Eine für alle und alle für eine

Gegründet wurde die Künstlerinnengruppe Saar vor 30 Jahren, um die Wahrnehmung von Frauen in der Kunst zu verstärken. In Sulzbach zeigt jetzt eine Ausstellung, dass die Gruppe jung geblieben ist.

Bei der Eröffnung in Sulzbach (von links): Monika Beck, Monika Zorn, Gabriele Eickhoff, Inge Schmitt-Strassner, Cloth Freichel-Baltes, Monika Schrickel, Jolande Lischke-Pfister. Foto: Feß. Foto: Feß

"Eigentlich hat sich die Künstlerinnengruppe Saar immer als berufsbezogene Interessengemeinschaft verstanden", erklärt Monika Schrickel, bekannte und engagierte saarländische Künstlerin. Sie ist die Sprecherin der Gruppe, die zurzeit mit einer sehenswerten Ausstellung in der Aula Sulzbach ihr 30-jähriges Jubiläum feiert.

Entstanden ist die Vereinigung, als im Jahr 1985 die Politikerinnen Monika Beck und Doris Pack anregten, eine Ausstellung nur von saarländischen Künstlerinnen zu veranstalten. Daraufhin haben sich zwölf gestandene Künstlerinnen, allesamt mit ganz eigenen künstlerischen Handschriften und Positionen, zusammengeschlossen, um sich durch Projekte gemeinsam zu etablieren und zusammen Ziele zu verfolgen. "Damals war es ja noch so, dass Frauen in der Kunstszene im Saarland weniger wahrgenommen wurden als heute. Das gelang in der Gruppe besser, auch wenn viel diskutiert wurde", erzählt Monika Schrickel weiter.

In den folgenden Jahren stellte die Gruppe fast jährlich gemeinsam aus, und die Künstlerinnen trafen sich regelmäßig im Alten Wasserwerk in Scheidt, ihrem Atelier und Veranstaltungsraum. Neben den Ausstellungen engagierte man sich auch in Kunstprojekten, editierte gemeinsam sechs Grafikmappen und gab ein Buch heraus. Einige der Ausstellungen, wie 1987 "Gewalt und Eros", über die Unterdrückung der Frau in der Gesellschaft, oder Aktionen wie 1988 "Saarabande", um auf die Umweltverschmutzung durch die Montanindustrie aufmerksam zu machen, wurden auch überregional wahrgenommen.

Im Laufe der Jahrzehnte wurde es altersbedingt etwas ruhiger um die Künstlerinnengruppe Saar. Aber die Gruppe blieb stabil. Bis heute sind noch die Gründungsmitglieder Inge Andler-Laurenz, Gabriele Eickhoff, Clothilde Freichel-Baltes, Jolande Lischke-Pfister, Inge Schmitt-Strassner und Monika Schrickel dabei, wenige gingen, neue Mitglieder wie Monika Zorn kamen schon vor Jahren hinzu. "Wenn neue Mitglieder aufgenommen wurden, dann war das sehr demokratisch. Alle mussten einverstanden sein, um respektvoll miteinander arbeiten zu können", betont Monika Schrickel.

Bei der aktuellen Ausstellung in Sulzbach sind zum ersten Mal zwei neue, jüngere Künstlerinnen dabei, Anne Haring und Sabine Späder. "Es war an der Zeit, dass die Gruppe sich verjüngen muss, dass wir Frauen aufnehmen, die mitarbeiten können und die die Idee der Gruppe weitertragen", sagt Monika Schrickel. Anne Haring und Sabine Späder sind eine gute Wahl, denn ihre Arbeiten fügen sich in der Ausstellung in Sulzbach selbstständig, aber äußerst harmonisch in den Kanon der etablierten, älteren Künstlerinnen ein. Die übergroße fragmentarische Frauenskulptur von Anne Haring und die bearbeiteten Fotografien aus dem Ikarus-Zyklus von Sabine Späder haben eine ähnliche, natürliche und zurückhaltende Farbgebung wie die Werke der anderen Künstlerinnen, sind ebenso ästhetisch und dezent.

Für die beiden Neuen war es eine Ehre, in die Mitte der älteren Kolleginnen aufgenommen zu werden. "Wir haben schon beim Ausstellungsaufbau gemerkt, dass wir gut zusammenpassen. Denn auch unsere Arbeiten sind eher leise, farblich ähnlich und auch bei uns ist das Thema oft die Frau", sagt Sabine Späder. Wer die Ausstellung sieht, wird sich freuen, dass es mit der Künstlerinnengruppe Saar jetzt noch viele Jahre weitergehen kann.

"30 Jahre Künstlerinnengruppe Saar". Eine gemeinsame Veranstaltung des Kulturvereins Sulzbach und der Stadt Sulzbach im Aula Kulturforum, Gärtnerstraße 12, in Sulzbach. Bis 9. August zu sehen. Geöffnet Mittwoch bis Freitag von 16 bis 18 Uhr und Sonntag von 14 bis 18 Uhr.