Ein kleiner Pieks, der anderen hilftDRK: Nur 1,7 Prozent der Saarbrücker spenden Blut

Saarpfalz-Kreis/Saarbrücken. Das offensichtlich nicht ausreichende Frühstück war's. Vermutlich auch die Aufregung. Jedenfalls liege ich nun, nachdem sich kurzzeitig mein Kreislauf verabschiedet hat, auf der Liege im Blutspendezentrum Saar-Pfalz auf dem Winterberg und ärgere mich. Die Nadel, erst kurz zuvor platziert, ist längst wieder aus der Armvene gezogen

Saarpfalz-Kreis/Saarbrücken. Das offensichtlich nicht ausreichende Frühstück war's. Vermutlich auch die Aufregung. Jedenfalls liege ich nun, nachdem sich kurzzeitig mein Kreislauf verabschiedet hat, auf der Liege im Blutspendezentrum Saar-Pfalz auf dem Winterberg und ärgere mich. Die Nadel, erst kurz zuvor platziert, ist längst wieder aus der Armvene gezogen. Aus meiner ersten Vollblutspende, eingeleitet unter anderem durch eine Untersuchung und einen Bluttest, wurde nichts. Einziger Trost: Dass bei Spendern der Kreislauf mal schlapp macht, erfahre ich, kommt schon mal vor. Ich beschließe, einen zweiten Versuch zu wagen. Mit genügend Frühstück und Flüssigkeit im Bauch. Schließlich, das haben mir die Ärzte bestätigt, gibt es zu wenig Spenderblut. Und ich will zeigen, dass auch Menschen wie ich, die eigentlich kein Blut sehen können, helfen können. Besonders in dieser Jahreszeit, wo es weniger Spender gibt, weil viele wegen einer Erkältung oder ähnlicher Erkrankungen ausfallen.

Zweiter Termin. Einer ärztlichen Untersuchung muss ich mich diesmal nicht unterziehen, erst wieder in zwei Jahren. Ansonsten ist alles ähnlich wie vorher: Ich sitze mit einigen anderen Spendern (darunter viele junge Leute) im Entnahmezimmer, habe wieder einen langen Fragebogen zu meinem Gesundheitszustand ausgefüllt, den Personalausweis gezeigt und die Utensilien für die spätere Blutspende erhalten. Wieder werden der Puls und die Temperatur gemessen.

Und wieder geht es nun an die Blutspende: 500 Milliliter sollen in den nächsten zehn bis 20 Minuten meinen Körper verlassen. "Das verkraftet ein normaler Mensch problemlos", hat der Ärztliche Leiter, Dr. Alexander Patek, gesagt. Fünf bis sechs Liter Blut flössen durch den Körper. Eine Blutspende ist ihm zufolge auch eine Art "Gesundheitscheck": Das untersuchte Blut lässt Rückschlüsse auf den eigenen Zustand zu.

Es geht los. Der Pieks ist nicht schmerzhafter als bei einer normalen Blutabnahme. Gut so. Und es fühlt sich eigentlich gar nicht schlimm an. Hinsehen will ich aber lieber doch nicht. Ich entspanne mich, unterhalte mich mit zwei netten Mitarbeiterinnen der Blutspendezentrale. Die 22-jährige angehende Studentin neben mir erzählt, dass sie zum dritten Mal spendet: "Das ist eine gute Sache." Die Zeit verfliegt.

Ehe ich mich versehe, ist das Ganze tatsächlich vorbei. Wieder ein Pieks, als die Nadel die Vene verlässt. Etwa eine halbe Stunde soll ich ruhen. Kaffee oder andere Getränke trinken, Süßes essen, um den Kreislauf zu stärken. Wie geht es mir? Ich bin ein bisschen stolz. Und ich werde es bestimmt wieder tun.

