Ein großes Herz für junge Menschen

Thomas Langhammer, Rûken Tosun und Gisela Zimmermann erhalten heute im Saarbrücker Schloss den Kulturpreis 2016 des Regionalverbands für „engagierte Kunst für die Region“. Die SZ hat die Künstler getroffen.

Sie haben seit 2010 rund ein Dutzend künstlerisch-kreativer Projekte mit Jugendlichen in Malstatt realisiert. Und das nahezu im Alleingang, ohne eine große Wohlfahrtsorganisation im Rücken. Dafür werden Gisela Zimmermann, Rûken Tosun und Thomas Langhammer am heutigen Donnerstag mit dem Kulturpreis des Regionalverbands für "engagierte Kunst für die Region" ausgezeichnet.

Wer sind die Drei und wie kamen sie dazu? Um das herauszufinden, haben wir uns in der Saarbrücker Rosenstraße verabredet, wo Langhammer und Zimmermann leben und arbeiten. Die Dritte im Bunde, Rûken Tosun, ist an dem Tag leider verhindert.

Inspiration aus dem Ausland

Im riesigen Hinterhof-Atelier hängen Bilder in wandfüllenden Formaten. Sie belegen, was Gisela Zimmermann, Absolventin der Hochschule für Bildende Kunst Saar und Meisterschülerin von Gabriele Langendorf "sonst so" macht. Als Malerin abstrakt-expressionistischer Werke gehört die gebürtige Saarbrückerin zu den interessantesten des Landes. Ihr Partner, Thomas Langhammer, künstlerischer Autodidakt, lebte, so erzählt er, viele Jahre in Italien, Griechenland und Frankreich, bevor er Mitte der 80er wieder in seine Geburtsstadt zurückkehrte.

Hier hat er dann an die 18 Bühnenbilder für freie Theatergruppen gestaltet und noch mehr künstlerische Raumgestaltungen für Geschäfte, Gaststätten (etwa das St. J) oder auch Wandmalereien im Auftrag von Architekten im Saarland, in Luxemburg oder auch Dresden.

Auch Bezug zu sozialer Arbeit haben beide schon lange. Als gelernte Sozialarbeiterin war Zimmermann, auch parallel zum Kunststudium, in der interkulturellen Jugendsozialarbeit tätig, wo sie die Pädagogin Rûken Tosun kennenlernte.

Wie der Stein ins Rollen kam

Langhammer wiederum leitet kreative Projekte auch in der Saarbrücker Wärmestube. Eine Diskussion im "Stadtsalon" der Sparte 4, erzählt Langhammer, brachte den Stein ins Rollen. Dort kam er ins Gespräch mit einem Mitarbeiter des Stadtteilbüros Malstatt, das für eine Jugendbeteiligungsmaßnahme für das Projekt Grüne Insel Kirchberg einen künstlerischen Leiter suchte.

"Wir haben dann für das folgende Kirchbergfest das Programm für eine Jugendbühne gemacht und gemerkt, was für einen großen Bedarf es an künstlerischer Jugendarbeit gab, um die Ressourcen der Jugendlichen zu heben und ihre Talente zu fördern", erklärt Langhammer.

Nur drei Monate später eröffneten sie den Jugendprojekte-Raum "label m", in einem Leerstand am Malstatter Markt. Ermöglicht wurde das durch ein von Bund und Stadt getragenes Förderprogramm für Micro-Projekte zur Stärkung des Stadtteils.

Der Raum wurde dann zur Keimzelle vieler Projekte, in denen die Jugendlichen sich zugleich mit Fragen ihrer Herkunft und Identität, ihrem Alltagsleben befassen und künstlerisch entwickeln konnten. "Was wollten sie?" "Malen, singen und tanzen" fasst Langhammer es salopp zusammen. Graffiti, Rappen, aber auch Filmen und Hörspiel-Machen bedeutete das.

 Die dritte Preisträgerin Rûken Tosun war beim Termin mit der SZ verhindert. Foto: Bilgic
Die dritte Preisträgerin Rûken Tosun war beim Termin mit der SZ verhindert. Foto: Bilgic Foto: Bilgic

In Projekten wie "Crossover Malstatt" oder "Heimaten" kam dies alles zusammen. Dem Trio gelang es, dafür Bundes-Förderung durch den Fonds Soziokultur einzuwerben. Schon das allein ist eine Auszeichnung. Heute bekommen die Drei dazu nun auch eine Auszeichnung aus der Region.