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Eine wundervolle musikalische Reise

Saarbrücken. Der Kantorenchor „Choeur juif de France“ begeisterte die Besucher der Synagoge mit traditionellen und modernen Liedern David Lemm

Draußen ist es bereits stockdunkel, als sich die Besucher zum Konzert des Pariser "Choeur juif de France" in der Saarbrücker Synagoge einfinden. Erst mit dem Eintritt der Dunkelheit am Samstag endet der Schabbat, der mit dem Sonnenuntergang am Freitag beginnt. Dieser wöchentliche Ruhetag ist dem gemeinsamen Gebet im Kreis der Familie und der Gemeinde vorbehalten - Arbeit soll keine verrichtet werden.



Nachdem Kantor Benjamin Chait die Gäste und Freunde begrüßt hat, kündigt er mit Hinweis auf das Ende des Sabbats "etwas ganz Besonderes" an. Denn traditionell wird der Sabbatausgang mit einem alten Ritual namens "Hawdala" begangen. Hawdala bedeutet soviel wie Trennung. Die Trennung vom Feiertag wird mit dem Abbrennen der mehrdochtigen Hawdala-Kerze symbolisiert. Ein im Duett inbrünstig gesungener Wein- und Lichtsegen folgt. Die dargereichten, nach Nelke und Piment riechenden Duftsäckchen kennzeichnen den Beginn der neuen Woche, für die man sich mit einem händeschüttelnden "Schawua tow" alles Gute wünscht.

"Ich fange jetzt noch einmal von vorne an", hebt Kantor Chait nach der Hawdala an und begrüßt die vielen Gäste, darunter den Vorstandsvorsitzenden der Synagogengemeinde Saar, Richard Bermann, sowie die angereisten Vertreter des Bundes traditioneller Juden in Deutschland, zwei Rabbiner und natürlich den Chor. Vierzehn Männer im schwarzen Anzug, mit blau satinierten Kippas und Krawatten positionieren sich vor dem mit grauem Marmor gesäumten und von siebenarmigen Leuchten erhellten Thoraschrein und beginnen mit einem zeitgenössischen Lied. Danach stößt der gefeierte Kantor Raphael Cohen hinzu und gibt eine erste Kostprobe seines Könnens in einem liturgischen Lied zu den Hohen Feiertagen

Seine imposante Erscheinung mit großem grauen Bart setzt Cohen gekonnt in Szene. Mit seiner markanten Tenorstimme bringt er den ganzen Raum zum Klingen - und wird dafür mit reichlich Applaus bedacht. Der Straßburger Musikprofessor Hector Sabo dirigiert präzise den Chor und zeigt mit Stab und Mimik die Einsätze der Musiker an. Das subtile Klavierspiel von Céline Taverne untermalt und kommentiert die vielen Gesangssoli, die wiederum vom Chor erwidert oder aufgegriffen werden.

Das zweistündige Programm wartete mit einer gelungenen Mischung von Tradition und Moderne, Ernsthaftigkeit und Gelöstheit auf, was dem gebannten Publikum immer wieder die Möglichkeit zum Mitsingen und Mitklatschen bot. Eine wundervolle musikalische Reise.