Ein Liebhaber alter Stadtansichten

Saarbrücken. Wie schön war Saarbrücken, bevor Bomben im Zweiten Weltkrieg ganze Straßenzüge in eine Trümmerlandschaft verwandelten und Abrisskräne in der Nachkriegszeit das Werk der Zerstörung fortsetzten. Welch ein prächtiges Bild bot die Bahnhofstraße im Jahr 1903, wie malerisch wirkte die Mainzer Straße um 1912, als statt Autos noch Kutschen und eine zierliche Straßenbahn fuhren

Saarbrücken. Wie schön war Saarbrücken, bevor Bomben im Zweiten Weltkrieg ganze Straßenzüge in eine Trümmerlandschaft verwandelten und Abrisskräne in der Nachkriegszeit das Werk der Zerstörung fortsetzten. Welch ein prächtiges Bild bot die Bahnhofstraße im Jahr 1903, wie malerisch wirkte die Mainzer Straße um 1912, als statt Autos noch Kutschen und eine zierliche Straßenbahn fuhren. Wer den Kalender "Saarbrücken gestern" für das Jahr 2012 betrachtet, kann leicht ins Schwärmen geraten.13 alte Ansichten, darunter die beschriebenen Motive, hat der Saarbrücker Sammler Rainer Ohlhoff für die aktuelle Kalender-Ausgabe ausgewählt und mit kurzen Texten versehen. Bereits seit 20 Jahren ist der pensionierte Lehrer für die Saarbrücker Ausgabe der "Städtekalender gestern" zuständig, die der m+m-Verlag für zahlreiche Städte in ganz Deutschland herausbringt.

"Für mich ist es faszinierend, zu sehen, wie Saarbrücken früher ausgesehen hat", erklärt Rainer Ohlhoff seine Leidenschaft für alte Ansichtskarten. Vor 40 Jahren begann er, historische Postkarten mit Bildmotiven von Saarbrücken zu sammeln.

Über 3500 Exemplare umfasst seine Sammlung heute, die ältesten stammen aus den 1890er Jahren. Prächtige Farblithographien von Sehenswürdigkeiten und Grünanlagen sind ebenso dabei wie Stahlstiche und Karten, die an besondere Ereignisse wie etwa die Landung des Zeppelins auf den St. Arnualer Wiesen um 1933 erinnern. "Für den Kalender schicke ich dem Verlag jedes Jahr eine Auswahl von 15 bis 16 Karten", erzählt Ohlhoff. Dabei wähle er sowohl Motive für Menschen aus, die besonders schöne alte Ansichten von Saarbrücken sehen möchten, als auch solche, die aus historischer Sicht besonders interessant sind, weil sie zum Beispiel Häuser zeigen, die es heute nicht mehr gibt, oder besondere Ereignisse dokumentieren. So enthält die jüngst erschienene Kalender-Ausgabe für 2012 auch eine Fotografie, die 1947/48 während des großen Hochwassers in Güdingen entstand. Es zeigt zwei Männer, die in Höhe der Kirche mit einem provisorischen Ruderboot auf der überschwemmten Hauptstraße unterwegs sind. Idyllisch mutet dagegen die Ansichtskarte an, die Rainer Ohlhoff für den Monat August ausgewählt hat: Sie zeigt die Alte Brücke und den heutigen Tbilisser Platz von der Schlossmauer aus.

Wo heute das Staatstheater steht, befand sich um 1892 eine große Wiese, auf der Frauen Wäsche zum Trocknen aufhängten.

 3500 alte Postkarten hat Rainer Ohlhoff in seiner Sammlung. Daraus stellt er dem m+m-Verlag seit Jahren einige Schmuckstücke für Kalender zur Verfügung. Foto: Iris Maurer
3500 alte Postkarten hat Rainer Ohlhoff in seiner Sammlung. Daraus stellt er dem m+m-Verlag seit Jahren einige Schmuckstücke für Kalender zur Verfügung. Foto: Iris Maurer

Der Kalender "Saarbrücken gestern" für das Jahr 2012 (m+m-Verlag) ist für 12,90 Euro im Buch- und Schreibwarenhandel erhältlich.