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Ein Protest der leisen Töne

Auf dem St. Johanner Markt in Saarbrücken demonstrierten gestern Abend rund 1200 Menschen gegen Fremdenhass. Fotos: B&B
Auf dem St. Johanner Markt in Saarbrücken demonstrierten gestern Abend rund 1200 Menschen gegen Fremdenhass. Fotos: B&B
Saarbrücken. Wieder waren viele Menschen gestern in Saarbrücken auf der Straße. Die Pegida-Gegner mobilisierten 1200 Menschen, bei „Saargida“ kamen 150 – darunter auch wieder Anhänger aus dem rechtsextremen Milieu. ukl/rob

Am zweiten Montag in Folge haben sich Gegner und Anhänger der Pegida-Bewegung auf Saarbrückens Straßen ein Fernduell geliefert. Mit leisen Tönen und Literatur demonstrierten auf dem St. Johanner Markt laut Polizei 1200 Menschen für Weltoffenheit und Toleranz. Unter dem Motto "Kreativ statt primitiv" hatten die Initiatoren von "Bunt statt braun" aufgerufen, eines breiten Bündnisses aus Parteien, Gewerkschaften und Vertretern von Kirchen und Muslimen. Vergangenen Montag waren noch 9000 Saarländer dem Aufruf gefolgt. "Das war ein einmaliges Erlebnis, das wir ins unseren Herzen bewahren", sagte der evangelische Pfarrer und Mitinitiator Jörg Metzinger. "Ich hoffe, wir müssen nicht jeden Montag demonstrieren. Aber solange die anderen nicht aufgeben, geben wir auch nicht auf", rief er unter großem Beifall. Es sollte gestern bewusst keine klassische Kundgebung mit Reden sein. Stattdessen hatten sich sechs Musiker des Saarländischen Staatsorchesters auf dem Markt verteilt. Der Reihe nach spielten sie eine Fanfare aus Richard Wagners Oper "Der fliegende Holländer", dem sich Zitate aus Carl Zuckmayers Drama "Des Teufels General" anschlossen. Darin beschreibt er das Rheintal als die "große Völkermühle Europas", in der sich die Völker vermischt haben, "damit sie zu einem großen, lebendigen Strom zusammenrinnen".

Zur zweiten Saargida-Kundgebung mit "Stadtspaziergang" kamen am Abend etwa 150 Teilnehmer, weniger als halb so viele wie in der Vorwoche. Rund 80 Angehörige der autonomen Antifa protestierten dagegen. Unter den 150 Saargida-Anhängern war auch eine größere Gruppe von Personen aus dem NPD-Umfeld (darunter Parteichef Peter Marx), Anhänger der "Saarländer gegen Salafisten" und Hooligans. Von ihnen distanzierten sich die Saargida-Organisatoren bei der Kundgebung nicht. Eine Woche zuvor hatte es für eine solche Abgrenzung neben einigem Applaus vor allem Pfiffe gegeben.

Dass die Polizei in Dresden gestern nach einer Anschlagsdrohung alle Demonstrationen verboten hat, sehen Saar-Politiker ambivalent. CDU- und SPD-Abgeordnete erklärten zwar, sie vertrauten den Behörden, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Ein Verbot dürfe jedoch keine Dauerlösung sein, da es eine "Kapitulation vor dem Terrorismus " darstelle, mahnte Günter Becker (CDU ). Grünen-Chef Hubert Ulrich nannte die Entscheidung "grenzwertig"; Andreas Augustin (Piraten) sprach von "einem kleinen Sieg für den Terrorismus ". Linken-Fraktionschef Oskar Lafontaine forderte Aufklärung darüber, ob das Verbot wirklich begründet gewesen sei.


150 Menschen kamen zur Kundgebung von „Saargida“ vor die Saarbrücker Europagalerie.
150 Menschen kamen zur Kundgebung von „Saargida“ vor die Saarbrücker Europagalerie. FOTO: B&B