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Einblicke in das Kino von morgen

 Julia Hartnik posiert mit einer „Virtual Reality“-Brille im E-Werk nach der Ophüls-Pressekonferenz. Foto: Oliver Dietze
Julia Hartnik posiert mit einer „Virtual Reality“-Brille im E-Werk nach der Ophüls-Pressekonferenz. Foto: Oliver Dietze FOTO: Oliver Dietze
Saarbrücken. Mit „Virtual Reality“-Brillen durch künstlich erschaffene Welten wandern – das können Kinofans während des Festivals Max Ophüls Preis. Studenten beschäftigen sich schon seit langem mit den Möglichkeiten, die die neue Technik bietet. Silvia Buss

Noch sitzen wir beim Festival Max Ophüls Preis in ganz gewöhnlichen Kinosesseln. Aber wie sieht es in Zukunft aus? Werden wir uns da "Virtual-Reality-Brillen" aufsetzen und dann mitten im Filmgeschehen stehen und Mörder auf der Flucht festhalten? Unglücklichen Verliebten übers Haar streichen?


Beim Festival unter der neuen Leitung von Svenja Böttger gehen Fachbesucher in der Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBK) solchen Fragen nach. In der HBK werden die Möglichkeiten der neuen Technologien schon seit längerem erforscht, sagt Julia Hartnik vom Institut K 8 der HBK Saar. Die Studenten nutzen sie vor allem, um interaktive Computerspiele zu entwickeln. Auch mit 360-Grad-Film beschäftigt sich die Hochschule. Das bedeute, dass der Zuschauer einen Film in "Rundumsicht" betrachten könne, er oder sie sitze aber nach wie vor nicht mitten im Geschehen, sondern davor. Auch Fernsehsender probieren damit bereits neue Filmerlebnismöglichkeiten aus. Beim Festival werden am Dienstag, 24. Januar, von 12 bis 17 Uhr Filmkritiker, Mitarbeiter des Senders Arte und andere Fachleute zu den Chancen und Risiken von "Virtual Reality" (VR) und 360 Grad sprechen. Auch Festivalbesucher können, sofern die Stühle reichen, teilnehmen, bekräftigt Julia Hartnik. Am Samstag ab 14 Uhr gibt HBK-Dozent Mert Akbal Einblick in seine Arbeit. Besonders spannend: In der "VR-Lounge" der HBK können sich die Besucher auch Brillen aufsetzen und sich virtuelle Welten, die Profis und Studierende kreiert haben, testen. "Betreuer stehen für Fragen zur Verfügung", sagt Julia Hartnik. Nicht nur an der HBK wird mit "VR"-Technologie geforscht und experimentiert, auch an den Forschungsinstituten auf dem Campus der Saar-Universität. "Insofern können wir bei dem Thema in Saarbrücken gut mitreden", betont Hartnik.



"The Captury" stellt sich vor

Neben Marco Speicher vom Deutschen Forschungszentrum für künstliche Intelligenz wird auch Nils Hasler am Abschlusspanel am Samstag ab 15 Uhr teilnehmen. Früher Wissenschaftler am Saarbrücker Max-Planck-Institut für Informatik gründete er mit seinem Kollegen Michal Richter inzwischen seine eigene Firma. "The Captury", bei der Cebit preisgekrönt, hat ein System entwickelt, das Menschen im Raum auch in Bewegung in 3D abbilden kann. Als Figuren kann man sie in "VR"-Welten einbauen und verändern. Das Besondere bei "The Captury" sei, dass sie für die Aufnahmen keine speziellen Kameras und auch kein Studio bräuchten und auch keine speziellen Anzüge , die mit Markierungen versehen und ziemlich umständlich anzuziehen sind, erklärt Mitbegründer Michal Richter. Bisher seien sie vor allem in der präventiven Physiotherapie und Ergonomie tätig. "Wir arbeiten etwa für Automobilhersteller, die wissen wollen, wie Arbeiter am ergonomischsten Autos zusammenbauen können", erklärt Richter. Aber auch für die Filmbranche sieht Hartnik große Chancen. Für Schauspieler wäre es sehr lästig, für 3D-Aufnahmen beengende Anzüge anzuziehen, aber ohne könnten sie so arbeiten, wie sie es gewohnt seien.