Ein großer, athletischer Prinz

Vom heutigen Freitag an bis Sonntag tanzt Marguerite Donlons „Schwanensee“ im Forbacher Le Carreau mit einem neuen Prinzen: Ramon A. John. Wir stellen den einprägsamen Tänzer vor.

Ramon A. John. Foto: Mailänder. Foto: Mailänder

Auf der Bühne wirkt er mit seinen 1,83 Meter sehr groß und athletisch, darin ähnlich dem Kubaner Alfredo Gracia Gonzales, dessen Part des Prinzen Siegfried in Donlons "Schwanensee - aufgetaucht" aus dem Jahre 2009 er nun übernehmen wird. Nicht nur deshalb ist Ramon A. John, Sohn eines aus Trinidad stammenden US-Amerikaners und einer Deutschen, im Ballettensemble des Staatstheaters eine auffällige Erscheinung. Seine radikale Null-Haar-Frisur verleiht ihm etwas leicht Martialisches. Ein Eindruck, der schwindet, sobald Ramon A. John anfängt zu tanzen und man immer wieder staunt, mit welcher Weichheit und Geschmeidigkeit er sich bewegt.

Und nicht die Spur von Martialiät bleibt übrig, wenn einem der 23-Jährige aus Fulda gegenüber sitzt und schüchtern lächelnd erzählt: Von seinem Werdegang zum Tänzer, bei dem offenbar andere Menschen sein Talent früher erkannten als er selbst. Zuerst die Mutter, die dem Achtjährigen, der sich beim Handball langweilte, vorschlug, es doch mal in einer Showtanzgruppe zu probieren. "Das war wie Formationstanz, wir haben Musicals und Filme vertanzt", erinnert sich John gern an diese Zeit. Dann schlug ihm eine Neue in der Truppe vor, doch mal mit in ihre Ballettschule zu kommen. Tat John denn auch und blieb. Sein Ballettlehrer empfahl ihn an größere Schulen weiter. Die erste, in Mannheim, war John zu klassisch, Neoklassik fand er damals spannender. Also bewarb er sich an der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Künste, weil er hörte, dass dort William Forsythe als Gast unterrichtete. "Die haben mich direkt genommen", sagt John, als wunderte er sich immer noch.

Im zweiten Studienjahr fiel der Tänzer einer anderen Gastdozentin auf: Marguerite Donlon. Nach dem Abschluss nahm sie ihn 2010/11 gleich für Saarbrücken unter Vertrag. Sein Einstand mit "Soma" beeindruckte. Im Jahr drauf glänzte er als Stiefmutter in der "Cinderella" von Gastchoreograf Stijn Celis.

Eine Rolle, die ihn zuerst ziemlich befremdete. "Ich wollte sie überhaupt nicht, hab mir so gewünscht, dass er mich nicht nimmt", weiß John noch. "Aber dann bin ich so hineingewachsen, dass sie für mich eins der Highlights hier war."

Jetzt darf man gespannt sein, wie er seine nächste große Rolle, den Prinzen im Schwanensee, ausfüllt. Nur knapp drei Wochen hatte John Zeit, um die Partie einzustudieren. Der Pas de deux mit dem schwarzen Schwan Odile (ebenfalls neu: Laura Halm) sei technisch sehr anspruchsvoll, erklärt John, was er sehr passend findet, da es zwischen den beiden Reibungen gibt, während der Pas de deux mit Odette (Youn Hui Jeon, schon seit 2009 in der Rolle), dem richtigen Schwan, fließend leicht, wie von selbst gehe. Was er von Siegfried hält? "Ich glaub, er hat von zu Hause nicht viel Liebe mitbekommen und hat von der Liebe ein verzerrtes Bild", meint John.

Seine Feuerprobe hat er schon bestanden: In Italien, wo das Ballett kürzlich mit Schwanensee gastierte. "Es war 'ne gute Premiere, dem Publikum hat es gut gefallen", sagt der Tänzer. Heute, morgen und übermorgen kann man sich selbst ein Bild machen. Beim Gastspiel des Balletts "außer Haus", im Forbacher Le Carreau.

"Schwanensee - aufgetaucht", vom 3. bis 5. Mai im Theater Le Carreau in Forbach. Karten gibt es unter (0681) 3092-486 und online unter www.theater-saarbruecken.de