Eine gute Ausbildung macht sie zu Rettern

Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um, heißt es. Wie aber trotzen Hunderte von ehrenamtlichen Feuerwehrleuten dieser Weisheit? Denn sie begeben sich in Gefahr, um Leib und Leben, Hab und Gut ihrer Nachbarn zu retten. Die gute Ausbildung bewahrt die Mitglieder der freiwilligen Feuerwehren vor Schaden im Einsatz.

"Im Einsatz muss jeder ganz genau wissen: Was kommt auf mich zu? Nur eine gute Ausbildung trägt zu einem sicheren Einsatzerfolg bei", sagt Rafael Mailänder, Pressesprecher der freiwilligen Feuerwehrleute in Saarbrücken. 2259 Retter sind derzeit in den zehn Feuerwehren des Regionalverbandes tätig. Nach der Neustrukturierung der Freiwilligen Feuerwehr Großrosseln in diesem Jahr werden sie in 59 Löschbezirken Dienst tun und Ausbildungen absolvieren.

Das geht schon bei den derzeit 675 Jugendfeuerwehrleuten los. Die Jüngsten unter ihnen werden spielerisch an Feuerwehrthemen herangeführt. Als Kinder und Jugendliche lernen sie bereits allerhand über das Retterhandwerk. So löschen sie bei Übungen Containerbrände und beseitigen Ölspuren. Mit nachgebauten Geräten lernen sie kindgerecht, worauf es beim Atemschutz ankommt. Auch Fahrzeugkunde steht auf ihrem Lehrplan, außerdem Leinen und Knoten und der Umgang mit tragbaren Leitern. Und die Kameradschaft kommt auch nicht zu kurz.

Truppmannausbildung als Start

Mit der Ernennung zum Feuerwehranwärter beginnt dann der Ernst des Feuerwehrlebens. Ehe die Anwärter zum ersten Mal mit den Kameraden zum Einsatz ausrücken, müssen sie zum Beispiel genau wissen, wo im Fahrzeug ihr Platz ist.

In den Löschbezirken durchlaufen die Feuerwehranwärter dann die in zwei Abschnitte aufgeteilte Truppmannausbildung, das ist die eigentliche Grundausbildung bei der Feuerwehr. Wie in allen übrigen Lehrgängen lernen sie unter anderem die Rechtsgrundlagen ihrer Einsatztätigkeit. Außerdem kommen immer mehr Spezialthemen hinzu.

Dazu gehört Wissen über atomare, biologische und chemische Gefahrenstoffe, über Löscheinsätze, technische Hilfe und lebensrettende Sofortmaßnahmen. Und natürlich das Wissen über die eigene körperliche und seelische Belastung.

Nach der Truppmannausbildung durchlaufen die Feuerwehrleute weitere Spezialisierungslehrgänge, eine Führungsausbildung und Sonderlehrgänge, je nach Aufgabe. Im Regionalverband Saarbrücken organisiert Brandinspekteur Tony Bender diese Lehrgänge, die allgemeine Feuerwehrleute zum Truppführer, Maschinisten, Atemschutzträger oder Funker qualifizieren. Weitere interne Ausbildungen befassen sich mit dem Öffnen von Türen, der Arbeit mit einer Drehleiter oder Motorsägen.

Die Organisation ist dabei nicht so einfach. Eine Großzahl der Ausbildungsstunden können ganztags an Samstagen absolviert werden. Teilweise büffeln die Feuerwehrleute aber auch in den Abendstunden unter der Woche für ihre Qualifikation. Feuerwehrsprecher Rafael Mailänder sagt: "Ein Lohnausgleich erfolgt bei eigenen Lehrgängen nicht, lediglich bei Lehrgängen auf der Landesfeuerwehrschule."

Da manche Lehrgänge über einige Tage gehen, müssen sich die Feuerwehrleute oft freinehmen. Den erwähnten Lohnausgleich gibt es dann vom Land oder der Gemeinde.

Königsdisziplin Atemschutz

Als Königsdisziplin gilt die Ausbildung der Atemschutzgeräteträger. Sie müssen ihr Lebensrettungshandwerk an vorderster Front mit einer Atemmaske im Gesicht, schweren und sperrigen Pressluftflaschen auf dem Rücken verrichten. Meist tasten sie sich im Einsatz kriechend, mit der Feuerwehraxt als Tastinstrument vorwärts durch verqualmte Flure und Räume. Besonders knifflig wird es, wenn ein Kamerad unter Atemschutz zusammenklappt und gerettet werden muss.

Klar, dass solche Tätigkeiten so oft wie möglich in sicherer Umgebung geübt werden müssen, damit im Einsatz möglichst nichts passiert.

Gefragt unter den Feuerwehrleuten ist die Ausbildung zum Kraftfahrer. In der Regel sind die Fahrer auch Maschinisten, die während des gesamten Einsatzes in der unmittelbaren Nähe ihrer Feuerwehrautos sind.

lfv-saarland.de

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HintergrundAuch das Ausbilden der Kameraden in den Löschbezirken will gelernt sein. Ausbilder in der Feuerwehr werden an der Landesfeuerwehrschule dafür qualifiziert. Den Anfang macht der Grundlehrgang beziehungsweise der Lehrgang zum Jugendfeuerwehrbeauftragten. Später wird unter anderem unterrichtet, wie man Streitigkeiten schlichtet, Wettbewerbe organisiert oder neue Mitglieder gewinnt. Der neueste Lehrgang dieser Sparte heißt "Feuerwehrtechnik spielend leicht". al

Zum Thema:

HintergrundDie freiwilligen Feuerwehrleute wählen ihre Anführer demokratisch - die Löschbezirksführer, die Löschabschnittsführer, den Wehrführer, den Brandinspekteur und deren Stellvertreter. Wer einen Führungsposten innerhalb der Wehr einnehmen möchte, muss seine Eignung aber auch bei Lehrgängen beweisen. Der Einstieg ist die Ausbildung zum Gruppenführer. Die nächsten Stufen sind Zugführer, Verbandsführer, Leiter einer Feuerwehr, Einführung in die Stabsarbeit und der Brandmeisterlehrgang. al

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