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Ein Hoch auf die „Neinkeija Schdróóssebahn“

Erinnerungen an die Neunkircher Straßenbahn in den 70er Jahren und die letzte Fahrt am 10. Juni 1978 wurden bei Bildern wie diesem wach. Foto: Willi Hiegel
Erinnerungen an die Neunkircher Straßenbahn in den 70er Jahren und die letzte Fahrt am 10. Juni 1978 wurden bei Bildern wie diesem wach. Foto: Willi Hiegel FOTO: Willi Hiegel
Neunkirchen. NVG-Chef Pascal Koch weckte am Dienstagabend in der überfüllten Stummschen Reithalle nostalgische Gefühle: Wiedersehen mit der Schdróóssebahn. Viele Geschichten und persönliche Erinnerungen waren da zu hören. gm

. Damals machten die Erwachsenen vor Schreck große Sätze, wenn die Straßenbahn vorbeifuhr und eine Kette von "Schießblädscha" laut losknatterten. Die Kinder grölten. Sie hatten die Knallkörper auf die Schienen gelegt, unmittelbar, bevor die Bahn anrollte. Ein anderes Spiel war das Aufspringen während der Fahrt auf die meist gemächlich daherzockelnde Bahn. Die Schaffner schimpften: "Hau'n ab, ihr Rotzlöffel!" Und wieder johlten die Kinder.

Wie sehr die älteren Neunkircher noch an der 1978 stillgelegten Straßenbahn hängen, demonstrierten sie am Dienstagabend in der Stummschen Reithalle. Sie war überfüllt. Stühle mussten angekarrt werden, als der Vorstand der Neunkircher Verkehrsbetriebe, Pascal Koch, noch einmal die Geschichte der Straßenbahn wachrief. Darunter auch Geschichten wie diese: Vor dem Krieg, als die Straßenbahn den Hüttenberg nur im Schritttempo hinunterfahren durfte, stiegen ängstliche Neunkircher auf ihrer Fahrt zum Stummdenkmal an der Haltestelle "Marienkirche" aus, liefen zu Fuß neben der Bahn her, um an der Haltestelle "Christuskirche" wieder einzusteigen. Man konnte ja nie wissen . . .

Der nicht zur Straßenbahngeneration gehörende Bürgermeister Jörg Aumann konnte angesichts der Zuhörermassen nur noch feststellen: "Lassen wir doch die Straßenbahn wieder fahren." Das gab Beifall. Der amtierende Vorsitzende des Neunkircher Rotary-Clubs, Hans Gerber, gestand, "als Schüler noch Straßenbahn gefahren zu sein". Pascal Koch führte locker durch die Straßenbahnhistorie. Gern gehört wurde der Hinweis, die Straßenbahn in Neunkirchen habe die steilste Strecke in Europa ohne Zahnradantrieb bewältigt. "Schdróóssebahner" müssen viel wissen, wie zum Beispiel Johannes Sebastian und seine Frau Sonja Gard. Sie haben die umfassende Jubiläumsdokumentation "100 Jahre ÖPNV in Neunkirchen" 2007 herausgebracht. Der Rotary-Club ließ den Band an diesem Abend noch einmal aufleben und bot ihn für fünf Euro an. Der Erlös fließt in die Rotary-Aktion "Kinder lernen Deutsch".

Fernsehfilme untermauerten Kochs Erläuterungen. Dabei erschienen so manche Neunkircher Persönlichkeiten, wie die Humoristen Paul Schall und Ernst Wilding, wieder auf der Bildfläche. Unter den Filmen war auch der des Neunkircher Hobby-Filmers und Straßenbahners Fredi Dörrenbächer. Die Technik dirigierte an diesem Abend Dirk Backes.

In der Reithalle aber saßen viele ehemalige "Schdróóssebahner", wie Günther Pies, Harry Freitag, Ludwig Montag, Manfred Kolling, Eberhard Maurer, Horst Wittwer, Heinz Wolf und Werner Schulz. Die Nahverkehrsfreunde aus Schiffweiler hatten Relikte "aus der guten, alten Zeit" ausgestellt. Und Roger Wack rundete mit seinem "Straßenbahnlied" den Abend ab.