Einfach mal das Auto stehen lassen

So bequem es sein mag, täglich mit dem Auto zur Arbeit zu fahren, auch der Umstieg auf Bus und Fahrrad hat seinen Reiz. Das stellte Sandra Jax fest, als sie für vier Wochen an der Aktion "Autofasten" teilnahm und daran auch Gefallen fand, für die Fahrt zur Arbeit aber beim Auto bleibt.

Saarbrücken. Seit elf Jahren arbeitet die Altenkesselerin Sandra Jax in einer Saarbrücker Anwaltskanzlei in der Bahnhofstraße. Jeden Tag fährt die Insolvenzsachbearbeiterin mit dem Auto in die Stadt. Nichts Ungewöhnliches. Etwa 120 000 Berufspendler verzeichnet Saarbrücken pro Tag.Jax schätzt ihre Mobilität und findet, dass das Auto den Alltag erleichtert. "Ein Auto macht flexibel. Ich bin morgens schnell auf der Arbeit. Für die Strecke von Altenkessel in die Stadt brauche ich etwa 15 Minuten. Nach der Arbeit kann ich bequem zum Einkaufen fahren oder einen privaten Termin wahrnehmen." Auch die lästige Parkplatzsuche kennt sie nicht, weil ihr die Kanzlei einen Parkplatz kostenfrei zur Verfügung stellt. Alles gute Gründe, um mit der alltäglichen Routine fortzufahren.

"Aber dann sah ich im März an vorbeifahrenden Bussen die Plakate zu der Aktion ,Autofasten'. Und ich dachte mir: warum nicht? Ist mal eine neue Erfahrung. Vier Wochen ohne Auto kommt zudem noch der Umwelt zugute." Seit 1998 rufen die Kirchen im Südwesten und in Luxemburg zur Fastenzeit, gemeinsam mit den Landesregierungen von Saarland, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Luxemburg sowie den Verkehrsverbünden der Regionen zu der Klimaschutzaktion "Autofasten" auf.

Seit Beginn zählen die Veranstalter fast 20 000 Beteiligungen. 2012 machten 1660 Menschen mit, 417 davon aus dem Saarland. Zur Fastenzeit vom 4. April bis 1. Mai war Jax eine von 417 Saarländern, die das Auto stehen ließen und auf öffentliche Verkehrsmittel, Fahrrad oder die eigenen Füße zurückgriffen.

Jax fuhr Bus. Aus den 15 Minuten Anfahrt wurden täglich 45. "Die zwölf Kilometer von Altenkessel nach Saarbrücken ziehen sich, weil die Fahrt durch viele Haltestellen unterbrochen wird." Dennoch fand die 39-Jährige Gefallen daran: "Weil man beim Busfahren viele Leute aus dem Ort trifft. Das war schön und unterhaltsam", sagt sie.

Trotzdem fährt Jax nun wieder Auto, "weil ich unabhängiger bin. Ich kann auf der Arbeit auch mal länger bleiben oder morgens auch mal trödeln. In den vier Wochen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gab die Uhr den Takt vor. Eine Minute zu spät, und der Bus war weg." Ob sie nächstes Jahr wieder mitmacht, weiß Jax noch nicht. Aber Umweltbewusstsein beginnt mit kleinen Schritten. "Meinem 17-jährigen Sohn bringe ich bei, dass man im Ort auch mal zu Fuß unterwegs sein kann und nicht überall hingefahren werden muss." Hin und wieder kann jeder das Auto stehen lassen, findet sie. Auch sonst könne jeder umweltbewusster leben: "Beim Heizen kann man sparen, Elektrogeräte schalten wir immer aus, wir achten auf Mülltrennung und ich benutze wenig Waschpulver. Kleine Dinge eben, die niemandem wehtun."

Mehr Fahrrad fahren

Einen neuen Vorsatz hat sich die 39-Jährige dennoch vorgenommen: "Ich will in meiner Freizeit mehr Radfahren. Bei der Aktion habe ich nämlich ein tolles Fahrrad gewonnen", sagt sie strahlend. Nicht ihr einziger Gewinn, denn gleich zu Beginn ihrer Autoabstinenz freute sie sich über ein Zwei-Wochen-Netzticket der SaarVV. "Ich glaube, ich sollte öfter bei solchen Aktionen mitmachen. Das erste Mal mitgemacht und gleich doppelt gewonnen. Ich bin wohl ein kleiner Glückspilz."

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