Eleganz und Raserei: Das 6. Studiokonzert auf dem Halberg

Bezaubernd, was der neunjährige Mozart dem Londoner Publikum als erste Sinfonie präsentierte: schlicht, aber voll Schwung und mit chromatischen Wendungen, die ahnungsvoll die Zukunft vorausnahmen. Dirigent Christoph Altstaedt, für Karel Mark Chichon eingesprungen, und die Deutsche Radiophilharmonie musizierten diesen kleinen Geniestreich am Freitag beim 6. Studiokonzert auf dem Halberg frisch und fein artikuliert.

Dann Haydns populäres Violinkonzert G-Dur in einer Bearbeitung des Solisten Guilhaume Santana für ein scheinbar violinfernes Instrument, das Fagott. Schnell war klar: Wenn ein Fagottist seinen Ton so zu verschlanken versteht, über eine so meisterliche Technik verfügt und die typische Artikulation eines Geigenbogens auf ein Blasinstrument übertragen kann wie Santana, dann kommt ein elegantes, ausdrucksvolles Musizieren zustande, von dem auch jeder Geiger lernen könnte. Das galt besonders für das Finale, wo Santana ein Feuerwerk an Trillern, virtuosen Läufen und feinnervigen Synkopen entzündete. Als Zugabe kam ein Satz aus einer Gambensonate von Bach.

Dann war Pause, Schnitt, Französische Revolution und napoleonische Kriege: Beethovens Siebente, nur ein halbes Jahrhundert nach der Mozart-Sinfonie entstanden und doch eine völlig neue Epoche. Das Orchester, in allen Gruppen in Bestform, wurde von Altstaedt zu einem rhythmisch federnden Kopfsatz und einem geradezu archaisch strengen Allegretto animiert. Das Scherzo geriet zu einem Virtuosenstück, abgebrochen durch fünf ungeduldige Schläge, die das Finale ankündigten. Das brach mit jener dionysischen Raserei herein, die schon Carl Maria von Weber vermuten ließ, Beethoven sei verrückt geworden. Dass sich in den Schlussbeifall so etwas wie Erleichterung nach einem Unwetter mischte, sprach für die Interpretation.

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