| 00:00 Uhr

„Einfach ein ganz fatales Signal“

Im Atelierhaus KuBa arbeiten viele Bildende Künstler. Um sie und ihre Belange ging es in der Podiumsdiskussion. Foto: Dietze
Im Atelierhaus KuBa arbeiten viele Bildende Künstler. Um sie und ihre Belange ging es in der Podiumsdiskussion. Foto: Dietze FOTO: Dietze
Saarbrücken. Die Situation der Bildenden Künstler in Saarbrücken war Thema einer Podiumsdiskussion im KuBa am Eurobahnhof. Dabei wurde auch die Streichung der Kulturdezernenten-Stelle heftig kritisiert. Der Dezernent sei ein wichtiger Ansprechpartner für die Künstler. Alexander Stallmann

. Eine Landeshauptstadt ohne eigenen Kulturdezernenten - das ist in Saarbrücken in wenigen Monaten wohl Realität. Aber wie wird sich diese Einsparmaßnahme auf die freie Kunstszene auswirken? Und was sagt sie über den Stellenwert der hiesigen Kultur generell?

Im von der Konrad Adenauer Stiftung organisierten Kultursalon diskutierten die freischaffende Künstlerin Leslie Huppert, der Künstler und Kurator Christoph Frisch, der Saarbrücker Galerist und Künstler Patrick Jungfleisch alias Reso und Andreas Bayer von der Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBK) und Kurator der KuBa-Ausstellungen am Sonntag im Kulturzentrum am Eurobahnhof (KuBa) über das Thema "Saarbrücken - und die freie Kunstszene". SZ-Redakteurin Ilka Desgranges moderierte die Diskussionsrunde.

Zentrales Thema zu Beginn: die geplante Abschaffung der Stelle des Kulturdezernenten in Saarbrücken . Die Diskutanten waren sich darin einig, dass die Einsparmaßnahme ein äußerst schlechtes Zeichen für die Saarbrücker Kunstszene, aber auch für das gesamte Image der Stadt ist. Andreas Bayer brachte es auf den Punkt: "Die Abschaffung des Kulturdezernats ist einfach ein ganz fatales Signal."

Der Kulturdezernent ist für die Kunstschaffenden ein, und oft sogar der wichtigste Ansprechpartner bei der Realisierung ihrer Projekte. Die Pläne der Stadtverwaltung, die Kultur an ein anderes Dezernat anzugliedern, sieht Bayer ebenfalls kritisch: Es sei wichtig, dass der Ansprechpartner die Personen und Projekte der Kunstszene kenne. Man brauche jemanden, der sich qualifiziert mit der Kultur beschäftigt, und nicht gerade so noch nebenbei.

Als "schlechtes Zeichen" wertet auch Christoph Frisch die Abschaffung der Dezernentenstelle. Er fügte jedoch hinzu: "Für uns in St. Wendel war der Kulturdezernent nicht sonderlich sichtbar, nicht gerade populär. Es hätte von seiner Seite aus womöglich mehr nach außen kommuniziert werden müssen."

Aber auch der gegenwärtige Zustand mit eigenständigem Kulturdezernat ist für Künstler in Saarbrücken oft nicht leicht. Zwar ist es für die hiesigen Bildenden Künstler meistens kein Problem, einen Ausstellungsort für ihre Werke zu finden. Es gibt aber einfach zu wenige Leute, die dann auch tatsächlich etwas kaufen. Und in der Regel lebt der Künstler nur vom Verkauf, nicht vom Ausstellen seiner Werke. Leslie Huppert erklärte: "Hinsichtlich der Ausstellungsorte und der Presse ist Saarbrücken ein guter Standort. Aber das nützt nicht viel, wenn einfach zu wenig gekauft wird. Alleine für das Ausstellen bekommen wir Künstler normalerweise kein Geld."

Auch Patrick Jungfleisch alias Reso sieht Saarbrücken , vor allem wegen der guten Paris-Anbindung, als lukrativen Standort an. Um sich besser finanzieren zu können, sollten Künstler seiner Ansicht nach öfter die Wirtschaft mit ins Boot nehmen. An dieser Stelle sei aber auch die Politik gefordert: "Die Stadt muss der Wirtschaft klarmachen, dass die Investition in Kunst und Kultur eine gute Investition in die Zukunft ist. Auch um Leute von außerhalb ins Saarland zu locken." Mit der Abschaffung des Kulturdezernats signalisiert die Stadt jedoch eher das Gegenteil.