Einst fit, jetzt fix und fertig

Fast einen Monat verbrachte Horst Berger im Krankenhaus, nachdem er wegen eines Lochs im Pflaster vor dem Rathaus gestürzt war. Der Junggeselle schlägt sich allein zuhause durch. Die Krankenkasse verweigerte eine Haushaltshilfe.

"Ihm ging's noch nie so schlecht." Hans Simon macht sich große Sorgen um seinen Bekannten Horst Berger. Der war am 18. Dezember vor dem Rathaus St. Johann gestürzt und hatte mehrere Brüche im rechten Arm erlitten. Grund: ein Loch, das dort im Gehweg-Pflaster klaffte (die Saarbrücker Zeitung berichtete). Gut vier Wochen nach dem Sturz und nach zwei mehrstündigen Operationen unter Vollnarkose verließ Berger das Evangelische Krankenhausin Saarbrücken, um sich in einem neuen, mühseligen Alltag zurechtzufinden.

Daheim auf sich allein gestellt

"Ich hatte einen komplizierten Bruch von Elle und Speiche des rechten Arms. Mein Ellbogengelenk war zertrümmert. Jetzt trage ich ein künstliches Kugelgelenk und eine Metallplatte im Arm. Bei schnellen Bewegungen tut es weh. Seit acht Tagen habe ich nichts gegessen. Ich bin sonst ein guter Esser." Kein Wunder, denn er war viel an der frischen Luft. "Ich habe kein Auto und legte jeden Tag fünf bis zehn Kilometer zu Fuß zurück. Bei jedem Wetter."

Am 18. Dezember war plötzlich alles anders. Berger: "Da klaffte ein Loch. Ich muss mich so gedreht haben, dass ich auf die rechte Seite fiel. Ein Fremder half mir hoch und holte per Handy den Notarzt."

Auf die Beine kam Berger seither nicht richtig, selbst nachdem das Schlimmste ausgestanden war. Heute muss der Junggeselle sehen, wie er klarkommt. Die Krankenkasse verweigerte eine Haushaltshilfe. "Ich bin auf mich allein gestellt und hab' mir Essen auf Rädern geholt." Horst Simon bemüht sich darum, dass es mit Berger wieder bergauf geht. Simon wäre froh, wenn aus dem Rathaus noch eine Geste des Mitgefühls kommt. "Ich vermisse ein Zeichen des Bedauerns oder dass ihm jemand gute Besserung gewünscht hätte."

Stadtpressesprecher Thomas Blug betont, dass die Verwaltung Fahrbahnen und Gehwege ständig unter die Lupe nimmt: "Wir gehen die Straßen regelmäßig ab und überprüfen die Verkehrssicherheit. Der Gehweg vor dem Rathaus wird wöchentlich kontrolliert."

So seien dort am 10. Dezember zwei Schäden festgestellt und umgehend beseitigt worden. Und der Schaden, der zum Unfall führte, sei am Tag danach behoben worden. "Trotz der Kontrollen lässt sich leider nicht verhindern, dass es - nicht zuletzt wegen Vandalismus - zu Schäden kommt, die auch zu Stürzen führen", sagte Blug. Nach Stürzen hätten Bürger im vorigen Jahr in 21 Fällen Ansprüche geltend gemacht. Blug: "In fünf Fällen läuft die Prüfung noch. In 15 Fällen lehnte die Versicherung die Regulierung ab. In einem Fall hat sie gezahlt."

Auf einen solchen Lichtblick nach vielen dunklen Tagen hofft nun Horst Berger. "Vielleicht bekomme ich ja doch ein bisschen Schadensersatz", sagt er. Und plötzlich schwingt ein wenig Zuversicht mit.