Ein Experte für den Kopf der Spieler

Andreas Birk trainiert in der Handball-Saarlandliga die HSG TVA/ATSV Saarbrücken. Doch er hat auch einen Job im Fußball – als Mentaltrainer des Regionalligisten SV Elversberg. Beide Mannschaften stehen in der Tabelle auf Platz zwei.

Spitzensportler erhalten eine umfassende Ausbildung. Sie werden von Fitnesstrainern athletisch geschult, technisch und taktisch von Experten angeleitet. Dazu kommt eine professionelle medizinische Betreuung. Ziel ist es, aus den Sportlern das größtmögliche Leistungspotenzial herauszuholen.

Doch wer sich permanent den höchsten Ansprüchen ausgesetzt sieht, steht auch unter Druck. Zu lernen, wie damit umzugehen ist, kann in ebenso hohem Maße über Sieg oder Niederlage entscheiden wie die körperliche Konstitution der Athleten. Aus diesem Grund konsultieren Spitzensportler oder Vereine zunehmend Experten, um sich so professionell wie möglich aufzustellen.

Auch Fußball-Regionalligist SV Elversberg hat die Wichtigkeit dieses Themas erkannt und zu Beginn dieser Spielzeit Andreas Birk zur mentalen Betreuung ihrer Spieler verpflichtet. Der 37-Jährige kennt sich aus im Mannschaftssport: Birk trainiert in der Handball-Saarlandliga die HSG TVA/ATSV Saarbrücken. Er bringt für den Job in Elversberg aber noch andere Qualifikationen mit. Birk machte einen Abschluss an der Katholischen Fachschule für Sozialpädagogik. Mit einer Zusatzausbildung zum Gestalt-Therapeuten arbeitet er sowohl als Schulsozialarbeiter als auch in einer eigenen Praxis für Psychotherapie in Saarbrücken. Hier unterstützt er Menschen in Krisen und berät sowohl Einzelpersonen als auch Vereine und Unternehmen. Gleichzeitig sind die Räumlichkeiten der Praxis Veranstaltungsort für Workshops und Seminare, die Birk für Gruppen anbietet.

"Ein Ansatz der Gestalttherapie ist der, dass jeder Mensch persönliche Leistungskrisen aus eigener Kraft bewältigen kann", erklärt Birk. "Dazu muss man in einem ersten Schritt die Frage klären: Was hält dich davon ab, alles aus dir rauszuholen? Meine Aufgabe ist es, Blockaden zu finden und diese mit dem Klienten gemeinsam zu lösen."

Im Fokus der Arbeit bei der SVE steht das Selbstbewusstsein der Spieler. "Um zu wissen, wozu man im Stande ist, muss man seine Qualitäten kennen. Dann muss man überprüfen, ob man in der Lage ist, das Können auch gezielt abzurufen", sagt Birk. "Wenn man diese Hürden genommen hat, verfügt man über mentale Stärke. Ich pflege den Spielern zu sagen: Nur wer weiß, was er kann, kann tun, was er will."

Die Gestalttherapie ist eine Form der Psychotherapie, die sich die Reifung der Persönlichkeit nach innen und nach außen zum Ziel gesetzt hat. "Vereinfacht gesagt versuche ich, die Motivation der Spieler hochzuhalten", sagt Birk. "Ein Auswechselspieler beispielsweise, also jemand ohne festen Platz in der Startelf, muss ebenso vollen Einsatz im Training zeigen wie das Stammpersonal. Die Tatsache, nur auf der Bank zu sitzen, kann in einem Spieler Zweifel an den eigenen Fähigkeiten aufkommen lassen. Gemeinsam versuchen wir dann, diese Stress-Situation in positive Energie umzuwandeln."

Birk arbeitet jedoch nicht nur einzeln mit den Spielern, sondern hat die gesamte Mannschaft im Blick. "Die Kommunikation in der Gruppe ist ein wichtiger Teil meiner Arbeit", führt er aus. "Dafür gibt es Teambuilding-Maßnahmen, die die Truppe zusammenschweißen, Impulsvorträge und Ansprachen, die die Mannschaft heißmachen sollen. Das funktioniert nur in enger Abstimmung mit dem Trainerstab. Wir geben uns regelmäßig Rückmeldung zur Mannschaft, um auf neue Situationen entsprechend reagieren zu können."

Aktuell geht es in Elversberg um nicht weniger als den Aufstieg in die 3. Liga. In der vergangenen Saison verpasste der Club dieses Ziel. "Die SV Elversberg hat erkannt, wie wichtig die mentale Stärke für den Erfolg der Mannschaft ist", sagt Birk. "Der Verein hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt. Diese wollen wir gemeinsam erreichen, indem wir die Erfahrungen aus der letzten Spielzeit positiv nutzen." Zwar ist die SVE nicht optimal aus der Winterpause gekommen, doch sie ist weiterhin Zweiter in ihrer Liga - wie Birks Handballer vom TVA/ATSV.

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Dudweiler-Fischbach empfängt Saarbrücken Handball-Saarlandligist HSG Dudweiler-Fischbach gewann am vergangenen Wochenende gegen den Tabellenfünften SGH St. Ingbert (30:28). "Der Sieg kam wohl für alle etwas überraschend, war aber durchaus verdient", sagt Spielführer Kai Nonnweiler. An diesem Samstag, 19.30 Uhr, geht es für den Viertletzten um weitere Punkte gegen den Abstieg - im Derby gegen die HSG TVA/ATSV Saarbrücken. Doch auch der Gegner wird alles in die Waagschale werfen, um den Kontakt zu Tabellenführer TV Niederwürzbach nicht abreißen zu lassen. "Dudweiler-Fischbach ist ein ernstzunehmender Gegner, der seit dem Trainerwechsel permanent im Aufwind ist", findet TVA/ATSV-Trainer Andreas Birk. In der Hinrunde gewann seine Mannschaft noch klar mit 24:20.