"Ein soziales Leben in der Praxis"

Burbach. Eigentlich wollte er seinen 75. Geburtstag nicht mehr in einem so großen Rahmen feiern. "Nachdem wir meinen 70. Geburtstag im Saarbrücker Schloss gefeiert hatte, dachte ich: Das ist kaum noch zu toppen", sagte Jubilar Paul Quirin, der Landesvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt (Awo), am Mittwoch in seiner Festansprache im Bürgherhaus Burbach

Burbach. Eigentlich wollte er seinen 75. Geburtstag nicht mehr in einem so großen Rahmen feiern. "Nachdem wir meinen 70. Geburtstag im Saarbrücker Schloss gefeiert hatte, dachte ich: Das ist kaum noch zu toppen", sagte Jubilar Paul Quirin, der Landesvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt (Awo), am Mittwoch in seiner Festansprache im Bürgherhaus Burbach. Beim Skifahren sei ihm der Geistesblitz gekommen, wie er seinen 75. Geburtstag doch noch zu etwas Besonderem machen könnte: "Ich wollte auch die einladen, die sonst selten eingeladen werden." Und zwar Saarbrücker Obdachlose. Den vielen Festgästen - darunter auch, wie von Quirin angekündigt, viele Wohnungslose - berichtete der Jubilar, dass auch er einmal fünf Tage lang ohne ein festes Dach über dem Kopf gelebt habe. Als Knabe nach der Evakuierung zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Er erinnert sich: "Es gab damals keine unzufriedenen Menschen, jeder war arm und jeder hat dem anderen geholfen." Im Rückblick meint er auch: "Wir kannten damals keinen Wohlstand, aber wir kannten auch keine Raffgier." Das hat ihn offenbar geprägt, denn Quirin hat sein ganzes Leben unter sein Motto "soziales Leben in der Praxis" gestellt. Auch heute lebten viele Menschen unterhalb der Armutsgrenze. Von der Solidarität der Nachkriegszeit gebe es heute aber keine Spur mehr.

Quirin: "Es häufen sich Zeichen von Entsolidarisierung und sogar Ausgrenzung." Quirins zweiter Schwerpunkt: Die Ausgrenzung von Substituierten, Menschen, die ihre Sucht bewältigen wollen. Lange hatte die Awo einen Standort für ein so genanntes Methadon-Café suchen müssen und zitierte einen Satz, den er in dieser Zeit immer wieder gehört habe: "Es hat keiner was gegen die, aber bitte nicht hier." Quirin freute sich über viele prominente Besucher, wie den Landesvorsitzenden der SPD, Heiko Maas. Wolfgang Kruse, der Vorsitzende der Liga der Freien Wohlfahrtspflege Saar, gratulierte Quirin:: "Unsere Welt ist, wie sie ist, und sie braucht ein Engagement wie deines." Alfons Vogtel, Geschäftsführer der Saarland Heilstättengesellschaft, deren Aufsichtsratschef Quirin ist: "400 000 Saarländer kennen ihn, 250 000 sind Awo-Mitglied, und 150 000 sind seine Freunde." Zum Schluss bekräftigte Quirin, dies solle sein "letzter groß gefeierter" Geburtstag sein. Aber natürlich wolle er noch alt werden und "am besten wie meine Mutter im Alter von 98 Jahren friedlich entschlafen". "Ich wollte auch die einladen, die sonst selten eingeladen werden."

Jubilar Paul Quirin