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Eine Weltmusik-Suite mit Klängen, die man sehen kann

Saarbrücken. Bei ihrem Gastspiel in der Alten Feuerwache zeigten die Medienkünstlerinnen Claudia Brieske und Franziska Baumann die Stimminszenierung „Tsanfleuron“. Bildende Kunst auf hohem Niveau. sg

Eine der unabweisbaren Stärken der an der Hochschule der Bildenden Künste Saar bei Wolfgang Nestler und Serge Spitzer ausgebildeten Klang- und Medienkünstlerin Claudia Brieske ist, aus Klängen Räume zu schaffen, und Räume erst durch Klänge spürbar zu machen. Das Medium dafür ist der menschliche Körper, der gleichermaßen diese Räume erschließt und selbst dafür einen Raum bildet. Nun setzte Claudia Brieske mit der Stimminszenierung "Tsanfleuron" im Rahmen eines Gastspiels in der Alten Feuerwache diesen Weg durch die Klangräume der Welt fort.

An ihrer Seite ist dabei die Schweizer Vokalartistin Franziska Baumann, die als Herrscherin über alle Stimmlagen, Klangfarben und Gesangstechniken Claudia Brieskes Art, Klänge sichtbar zu machen und das Sichtbare in Klang zu verwandeln, ideal ergänzt.

Geschaffen haben die beiden mit der einstündigen Performance "Tsanfleuron", die ihren Namen von einem Schweizer Gletscher bezieht, eine Weltmusik-Suite der eigenen Art. Denn wie in einer Suite reihen sich Bewegungsfolgen aneinander, die sich in Dichte, Stimmung, Lautstärke und Rhythmus unterscheiden. Eingespielte Bilder vom Häusermeer und dem Verkehr der Megastadt Kairo und der kargen Berglandschaft des Tsanfleuron treffen auf die live von Franziska Baumann - mittels eines von ihr übergestreiften Datenhandschuhs - in Klänge übersetzten Bewegungen, sowie durch einen sogenannten Sequenzer vervielfachte und zu rhythmischen Klangstrukturen ineinander verschachtelte Versatzstücke ihres Gesangs.

Trotz der eingespielten Bilder ist es keine Illustration oder eine neutönende Programmmusik, sondern immer noch bildende Kunst, die das Medium Plastik und Raum mit Klängen ausleuchtet. Das ist ein aufregendes Erlebnis im besten Sinn des Wortes, das sich im Moment des Ereignisses erfüllt und zeigt, auf welch hohem Niveau Claudia Brieske und Franziska Baumann arbeiten.