Ein neuer Blick auf das Schloss

Vor 25 Jahren war der Umbau des Saarbrücker Schlosses abgeschlossen. Er sollte Geschichte und Gegenwart vereinen. Um das ins Gedächtnis zu rufen, hat der Regionalverband jetzt eine besondere Führung angeboten.

Hier fing alles an: die alten Mauern unter dem Schlossplatz.

Der Abend liegt schon über dem Schlossgarten, als Marta Hemkemeier zum letzten Mal die Violine ansetzt und eine Serenade von Gottfried Kirchhoff spielt. Selbst die zwei Jugendlichen, die im Garten Zuflucht vor neugierigen Blicken gesucht haben, verstummen. Es ist die letzte Station der Führung durch Geschichte und Bauabschnitte des Saarbrücker Schlosses. Samt passender Musik.

Zu Beginn geht es tief unter die Erde, in die Kasematten, zum großen Felsen, auf dem nicht nur das Schloss ruht, sondern der auch Saarbrücken seinen Namen gab. Sarabriga hieß die Stadt einst. Sara, keltisch für fließendes Gewässer und Briga, der Felsen. "Hier ist der Ursprung Saarbrückens", sagt Klaus Friedrich von der Barockstraße, der die Führung leitet. Von diesem Felsen aus wuchs das Schloss und mit ihm auch Saarbrücken. Von der mittelalterlichen Burg über den barocken Hof vor 275 Jahren entworfen von Friedrich Joachim Stengel bis heute. "Am Schloss richtete sich auch die Stadt aus, mit den Achsen zur Ludwigskirche und zum Brunnen am St. Johanner Markt", erklärt Friedrich. Die Achsen passen immer noch, 25 Jahre nachdem der Kölner Architekt Gottfried Böhm dem Schloss seine heutige Form gab.

39 Besucher sind gekommen, fast alle aus Saarbrücken. "Uns geht es auch darum, herauszufinden, wie wir eine solche große Führung aufbauen können", sagt Regionalentwickler Peter Lupp. Auch für die Einheimischen ist vieles von dem, was Friedrich und Lupp berichten, neu. Dass Böhm 1986 auch wegen dieses Entwurfs mit dem Pritzker-Preis, sozusagen den Nobelpreis für Architektur, ausgezeichnet wurde beispielsweise. Auch darum geht es beiden, ganz unverhohlen Werbung zu machen für diesen Bau. Ein Schloss, das immer wieder neu erfunden und erbaut wurde und das in seiner jetzigen Form diese Geschichte vereinen soll. "Wenn man sich außerhalb umhört, wissen viele, die sich mit Architektur beschäftigen, wie bedeutend Böhms Umbau ist", sagt Lupp: "Nur die Saarbrücker sind sich dessen oft gar nicht bewusst." An diesem Unwissen soll auch diese Dialogführung rütteln. Und das Schloss ein wenig stärker ins Bewusstsein rufen, sagt Lupp: "Wir können da nämlich wirklich stolz drauf sein."

Tourist Information im Saarbrücker Schloss, Tel. (06 81) 5 06 60 06 E-Mail: touristinfo@rvsbr.de

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