Ein Königsspiel wurde bürgerlich

50 Männer gründeten vor 90 Jahren den Billardclub Quierschied. Das ehemals adelige Spiel war längst bürgerlich geworden. Nun feierten die Mitglieder des Clubs dessen Geburtstag im Gasthaus Didion.

Billard ist die Kunst mit einem Spielstock, dem Queue, bunte Kugeln mit Hilfe der weißen Spielkugel zu einer Karambolage zu bringen. Die schottische Königin Maria Stuart oder der französische Sonnenkönig spielten Billard. König Louis XI. ließ den ersten mit Tuch bezogenen Billardtisch im Jahre 1469 bauen. Anfänglich war es ein Spiel des Adels. Volkstümlich wurde Billard nach der Französischen Revolution 1789. Danach standen die Tische auch in den Dorfkneipen.

In Quierschied wurde schon in den 1920er Jahren Billard gespielt. In jedem zweiten Lokal stand ein Tisch. 1924 gründeten 50 Männer den Billardclub Quierschied. Mit einem gemütlichen Beisammensein wurde jetzt im Gasthaus Didion der 90. Geburtstag gefeiert. Es war eine ganz besondere Feier. Denn kurz vor dem Jubiläumsfest fand ein Führungswechsel statt. Nach 40 Jahren an der Spitze übergab Paul Pendorf den Vorsitz an Manfred Jochum. Gemeinsam begrüßten beide die zahlreichen Gäste der Geburtstagsfeier. Neben Bürgermeisterin Karin Lawall und dem Ersten Gemeindebeigeordneten Karl-Heinz Lander waren auch der Ehrenvorsitzende Edgar Reiss und Jörg Schütz, der 1. Vorsitzende des neuen Billard-Verbandes Saar, dem die Quierschieder angehören, gekommen. Pendorf nutzte die Gelegenheit und dankte allen Vorstandskollegen für die jahrelange vertrauensvolle Zusammenarbeit. Das Engagement seines Stellvertreters Josef Maurer ("Er hat mich 30 Jahre als Kopilot begleitet") und des langjährigen Schatzmeisters Klaus Müller, stellte er besonders heraus. Bürgermeisterin Karin Lawall sprach von einem gut geführten Verein, der mit seinen zahlreichen Erfolgen den Namen von Quierschied weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht habe. In seiner Eigenschaft als stellvertretender Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsvereins betonte Karl-Heinz Lander: "Der Billardclub zeichnet sich durch eine große Kontinuität in der Führungsspitze aus. In seiner langen Geschichte ist jetzt erst der vierte Vorsitzende am Ruder." Karl Krächan war der erste Vorsitzende des Billardclubs Quierschied. Im Lokal Jochum, auch "Pitz Wirtschaft" genannt, fand der neue Club seine Heimat. 1931 wurde das Gasthaus Bost - heute Gasthaus Didion - neues Vereinslokal. Es ist es bis heute. Ein Höhepunkt in der 90-jährigen Geschichte war die Ausrichtung der "Deutschen Meisterschaft in der Freien Partie" 1967. Nach 18 Jahren übergab der heutige Ehrenvorsitzende Edgar Reiss, der selbst mehr als zwei Jahrzehnte lang ein Spitzenspieler des Clubs war, das "Zepter" an Paul Pendorf. Im neu erbauten Gasthaus Didion am Marktplatz in Quierschied, erhielt der Billardclub 1977 ein eigenes Zimmer, das durch große Fenster vom Gaststättenbetrieb abgetrennt ist.

Der Quierschieder Manfred Schreiner entwickelte eigens für den Verein eine elektronische Ballanzeige, für die sich sogar Spieler aus Amerika und Japan interessierten. Im November 1978 blickte ganz Europa auf Quierschied. Die besten Spieler gaben sich hier bei der Billard-Europameisterschaft im Cadre 71/2 ein Stelldichein. Das Fernsehen übertrug die Schlusspartie live aus dem Kultursaal. Der Belgier Raymond Ceulemans - bester Billardspieler aller Zeiten - gewann die Meisterschaft. Die erste Mannschaft des Vereins spielte in den 80er Jahren erfolgreich in der Saarlandliga und schaffte sogar den Aufstieg in die Regionalliga. 1989 wurde in Quierschied die deutsche Seniorenmeisterschaft im Cadre 38/2 ausgetragen, und ein Jahr später fand hier die deutsche Einband-Seniorenmeisterschaft statt. Heute hat der Billardclub Quierschied drei Mannschaften. Die erste spielt in der Oberliga, die Teams zwei und drei in der Saarlandliga.