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Saarbrücken
Eine Stadtmauer taucht auf

Michael Judin (links) und Dennis Kapuscineki legen das alte Pflaster in der Altneugasse frei. Foto: Iris Maurer
Michael Judin (links) und Dennis Kapuscineki legen das alte Pflaster in der Altneugasse frei. Foto: Iris Maurer FOTO: Iris Maurer
Saarbrücken. In Saarbrückens Altneugasse kommen Schätze zum Vorschein. Eine Gruppe Arbeitsloser legt im Rahmen des Projekts „Kulturerbe der Landeshauptstadt Saarbrücken“ die Stadtmauer am Luisenbrunnen frei. Nicole Baronsky-Ottmann

Wie schon das Winterbergdenkmal und die Ruine der Aschbachkirche in Gersweiler ist auch das Ensemble der Altneugasse Teil des Projektes "Kulturerbe der Landeshauptstadt Saarbrücken ". "Bei den Arbeiten wird der Bereich der alten Stadtmauer um den Luisenbrunnen vom Wildwuchs befreit und anschließend gesäubert und gesichert", erläutert Hans Mildenberger, Denkmalpfleger der Landeshauptstadt Saarbrücken . Es ist eine Maßnahme für Langzeitarbeitslose , betreut vom ZBB, Zentrum für Bildung und Beruf Saar, in enger Kooperation mit dem Stadtplanungsamt und dem Denkmalschutz. Dabei werden kulturelle Orte vom Bewuchs freigelegt, besser zugänglich gemacht und gesichert. Das denkmalgeschützte Ensemble der Altneugasse, wo die Arbeiten gerade begonnen haben, ist der einzige Straßenzug, der noch einen Eindruck vom historischen Kern Alt-Saarbrückens vermitteln kann. Daher wird man dort auch einiges entdecken können, wenn der Wildwuchs die alten Steine und Mauern wieder hergibt.



Zuerst ist da die alte Stadtmauer, die vom Ende des 13. Jahrhunderts stammt und die im Bereich des Luisenbrunnens wieder gut sichtbar sein wird. Die Altneugasse schlängelt sich an ihr entlang, einige Häuser wurden angebaut, manche sogar in sie hineingebrochen. "Die Stadtmauer wird in dem Bereich, der öffentlich zugänglich ist, wieder freigelegt. Insbesondere der Knöterich, der hier überall wuchert und die Mauer sprengt, soll entfernt werden. Danach werden die Mauern gesäubert und gesichert", erklärt Hans Mildenberger . Stadtgeschichtlich interessant ist die Fläche unmittelbar in Höhe vor dem Luisenbrunnen. Hier, wo sich früher der Viehmarkt befunden hat, haben sich noch Reste eines alten Flusskieselpflasters erhalten. Dieses "Powei"-Pflaster zählt zu den ältesten und noch gut erhaltenen Straßenpflasterflächen in Saarbrücken und stammt wohl aus dem Spätmittelalter. Das Besondere an diesem Pflaster ist, dass ganze Flusskiesel gespalten wurden und als Steine noch zu erkennen sind. Wildkräuter überwucherten in letzter Zeit das Pflaster. Die Teilnehmer haben es jetzt wieder komplett freigelegt. "Das ist ein noch sichtbares Stück Stadtgeschichte", sagt dann auch Hans Mildenberger. Der Name des Pflasters, "Powei", ist vom französischen Wort "pavé" für Pflasterstein abgeleitet, das aber im 19. Jahrhundert als "poweiern" für das Verb "pflastern" seinen Weg in die lothringisch-pfälzische Mundart fand. Nur wenige Schritte weiter, vor der Kurve der Altneugasse Richtung Schlossstraße, wird eine weitere Straßenecke vom Wildwuchs befreit werden. Dahinter verbirgt sich eine größere Ausbuchtung in der Stadtmauer. "Hier hat sich nicht nur ein Stück der alten Stadtmauer erhalten, wahrscheinlich versteckt sich unter dem Grün der Rest eines Turms", erklärt Hans Mildenberger.

Die Ecke ist noch nicht übersichtlich, aber wenn der Wildwuchs auch dort entfernt ist, dann wird eines der ältesten Architekturstücke von Saarbrücken wieder sichtbar.

Zum Thema:

Stichwort "Kulturerbe in der Landeshauptstadt Saarbrücken ", eine sogenannte Arbeitsgelegenheitsmaßnahme, ist für Langzeitarbeitslose gedacht und läuft vorerst bis zum 31. Dezember. In diesem Projekt sollen mehrere kulturelle, kunst- oder regionalgeschichtlich bedeutsame Orte in der Stadt Saarbrücken wieder freigelegt, gepflegt und aufgewertet werden. Neunzehn Teilnehmer, die das Jobcenter ausgesucht hat, arbeiten aktuell in der Maßnahme und werden vom ZBB, Zentrum für Bildung und Beruf Saar, betreut. Weitere Projekte werden folgen. nba

Die Ecke Altneugasse/Markthallenstraße von 1958. Das Dreieck vorne ist das historische Pflaster. Foto: Archiv Mildenberger
Die Ecke Altneugasse/Markthallenstraße von 1958. Das Dreieck vorne ist das historische Pflaster. Foto: Archiv Mildenberger FOTO: Archiv Mildenberger