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Ein neues Leben ohne Uniform

Saarbrücken. Ersehnt und gefürchtet: der Ruhestand. Was passiert, wenn Menschen nicht mehr arbeiten müssen? Wie groß ist die Angst, nicht mehr zur Arbeitswelt zu gehören? Wir haben Saarbrücker gefragt, wie sie ihren Ruhestand erleben. Heute: Wilfried Pukallus. Frank Bredelund Jennifer Siegler (beide SZ)

Offiziell ist Wilfried Pukallus im Ruhestand . Aber eigentlich ist es bei ihm alles andere als ruhig, seit er nicht mehr der Dienststellenleiter der Verkehrspolizeiinspektion Dudweiler ist. "Ich habe jeden Tag Termine. Mir ist nie langweilig", erzählt er mit einem Lachen. Auch seine Frau schmunzelt und sagt: "Manchmal habe ich gar nicht das Gefühl, er sei im Ruhestand ." Wir haben Pukallus, der auch die Polizeiinspektion St. Johann leitete, zu Hause besucht.

Seit 2010 hat er sein letztes polizeiliches Amt in Dudweiler abgegeben und anfangs war es erst mal ein "sehr komisches Gefühl", nun nicht mehr dem Beruf nachzugehen. Seine Kollegen nannten ihn immer schon liebevoll "Puck", und er war tief mit seinem Job verwurzelt: "Ein sehr emotionaler Moment war für mich das Abgeben meiner Uniform und dann der letzte Blick ins Büro. Trotzdem ist es mir leichter gefallen loszulassen, als ich erst vermutet hatte. Zu Hause war dann erst mal alles auf null. Mein einziger Zeitvertreib war das Auspacken meiner Kisten von der Arbeit", erzählt der 62-Jährige.

Nach und nach suchte er sich Beschäftigung und manches kam sogar von selbst, wie zum Beispiel das Ehrenamt des Vorstandsmitglieds für Verkehr und Technik beim ADAC Saarland. Für diesen Posten wurde er vom ADAC-Vorsitzenden Karl-Heinz Finkler gefragt, da der ehemalige Verkehrspolizist bestens mit Verkehrsregeln und dem Verhalten im Straßenverkehr vertraut ist. Pukallus ist weiterhin Mitglied der Gewerkschaft der Polizei und außerdem engagiert in der Polizeiseelsorge.

Als Landesvorsitzender der ILCO-Selbsthilfegruppe Saarland ist es für den Pensionär eine Herzensangelegenheit, sich für die Belange von Menschen mit Darmkrebs und künstlichem Darm- oder Blasenausgang einzusetzen. "Wir machen den Menschen Mut und kümmern uns um Materialien für sie. Das Leben mit einem künstlichen Darmausgang ist nicht leicht", berichtet Pukallus, der selbst lernen musste, mit einem sogenannten Enterostoma zu leben.

Seit 41 Jahren ist Wilfried Pukallus mit seiner Frau Rita verheiratet, und auch wenn er immer noch viel unterwegs ist, nehmen sich die beiden nun mehr Zeit füreinander. "Wir frühstücken morgens immer gemeinsam. Und wenn es die Zeit hergibt, trinken wir mittags auch zusammen Kaffee. Außerdem bin ich abends jetzt vor 19 Uhr zu Hause und wir haben dann noch genügend Zeit, es uns gemütlich zu machen und uns zu unterhalten", erzählt er zufrieden. Sein großes Ziel für den Ruhestand war das Reisen. Also gönnen sich die beiden jedes Jahr einen Wellnessurlaub mit Sauna, Entspannung, "seichten" Romanen, wie er selbst sagt, und ganz viel Faulenzen. Natürlich stehen auch Städtetrips auf dem Programm, so geht es zum Beispiel demnächst mit der Gruppe der Polizeiseelsorge nach Venedig.

Besonders freut sich Wilfried Pukallus über den Besuch seiner beiden Enkelkinder. "Die beiden Jungs sind sieben und zwölf Jahre alt, und seit ich nicht mehr arbeite, habe ich auch für die beiden Jungs viel mehr Zeit. Sie kommen öfter vorbei, und meine Frau und ich können sie nach Strich und Faden verwöhnen", verrät Opa Wilfried.