„Eine zweite Meinung schadet nie“

Dass Kunden ihren Banken alles geglaubt und abgekauft haben, war früher. Heute holen sich die Anleger gern mal einen Rat von außerhalb, bevor sie eine Entscheidung treffen. Etwa bei der Verbraucherberatung Saarbrücken. Die greift gern auf die Dienste eines ehemaligen Bank-Filialleiters zurück.

Thomas Beutler ist ein Aussteiger, ein "Ex". Mit seinem früheren Berufsleben steht der ausgebildete Bankkaufmann und Diplom-Betriebswirt allerdings nicht komplett auf Kriegsfuß, denn nach wie vor berät er Menschen in Angelegenheiten der Geldanlage und der Altersvorsorge. Der 37-Jährige steht allerdings nicht mehr in Diensten eines Geldhauses, sondern arbeitet als freier Finanzberater. In Homburg ist der Sitz seiner Firma, darüber hinaus hat ihn die Verbraucherzentrale des Saarlandes in Saarbrücken engagiert, um regelmäßig Beratungsgespräche gegen Honorar anzubieten. Beutlers Credo: Unabhängige Beratung ohne Vertriebsdruck, also ohne den zumindest unterschwelligen moralischen Zwang, Kunden hauseigene Produkte zu empfehlen, lohne sich für die Leute. Und der Berater habe auch was davon, nämlich mehr Freude an der Arbeit. Wie Beutler beim Redaktionsbesuch unserer Zeitung betonte, gehe es ihm nicht ums Schlechtmachen von Banken ("sie müssen ja Geld verdienen") und deren Angebote. Sondern ums Bewusstmachen, was hinter den Produkten stehe und dass es grundsätzlich nicht schaden könne, vor jeder größeren Entscheidung eine zweite Meinung einzuholen. Also etwa die der Verbraucherberatung , die sich nach Beutlers Worten eng an den Erkenntnissen und Empfehlungen der Zeitschrift "Finanztest" orientiere. Oft sei es so, dass Bankkunden nach der unabhängigen Beratung durch die Verbraucherzentrale günstigere Konditionen aushandeln könnten oder gar besser "passende" Anlagen wählten. Entscheidend sei immer, dass das Verhältnis von Kosten und Ertragspotenzial stimme. Beutlers Ratschläge: "Finger weg von Produkten, die Sie nicht verstehen." Er hielte es auch für gut, wenn schon 15-Jährige sich Gedanken über Giro- und Sparkonten und deren Kosten und Nutzen - für Bank und Kunden - machen würden. Obwohl die Verbraucherzentrale keine Werbung für den freien Mitarbeiter Thomas Beutler macht, sind dessen Sprechstunden meist ausgebucht. Das passt zu den Ergebnissen einer Emnid-Studie, wonach sich die Deutschen deutlich mehr Marktbeobachtung bei Finanzthemen (auch bei Lebensmitteln, Energie und Gesundheit/Pflege) wünschen und den Verbraucherberatungsstellen besonders hohe Nützlichkeit und Glaubwürdigkeit bescheinigen.