Eine Urlaubsliebe mit Folgen

Mit 17 Jahren zog er aus lauter Liebe von Puerto Rico nach Belgien. Das war ein riskanter Schritt. Einer, der sich für den Singer-Songwriter Gabriel Rios aber gelohnt hat. Gerade produzierte er in New York sein Album „The Marauder's Midnight“ und ist in Belgien regelmäßig in den Charts vertreten. SZ-Mitarbeiter Kai Florian Becker sprach mit Gabriel Rios, der nächste Woche zum Konzert nach Saarbrücken kommt.

Herr Rios, wurden Sie mit Absicht oder rein zufällig Musiker?

Gabriel Rios: Tja, wie kam es, dass ich Musiker wurde? Anfangs wollte ich eigentlich Archäologe werden, nachdem ich "Indiana Jones " gesehen hatte. Ich dachte, das ist genau das, was Archäologen machen. Als ich jedoch herausfand, dass das nicht den Tatsachen entsprach, fing ich zu singen an. In meinem Elternhaus war Musik immer sehr präsent. Sie lief ständig. Kaum dass ich eine Gitarre geschenkt bekam - da war ich vielleicht acht Jahre alt - musste ich jedem vormachen, dass ich singen und spielen konnte. Ich wollte ein Lied schreiben noch bevor ich einen blassen Schimmer davon hatte, wie man dieses Instrument bedient.

Sie stammen aus Puerto Rico, lebten vorübergehend in Los Angeles und zogen mit 17 Jahren wegen einer Frau nach Belgien. Das war in diesem Alter ein riskanter Schritt.

Gabriel Rios: Oh ja, aber das funktioniert in dem Alter eben noch. Es fühlte sich sehr romantisch an. Ich dachte, es ist gut, auf den alten Kontinent zu gehen und hier Künstler zu werden. Ich konnte mir dieses Leben sehr gut vorstellen. Letztlich lag ich mit einigen meiner Vorstellungen jedoch falsch. (lacht)

Was mit 17 Jahren durchaus normal ist . . .

Gabriel Rios: Ja, mag sein. Die meisten 17-Jährigen aus meiner Schule zogen in die USA, um dort ein College zu besuchen. Ich hatte indes die großartige Idee, nach Belgien zu gehen. Dabei hatte ich keine Ahnung von diesem Land. Es war so eine verrückte Idee, ich musste es einfach durchziehen. Ich bereitete mich auch gar nicht vor, weil ich gar nicht wusste, was mich da erwartete. So war dieser Schritt vielleicht sogar einfacher zu bewältigen.

Sind Sie denn mit der Frau noch zusammen?

Gabriel Rios: Nein, aber interessanterweise arbeitet sie für das Management, das mich betreut. Wir sind gute Freunde geblieben. Ich bin sogar Taufpate ihres Kindes. Ich kam hierher, studierte vier Jahre lang Malerei und hegte ganz heimlich den Plan, in Belgien eine Band zu gründen. Ich hatte einige lokale Radiosender gehört und wusste, was hier ankommt. In Puerto Rico wäre das unmöglich gewesen. Da ist die Musik viel zu konservativ. Schlimm. Von daher wollte ich hier mein Glück versuchen.

Wie lernten Sie Ihre damalige Freundin überhaupt kennen?

Gabriel Rios: Ich war seinerzeit 15 Jahre alt. Sie war schon 20 und in Puerto Rico auf Urlaub. Das kann man sich gar nicht vorstellen. Ich weiß noch, wie sie mich mal mit dem Auto meiner Mutter von der Schule abholte. Dazu muss man wissen: Meine Eltern waren für einheimische Standards äußerst liberal. Jedenfalls fragten mich all meine Freunde, wer die "ältere" Europäerin sei. Sie sah nämlich definitiv nicht puertoricanisch aus. Es war sehr interessant.

Heute leben Sie in New York und in Belgien, korrekt?

Gabriel Rios: Ich werde zwar für eine Weile nach New York zurückkehren, aber derzeit bin ich die meiste Zeit in Belgien. Nachdem ich das aktuelle Album in New York fertiggestellt hatte, war es sinnvoll, nach Gent zurückzukommen. In den nächsten Monaten werde ich im Zuge der Veröffentlichung viel in Belgien, Frankreich und Deutschland unterwegs sein. Auch England steht auf meinem Programm.

Konzert mit Gabriel Rios am Donnerstag, 18. Juni, 19 Uhr, im Kleinen Klub der Garage.

www.garage-sb.de , www.gabrielrios.com

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Zur PersonGabriel Rios wurde 1978 in San Juan, Puerto Rico, geboren, wo er den Großteil seiner Kindheit verbrachte. Kurzzeitig lebte er auch Los Angeles. Dann aber lernte er in seiner Heimat eine belgische Urlauberin kennen und zog mit 17 Jahren zu ihr nach Gent. Dort studierte er Malerei , entschloss sich dann aber, Profimusiker zu werden. Mit Erfolg - wie seine bisherigen Hits "Hallelujah" (Platz eins in Belgien) und "Gold" (Platz vier) belegen. kfb