Eltern im Erziehungsstress

Regionalverband. Das Saarland zähle beim Ausbau von Betreuungsplätzen in Europa zu den Schlusslichtern. Das stellte Familienministerin Annegret Kramp-Karrenbauer am Dienstagabend bei einer Diskussion in Saarbrücken fest: "Wir müssen uns den Vorwurf gefallen lassen, dass wir erst sehr spät auf den fahrenden Zug aufgesprungen sind

Regionalverband. Das Saarland zähle beim Ausbau von Betreuungsplätzen in Europa zu den Schlusslichtern. Das stellte Familienministerin Annegret Kramp-Karrenbauer am Dienstagabend bei einer Diskussion in Saarbrücken fest: "Wir müssen uns den Vorwurf gefallen lassen, dass wir erst sehr spät auf den fahrenden Zug aufgesprungen sind."Aber nicht nur, weil es an Krippen oder Kindertagesstätten mangelt, geraten Eltern unter einen Druck, "den es so vorher noch nicht gegeben hat", sagte Christine Henry-Huthmacher von der Konrad-Adenauer-Stiftung. Henry-Huthmacher hat für eine Studie der Stiftung viele Mütter und Väter mit Kindern unter 18 Jahren befragt. Sie wollte herausfinden, wie es Eltern geht und was sie brauchen. Ergebnis: Viele hätten sich über den Druck beschwert, den die Schule ausübe. Hinzu kämen die schlechte Vereinbarkeit von Familie und Beruf und Geldknappheit. Von den Erwartungen der Großeltern, Nachbarn und anderen Eltern, ja alles "richtig" zu machen, ganz zu schweigen. "Die Eltern vermissen heute vermehrt ein kinderfreundliches Klima und wünschen sich wieder mehr Wertschätzung für ihre Erziehungsarbeit. Sie brauchen dringend ein besseres Betreuungsangebot und mehr finanzielle Unterstützung", heißt es im Fazit der Studie. Moderatorin Ilka Desgranges wollte wissen, ob diese Ergebnisse auch auf das Saarland zutreffen. Die Saarbrücker Kinderpsychotherapeutin Dr. Josefa Garson arbeitet seit 25 Jahren mit gestressten Kindern und Eltern. Ihre Erfahrungen bestätigen die Erkenntnisse Henry-Huthmachers. "Wir bekommen immer mehr Anfragen von Müttern und Vätern, die immer ratloser und unsicherer in der Erziehung werden." Immer öfter müssten sie und ihre Berufskollegen Hilfesuchende vertrösten. "Die Realität sieht so aus, dass wir auf Monate hin ausgebucht sind." Doch es müsse schnellere Hilfe geben. Besonders die Schulsituation müsse sich ändern. "Da sind wir auf einem guten Weg", sagte die Ministerin. Das gelte auch für die Krippen, fügte sie hinzu. 2013 werde das Land 7500 Plätze anbieten können. Auch die Lehrpläne würden überprüft. Und bei vielen Firmen sei Familienfreundlichkeit als wichtiges Kriterium im Kampf um qualifizierte Arbeitskräfte angekommen.

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