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Ein fleißiger und pünktlicher „Schaffer“

Saarbrücken. Arbeit haben, unter Menschen sein, zufrieden sein. Jamin Maouche aus Saarbrücken ist glücklich, dass er derzeit so ein schönes Leben führen kann. Das Diakonische Werk hat ihm geholfen, es auf die Reihe zu bekommen. Peter Wagner

Jamin Maouche verdient als sogenannter Ein-Euro-Jobber exakt 1,02 Euro pro Stunde. Doch für den 37-jährigen Saarbrücker, dessen Familie aus Algerien stammt, ist der Job in der Kleiderkammer des Diakonischen Werkes nicht mit Geld zu bezahlen. Maouche war ziemlich tief gefallen, und diese Tätigkeit gibt ihm die Chance, wieder Halt und Bestätigung zu finden.

Ulla Frank, deren Arbeit man auch als "Streetworking" bezeichnet, die also Menschen ohne festen Wohnsitz und ohne Bindung auf der Straße aufsucht, ist sehr angetan vom neuen Mitarbeiter: Ein fleißiger und vor allem pünktlicher "Schaffer" sei das. Die Menschen, mit denen die pädagogische Fachkraft tagtäglich zu tun hat, haben fast alle Suchtprobleme. Da darf man nicht Zuverlässigkeit erwarten.

Wenn Ulla Frank gern auf die Arbeit geht, dann liegt das auch an Typen wie Jamin Maouche, "die einen eben nicht verzweifeln lassen". Der gelernte Restaurantfachmann lebte in geordneten Verhältnissen in Gelsenkirchen. 2007 rief ihn die Familie zur Unterstützung nach Saarbrücken . Hier sackte er ab, schlechte Jobs, falsche Freunde, Alkohol, Wohnungsverlust, noch mehr Alkohol, Entzug, Rückfall - eine "Karriere", wie sie Sozialarbeiter häufig erleben. Dass Maouche die Kurve bekam, eine Langzeittherapie machte, eine Wohnung fand und sich über ein Praktikum auf regelmäßige Arbeit einlassen konnte, liegt auch an seiner selbstkritischen Haltung. Er macht nicht andere oder "die Verhältnisse" für sein Leben verantwortlich - "ich habe es selber verbaut", sagt er und lobt ausdrücklich, dass man ihm bei der Diakonie auch mal im übertragenen Sinn einen "Tritt" verpasst, wenn er sich hängen lässt. Dass er auf der Arbeit so gut zurechtkommt, hängt auch damit zusammen, dass viele Kunden der Kleiderbörse "Leute wie ich sind, da brauche ich nicht zu schauspielern".

1041 Personen kamen im Jahr 2014 zu der Kleiderausgabe in der Johannisstraße, und zwar insgesamt 3844 Mal. Etliche waren also mehrfach da.

Dank üppiger Kleiderspenden der Saarbrücker kann die Einrichtung kontinuierlich lebenspraktische Hilfe leisten. Viele Menschen, die sich hier mit Kleidern versorgen, können auch andere Unterstützung gebrauchen, so etwa eine medizinische Grundversorgung oder ambulant betreutes Wohnen: Seit 2009 gibt es ein Teilprojekt namens "Bau mich auf", wobei der Aufbau im übertragenen, als auch handfesten Wortsinn zu verstehen ist. Handwerklich begabte Menschen in prekären Verhältnissen bauen unter Anleitung für sich und andere Schränke zusammen oder kleben Tapeten. Sie tragen also Verantwortung für ihre Unterkünfte und werden nicht nur "reingesetzt". "Das gibt Schwung und tut ihnen gut", weiß Ulla Frank. Auch dank der Unterstützung des Rotary-Clubs Saarbrücken /Obere Saar konnten im letzten Jahr 45 Personen von diesem Projekt profitieren, durch die Zusammenstreichung der Bürgerarbeit ist es derzeit aber leider geschrumpft.

Die Tätigkeit von Jamin Maouche ist zunächst bis Juli begrenzt, eine Verlängerung ist "wenn, dann höchstens für sechs Monate" möglich. Er muss ein Jahr aussetzen, dann darf er neu anfangen. Der groß gewachsene Mann, der in der Freizeit gern Tischtennis spielt, nimmt es sportlich. So wie Fußballer "von Spiel zu Spiel" denken, so versichert er, "von Tag zu Tag zu gehen".