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Ein Vorreiter der Ökumene

Schüler bei der Arbeit am Grab des Ehrenbürgers. Foto: SZ/privat
Schüler bei der Arbeit am Grab des Ehrenbürgers. Foto: SZ/privat
Saarbrücken. In den Ruhestand ging er erst mit 83 Jahren, und als er gut ein Jahr später starb, berichtete die Saarbrücker Zeitung von einer der eindrucksvollsten und ergreifendsten Beerdigungen, die man je erlebt hatte; es sei ein Mensch gestorben, der nicht nur das Leben Christi gepredigt, sondern es auch vorgelebt habe

Saarbrücken. In den Ruhestand ging er erst mit 83 Jahren, und als er gut ein Jahr später starb, berichtete die Saarbrücker Zeitung von einer der eindrucksvollsten und ergreifendsten Beerdigungen, die man je erlebt hatte; es sei ein Mensch gestorben, der nicht nur das Leben Christi gepredigt, sondern es auch vorgelebt habe. Die Rede ist vom evangelischen Pfarrer und Religionslehrer Gustav Leopold Ilse (16. November 1821 bis 14. Dezember 1906). Der gebürtige Prenzlauer war 1854 als zweiter Pfarrer nach St. Johann gekommen und übernahm am 11. April 1860 die Stelle des ersten Pfarrers. 1864 übertrug man ihm den Religionsunterricht am Ludwigsgymnasium, später auch an weiteren Schulen.


In seiner Zeit erlebte die evangelische Kirchengemeinde eine Blüte und die Johanneskirche wurde (1895 bis 1898) gebaut. Ilseplatz und Ilsestraße sind nach dem Theologen benannt.

Die heutige Pfarrerin Johanna-Martina Rief, die aus Templin stammt, nennt ihren Amtsvorgänger Ilse "eine sehr prägende Persönlichkeit". Ilse zählt zu den Ehrenbürgern Saarbrückens. Die Ernennung wurde ihm zum 50. Dienstjubiläum zuteil. Wie es in der Urkunde heißt, würdigte man Ilse "in dankbarer Anerkennung seiner hervorragenden Amtsführung, seiner hingebenden Nächstenliebe und der um die Pflege confessioneller Eintracht erworbenen Verdienste".



Ilse war also ein früher Verfechter dessen, was man heute Ökumene nennt. Als wir in dieser Zeitung kürzlich (A bis Z Saarbrücken) unter dem Buchstaben E über Ehrenbürgerschaft schrieben, meldete sich Helga Faißt. Sie betreute ehrenamtlich ein Konfirmandenprojekt, bei dem sich Schülerinnen und Schüler mit Leben und Wirken dieses großen Geistlichen befassten. Helga Faißt findet, dass dieses große Engagement der 13- bis 14-Jährigen Beachtung verdient, also in die Zeitung gehört. Die Schüler Anton Sulger, Jens Hartung, Annika Quapp, Madeline Gross, Julia Port und Josefine Dusemund opferten viel Freizeit, um die Gräber von Gustav Ilse und seiner kurz vor ihm verstorbenen Frau Marie zu verschönern. Die Ehrengrabstätten liegen im Feld 12 des St. Johanner Friedhofs unweit zweier Birken.

Marie Ilse war über Jahrzehnte Vorsitzende des Frauenvereins und Mitglied des Armenausschusses gewesen. Wie Helga Faißt berichtet, hat sie bei der Stadtverwaltung angeregt, dass am Ilseplatz eine Tafel auf den Namensgeber hinweist. wp