Saarpfalz-Kreis/Saarbrücken. "In Saarbrücken ist die Spendenquote saarlandweit am schlechtesten, es ist eine Katastrophe. Nur 1,7 Prozent der Saarbrücker spenden Blut": Wenig Erfreuliches berichtet Christoph Ernwein, Blutspendereferent des DRK-Blutspendedienstes Rheinland-Pfalz und Saarland. Die DRK-Mitarbeiter bieten an wechselnden Orten mobile Blutspendetermine an. Hier, so Ernwein, bemerken sie, dass in ländlichen Gegenden die Bereitschaft zu einer Blutspende wesentlich größer ist, "da ist es etwas Besonderes, da geht man auch mal in Gruppen spenden." In der Stadt sei vermutlich die Anonymität schuld an der nur geringen Bereitschaft. Dabei, betont Ernwein, sind Spenden so wichtig: "Die Nachfrage ist viel größer als das Angebot." So seien im Jahr 2008 saarlandweit 38 000 Konserven beim DRK geordert worden, aber 60 000 von Krankenhäusern angefordert worden: "Die fehlenden 22 000 kamen deshalb aus Rheinland-Pfalz." Ein Großteil der Menschen ist Ernwein zufolge einmal im Leben selbst auf eine Spende angewiesen: "80 Prozent brauchen in ihrem Leben eine Blutkonserve." Ernwein betont, dass eine Spende ungefährlich sei, es werde mit einem sterilen geschlossenen Beutelsystem gearbeitet.

Der Experte erklärt auch, welchen Weg das über das DRK gespendete Blut geht: "Die Konserve wird nach Bad Kreuznach gebracht, dort wird sie aufbereitet." Aus einer Vollblutspende könnten drei Bestandteile gewonnen werden: das Erythrozytenkonzentrat, das Plasmakonzentrat und das Thrombozytenkonzentrat. "Je nach Patientenzustand wird entschieden, welcher Bestandteil gebraucht wurde. Mit einer Blutspende können so drei Leben gerettet werden." Das Labor untersuche das Blut nach möglichen Erregern. "Wenn das Okay vom Labor kommt, wird die Konserve freigegeben." Je nach der Bestellung der Krankenhäuser werde das Blut geliefert. Ernwein: "Binnen 36 bis 38 Stunden ist das gespendete Blut in der Regel wieder in der Vene eines Patienten." up

Hintergrund

Die Blutspendezentrale Saar-Pfalz auf dem Saarbrücker Winterberg (es gibt noch eine Filiale am Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern) ist montags, donnerstags und freitags jeweils von 8 bis 15 Uhr, dienstags und mittwochs von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Anmeldung ist nicht nötig, ein Ausweis muss vorgezeigt werden. Spender erhalten für eine Vollblutspende rund 25 Euro. Spenden, so heißt es hier, kann jeder Gesunde zwischen 18 und 68 Jahren (Erstspender: 60 Jahre). Der Abstand zwischen zwei Spenden sollte bei Frauen mindestens zwölf, bei Männern acht Wochen nicht unterschreiten.

Im vergangenen Jahr zählte die Blutspendezentrale (inklusive Kaiserslautern) 17 000 Vollblutspenden. Tendenz der vergangenen Jahre: leicht steigend. Beliefert werden die Krankenhäuser der drei Gesellschafter (Klinikum Saarbrücken gGmbH, Westpfalzklinikum GmbH, Saarland Heilstätten GmbH), außerdem weitere Krankenhäuser im Saarland und Rheinland-Pfalz und Arztpraxen.

Infos: Tel. (06 81) 9 63 25 60, E-Mail: bsz-saarpfalz@klinikum-saarbruecken.de. up

Hintergrund

Der DRK-Blutspendedienst Rheinland-Pfalz und Saarland organisiert seine Blutspenden über verschiedene Termine in Ortsvereinen. Der zuständige DRK-Blutspendereferent Christoph Ernwein erläutert: "Pro Ortsverein gibt es vier bis fünf Termine, zu erfahren sind sie über unsere Internetseite oder unsere Hotline." Der nächste Blutspendetermin ist am 22. Februar, 15 bis 20 Uhr, auf dem Gelände der Stadtbahn Saar, Hohenzollernstraße 115, Saarbrücken. Eine Anmeldung ist nötig, eine Aufwandsentschädigung gibt es nicht. Spendenwillige sollen ihren Personalausweis mitbringen.

Spenden können laut Christoph Ernwein beim DRK gesunde Menschen ab 18 Jahren, Erstspender sollten hier unter 68 Jahre alt sein. Es gilt: Männer dürfen pro Jahr nicht mehr als sechs Vollblutspenden leisten, Frauen sogar nicht mehr als vier. 2009 wurden in Saarbrücken beim DRK 5605 Vollblutspenden (2008: 5293) gezählt. Das DRK beliefert Ernwein zufolge alle Saarbrücker Krankenhäuser.

Infos gibt es unter der Hotline Tel. (08 00) 1 19 49 11 und über die Internetseite. up

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