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Eine Ehrung wäre angemessen

Bevor sich die Schüler des Johanneums auf die Suche nach den geflüchteten und ermordeten Homburger Juden machten, besuchten sie mit Hans-Joseph Britz (l.) die Synagoge. Vergessen ist übrigens bis heute der Lehrer der jüdischen Schule, Shlomo Lewin. Foto: maa
Bevor sich die Schüler des Johanneums auf die Suche nach den geflüchteten und ermordeten Homburger Juden machten, besuchten sie mit Hans-Joseph Britz (l.) die Synagoge. Vergessen ist übrigens bis heute der Lehrer der jüdischen Schule, Shlomo Lewin. Foto: maa FOTO: maa
Homburg. Hans-Joseph Britz ist bei seinen Recherchen auf einen Mann gestoßen, der in Homburg weitestgehend vergessen wurde: Shlomo Lewin. Er war Lehrer an der jüdischen Schule in Homburg, emigrierte und wurde 1980 von Neonazis ermordet. Von SZ-RedakteurinChristine Maack

Im Juni 2013 wurde zum zweiten und letzten Mal der Edith-Aron-Schulpreis vergeben. Die Namensgeberin Edith Aron - Schriftstellerin, Übersetzerin und in Homburg geborene Tochter jüdischer Eltern - hatte schriftlich darum gebeten, von einer Preisverleihung in ihrem Namen Abstand zu nehmen. Den Preis selbst, der an Jugendliche verliehen wird, die sich erfolgreich mit den Themen Verfolgung, jüdisches Leben und Migration auseinandergesetzt haben, will die Stadtverwaltung aber weiterhin vergeben, lediglich der Name soll sich ändern.

Dass von Seiten des Saarpfalz-Gymnasiums sofort die Idee aufkam, den Preis nach Alex Deutsch zu benennen, ist verständlich, zumal sich die Schule seit vielen Jahren mit dem Schicksal dieses außergewöhnlichen, inzwischen verstorbenen Zeugen von Verfolgung, Auswanderung und Versöhnung beschäftigt hat.

Dennoch gibt es auch andere jüdische Bürger, die es verdient hätten, gewürdigt zu werden. Dazu zählt auch der letzte Lehrer der jüdischen Schule in Homburg, Shlomo Lewin. Hans-Joseph Britz vom Stadtarchiv hat für uns die Biografie zusammengestellt.

1932 kam Lewin mit seinen Eltern und Geschwistern von Breslau nach Homburg und wohnte in der Kanalstraße. Er unterrichtete als Lehrer in der jüdischen Schule im Gebäude der heutigen Hohenburgschule. 1933 heiratete er die Homburgerin Lilly Hirsch, Tochter des Stadtratsmitglieds Leo Hirsch. Nachdem die jüdische Schule von den Nazis aufgelöst worden war, emigrierte Lewin zunächst nach Frankreich, dann nach England, wo er sich der britischen Armee anschloss. Was aus Lilly Hirsch geworden ist, ist nicht bekannt.

Nach 1945 kehrte Shlomo Lewin nach Deutschland zurück, allerdings nicht nach Homburg, sondern nach Erlangen. Er plante, eine neue jüdische Gemeinde zu gründen. Seit 1964 lebte er mit Frida Poeschke zusammen, der Witwe des Erlanger Oberbürgermeisters; sie war evangelisch, und beide setzten sich für einen christlich-jüdischen Dialog ein.

Die Anfänge einer Versöhnung endeten tragisch, denn in der Nacht zum 19. Dezember 1980 drangen Neonazis in die Wohnung des Paares ein und erschossen Shlomo Lewin und Frida Poeschke. Seit 2010 gibt es am Erlanger Rathaus eine Grünanlage, die nach den beiden Opfern benannt ist.

Ein späte Würdigung für den Lehrer, der drei Jahre in Homburg tätig war und dort vermutlich auch geblieben wäre, wenn die Nazis ihm nicht nach dem Leben getrachtet hätten, kann Hans-Joseph Britz bei seinen Stadtführungen den Interessenten nicht zeigen.

Was ihn freut: Die Ausstellung "Auf den Spuren jüdischer Mitbürger in Homburg" im Foyer des Rathauses ist eine der am besten besuchten Ausstellungen, die dort bisher zu sehen waren. Die Ausstellung wurde von dem Religionskurs 10rk3 des Gymnasiums Johanneum unter der Leitung ihrer Lehrerin Edith Klenner erarbeitet. In monatelanger Arbeit haben Schülerinnen und Schüler Lebensgeschichten jüdischer Bürger in Homburg zusammen getragen und diese für eine öffentliche Darstellung aufgearbeitet. Die Ausstellung soll nun noch um einige Wochen verlängert werden.