Eine vergnügliche Lehr- und Amüsierstunde

Saarbrücken. Soll Arnfried Astel aus seinen eigenen Lieblingsgedichten lesen, fällt ihm nur eins schwer, die Beschränkung. Die literarische Gesellschaft Meridian hat den Dichter dazu ins Casino-Restaurant am Staden geladen. In gemütlicher Runde kann Astel aus seinem riesigen Fundus schöpfen

Saarbrücken. Soll Arnfried Astel aus seinen eigenen Lieblingsgedichten lesen, fällt ihm nur eins schwer, die Beschränkung. Die literarische Gesellschaft Meridian hat den Dichter dazu ins Casino-Restaurant am Staden geladen. In gemütlicher Runde kann Astel aus seinem riesigen Fundus schöpfen. Die Großzahl derer, die er vorträgt, stammt aus den 60er und 70er Jahren, damals war er Literaturredakteur beim SR. Darunter sind Sonette, Glossen, Epigramme vor allem zu Landschaften und Natur, seine Übersetzungen des englischen Dichters Gerard Manley Hopkins oder von Walt Whitmans Lyrik. Besonders in ihrer prägnanten, fein- und hintersinnigen Art herausstechend sind Astels Epigramme: "Eine Kastanie rollt mir vor die Füße. Meine Schuhe glänzen." "Das war aus der Zeit, als man die Schuhe noch geputzt hat", meint Astel schmunzelnd. Beim Lesen strahlt er gelassene Souveränität aus, betont die Rhythmen stark, erklärt, Gedichte solle man nicht zu schnell hintereinander vortragen, da sie sich sonst gegenseitig auf die Füße träten. Jedes muss für sich schillern. Kurios sind seine Bilder. Er dichtet über "Sprechstunden für Jahreszeiten" und Abreißkalender, im Freien übernachtende Rosen, gestärkt von der Kühle und blattlausfreie Jamben. In der "Rede eines Programmdirektors" klöppelt Astel echte Zitate aus seinen Sitzungsprotokollen beim SR zu einem köstlich spitzen Sloganparcours aneinander. Aus seinen ersten Büchern "Notstand", "Kläranlage" und "Zwischen den Stühlen" liest er, für folgende Jahrzehnte fehlt ob der Fülle die Zeit. Er trägt seine "Gassenhauer" auswendig vor, langsam entwickelt sich das Ganze zu einem Plausch über bedichtete Unschuld, selbst geschriebene Nachrufe und die Definition preußischer Tugenden. So punktgenau wie er dichtet, so unterhaltsam und schlagfertig ist Astel auch in der Diskussion. Was diese Lesung zu einer vergnüglichen Lehr- und Amüsierstunde in Sachen Lyrik und Leben macht. rr

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