Eine Straße der großen Gegensätze

Burbach. Es gibt Menschen die sagen, Burbach habe mit Problemen zu kämpfen. Andere loben das pralle Leben auf den Saarterrassen. Der Fremde, der mit dem Auto aus Richtung Völklingen über die Bundesstraße 51 hier einfährt, freut sich zunächst einmal über eine unproblematische und sparsame Beschilderung

Burbach. Es gibt Menschen die sagen, Burbach habe mit Problemen zu kämpfen. Andere loben das pralle Leben auf den Saarterrassen. Der Fremde, der mit dem Auto aus Richtung Völklingen über die Bundesstraße 51 hier einfährt, freut sich zunächst einmal über eine unproblematische und sparsame Beschilderung. In der Bergstraße und der Straße "Helgenbrunnen" kann er sogar ungestraft halten.

Der neue Kreisel am Beginn der Hochstraße, schön groß und unverschnörkelt, zeigt rechts (Heinrich-Barth-Straße) zu den Saarterrassen und geradeaus zur "City" - mehr Schilder braucht zunächst kein Mensch. Zu Recht nennen die Einheimischen diesen Verteilerkreis "Stern", er ist ein leuchtendes Vorbild an Klarheit.

Dass hier irgendwas nicht stimmt in der Hochstraße, sieht man aber daran, dass es zu den über hundert Hausnummern nicht einmal halb so viele Adressen gibt. Da muss schon Etliches weggerissen worden sein. Beim Blick nach rechts, jenseits des breiten, aber wenig genutzten Gehweges und des gepflegten Grünstreifens, wo im Sommer Bäume Schatten spenden, wird es offenkundig: Hier ist das neue Technologie- und Dienstleistungs-Burbach mit seinen Designer-Gebäuden entstanden. Linker Hand erschließt sich aber auch dem, der gerne großzügig über Mängel hinwegsieht, ein gewaltiges Burbacher Immobilienproblem: fünf- und sechsgeschossige Mietshäuser mit vielen Leerständen. Solche Angebotsüberschüsse sieht man vielerorts, hier allerdings kommen zertrümmerte Scheiben und herauswehende Stoff-Fetzen dazu. Doch der Bezirksrat West und die Stadtverwaltung haben das Problem erkannt. Das gesamte Gebiet zwischen Hoch- und Margarethenstraße soll verschönert werden (wir berichteten). Ein paar Meter weiter will der Gebäudemanagement-Betrieb der Stadt das Haus Hochstraße 110 abreißen.

Vielleicht gehört zur Verschönerung ja auch der Abriss der wenige Meter entfernten ehemaligen "Tosa-Klause", Symbol für den schlagzeilenträchtigen Kriminal-"Fall Pascal". Da immerhin der ehemalige Kneipen-Schriftzug entfernt ist, werden Unkundige zumindest nicht mehr draufgestoßen.

Dann folgt aber schon rasch der großzügige Bahnhofsvorplatz und gibt eine Vorstellung, wie es in wenigen Jahren überall aussehen könnte in dieser täglich von etwa 6500 Fahrzeugen genutzten Einfallstraße nach Saarbrücken. Vielleicht siedelt sich ja auch noch eine Behörde wie rechter Hand, im ehemaligen Versorgungsamt, das Landesamt für Soziales, Gesundheit und Verbraucherschutz an, mit den prächtig glänzenden Fallrohren an der Front und den vielen neuen Audi-Dienstwagen. Kurz darauf geht die alles andere als unspannende Hochstraße in die noch buntere Trödel-Meile Saarbrückens über, die Breite Straße im unteren Malstatt.