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Einzelhandel schätzt: rund 20 Prozent plus

An verkaufsoffenen Sonntagen ist in der Saarbrücker City immer allerhand los. SZ-Archiv-Foto: Becker & Bredel
An verkaufsoffenen Sonntagen ist in der Saarbrücker City immer allerhand los. SZ-Archiv-Foto: Becker & Bredel
Saarbrücken. Die Vorbehalte im etablierten Saarbrücker Einzelhandel waren fast körperlich spürbar, als Europa-Galerie und mutmaßliche "Billig"-Ketten in der Bahnhofstraße einzogen Von SZ-Redakteur Peter Wagner

Saarbrücken. Die Vorbehalte im etablierten Saarbrücker Einzelhandel waren fast körperlich spürbar, als Europa-Galerie und mutmaßliche "Billig"-Ketten in der Bahnhofstraße einzogen. Wenige Monate später ist die Angst vor Konkurrenz der Einsicht gewichen, dass die neuen "Player" ("Spieler") im Markt das große Ganze beflügelten, weil sie viele neue Kunden in die Landeshauptstadt zogen, von denen alle Händler und Dienstleister profitieren können.



Bei der Bilanz über das Einzelhandelsjahr 2012 stellt denn auch Max Schoenberg, Vorsitzender des Vereins für Handel und Gewerbe, die noch einmal verstärkte "Sogwirkung" Saarbrückens ins Saarland und in die benachbarten Regionen hinein an die erste Stelle.

Die Europa-Galerie habe sich in ihrem zweiten Jahr gut eingefügt, und auch dank der famosen Frequenz-Bringer Primark und TK-Maxx habe der Handelsumsatz in den letzten beiden Jahren "um mindestens 20 Prozent zugelegt", schätzt der Interessenvertreter. Nach Worten von Schoenberg war 2012 "ein sehr, sehr gutes Handelsjahr", der Dezember gar "der beste Monat, den wir je hatten". Die Steigerungen bei Kundenfrequenz und Umsatz trotz Euro-Schuldenkrise hätten so manchen Händler überrascht, aber womöglich sei es so gewesen, dass die Angst vor einem schwächelnden Euro die Kunden zu Konsum veranlasst habe. Als Erfolgsfaktor bewertet Schoenberg auch die Saarbrücker Gestaltungssatzung, die in ihrem zweiten Jahr die erhoffte Wirkung entfalte: Die Bahnhofstraße sei "aufgeräumt", und die Arkaden erlaubten, ihren Ursprungsgedanken der 50-er Jahre aufnehmend, einen wetterunabhängigen Bummel entlang immer besserer Schaufenster.

Schoenberg räumt ein, dass einzelne Geschäfte außerhalb der 1a-Lagen nicht so gut dastünden. Die Lösung dieses Problems könne aber nicht in der Schwächung der bevorzugten Hauptmeilen liegen. Dass die Kunden sich in Saarbrücken immer besser "verwöhnt" fühlten, sei auch dem Engagement des Vereins für Handel und Gewerbe und des City-Marketings (als "Dolmetscher" zwischen Politik, Verwaltung und Handel) zu verdanken.

Hinter den zahlreichen Aktionen und den offenen Sonntagen stecke ganzjährige harte Arbeit. Schoenberg lobt das "konstruktive Verhältnis zur Stadtverwaltung", deren Wirtschaftsförderung immer effektiver werde und die den Stellenwert privater Investitionen zu schätzen wisse.

Dem Jahr 2013 blickt Max Schoenberg mit Skepsis entgegen. Wenn die Währungskrise auf die im Saarland dominante Autoindustrie durchschlage, könne dies den Handel schwer treffen. Aufgabe müsse es sein, die Stadt und ihren Handel durch Verbesserungen an Details voranzubringenden: "Kleinigkeiten machen das große Bild", sagt Schoenberg und nennt vor allem Sauberkeit und Ordentlichkeit.

Nicht zufrieden ist der Handels-Lobbyist mit dem Organisationsgrad in seinem Verein. Alle profitierten von dessen Arbeit, aber erst 20 bis 30 Prozent der Unternehmen gehörten der "Solidargemeinschaft" an.