado, Maike Lüdecke-Braun und Ursula Thinnes. Foto: kek

Foto: kek

Wollen wir uns das leisten? Menschen zu retten? Das fragt das Stück "Brennpunkt X", ein Recherche-Projekt über den Alltag von Flüchtlingen im Auftrag des Saarländischen Staatstheaters (SST), bei dem Flüchtlinge als Laiendarsteller gemeinsam mit SST-Schauspielern auf der Bühne stehen.

Wie gehen wir vor unserer Haustür mit Flüchtlingen um? Auf welche Wirklichkeit treffen Menschen, die ihre Heimat verloren haben? Das erörterte gestern begleitend zu "Brennpunkt X" eine Gesprächsrunde, zu der das SST ins Mittelfoyer eingeladen hatte.

Als kompetente Gesprächspartner begrüßte Chefdramaturgin Ursula Thinnes drei Vertreter von Hilfsorganisationen. Adoula Dado ist Vorsitzende des 2013 im Saarland gegründeten ehrenamtlichen Vereins Rote Sonne der Ezidischen Karitative, der sich um Flüchtlinge aller Ethnien und Religionen kümmert. Sie engagiert sich außerdem in einer Initiative des Landes Baden-Württemberg, die das Ziel hat, 1000 Mädchen und Frauen im Nordirak aus den Fängen des IS zu befreien und nach Deutschland zu holen. Dado zeichnete ein dramatisches Bild des von Perspektivlosigkeit und hoher Selbstmordrate geprägten Lebens in den Flüchtlingscamps vor Ort.

Ebenfalls ehrenamtlich engagiert ist Bernhard Mommenthal: Mit Freunden gründete er 2014 die Flüchtlingshilfe Nalbach, um in seinem Heimatort Integrationsbeihilfe zu leisten. "Ich war überrascht, wie viel Hilfsbereitschaft seitens der Bürger da war und wie viel Bereitschaft bei den Flüchtlingen, mitzuarbeiten", berichtete er. Als eins der zentralen Probleme benannte Mommenthal die Beschaffung von Wohnraum zwecks Familienzuzugs. Dritte im Bunde war Maike Lüdecke-Braun von der Flüchtlingsberatung des Diakonischen Werks in der Landesaufnahmestelle in Lebach. Im Vordergrund ihrer Arbeit stehen Beratung bei Asylverfahren, Hilfestellung für Flüchtlinge mit Duldung, Rückkehrhilfen bei aussichtslosen Anträgen, allgemeine Sozialberatung und Unterstützung bei der Wohnungssuche. Mit 1370 Plätzen sei die Kapazität der Aufnahmestelle permanent erschöpft, sagte Lüdecke-Braun. Mommenthal forderte mehr Angebote zum Spracherwerb. Flüchtlinge müssten die Chance bekommen, sich zu etablieren und dürften nicht als billige Arbeitskräfte verheizt werden. Lüdecke-Braun verlangte die Abschaffung des Asylbewerberleistungsrechts und der Dublin-III-Verordnung, sprach sich gegen Zentralisierung und Personalabbau aus und machte sich für die Gleichbehandlung aller Flüchtlingsgruppen stark.

Wenn man mit so vielen Hürden kämpft - warum engagiert man sich trotzdem? Aus Entsetzen über das Elend, entgegnete Dado. Und aus Dankbarkeit: "Nur fünf Prozent der Weltbevölkerung dürfen so leben wie wir. Da möchte ich etwas zurückgeben."

Letzte Vorstellungen von "Brennpunkt: X": 23. und 25. Juni, 19.30 Uhr, Erweiterungsbau des Saarlandmuseums. Karten, Infos: Tel. (06 81) 309 24 86.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort