Ein Cello spricht von Verzweiflung

Verdis Oper „Ein Maskenball“ feiert am 13. Juni im Staatstheater Premiere. Warum das für einen Solo-Cellisten eine besondere Herausforderung ist, hat uns Reinhard Vogler vorab erzählt. Der Musiker ist seit 32 Jahren Cellist in Saarbrücken.

"Ich war nie zufrieden mit meinen Leistungen", sagt der Cellist Reinhard Vogler, "und je älter man wird, umso mehr muss man üben. Man will schließlich immer besser werden." Vogler ist seit 32 Jahren Cellist am Saarbrücker Staatstheater . Zurzeit bestreitet er seine letzte Spielzeit vor der Rente. Danach verlässt er nicht nur das Theater, sondern auch das Saarland: Nur fünf Tage nach Spielzeitende zieht er nach Magdeburg. Dort hat seine Frau, ebenfalls Cellistin, eine Stelle.

Aber zuvor bereitet sich der Musiker noch auf Verdis Oper "Ein Maskenball" vor. Das Stück feiert am 13. Juni Premiere und ist für Vogler ein ganz besonderes. Er sagt: "Verdi gehört für mich neben Mozart, Puccini, Wagner und Strauss zu den Opernkomponisten par excellence. Er ist für uns Solo-Cellisten eine besonders reizvolle Aufgabe."

Der "Maskenball" ist für Vogler nichts Neues: Er spielte bereits zwei Produktionen am Saarbrücker Theater. Beim Üben legt er besonderen Wert auf den Ausdruck seines Solos in der Arie der Amelia zu Beginn des dritten Aktes. In dieser Szene soll Amelia von ihrem Gatten getötet werden und bittet ihn darum, noch einmal ihren kleinen Sohn sehen zu dürfen. Vogler erzählt: "Amelia ist an dieser Stelle verzweifelt. Das ist ganz entscheidend dafür, wie das Solo angelegt ist. Es geht um Verzweiflung." Diese Verzweiflung versucht der Cellist, musikalisch auszudrücken. Dafür sei sein Instrument besonders geeignet, sagt Vogler. Denn kein Instrument sei der menschlichen Stimme so ähnlich wie das Cello.

An Tagen, an denen Vogler keine Aufführungen spielt, macht er etwa drei Stunden Technik-Übungen wie das Spielen von Tonleitern. Wie lange er vor der ersten Orchesterprobe zuhause für den "Maskenball" übt, kann er zeitlich schwer einschätzen. Aber gut drei Wochen vor der Premiere fangen schließlich die offiziellen Proben an. Und dann wird oft und konzentriert geübt: Zunächst gibt es eine Woche lang reine Orchesterproben. Dann zwei Proben mit den Sängern im Orchestersaal und danach kommen sechs Bühnenproben.

Kurz vor der Premiere stehen noch Haupt- und Generalprobe an. Diese Phase ist kurz und intensiv. Ähnlich war auch der Beginn von Voglers musikalischer Laufbahn: Er begann erst mit 17 Jahren das Cellospielen - für einen Profimusiker sehr spät. Mit 20 fing er sein Studium in Stuttgart an und studierte später noch ein Jahr in New York. Mit 26 hatte er bereits die erste Anstellung als Solo-Cellist in Göttingen.

Vogler sagt: "Da steckte einfach ein eiserner Wille dahinter. Sonst hätte das nicht geklappt. Ich wusste schon, dass ich Cellist werden will, ohne jemals ein Cello in der Hand gehabt zu haben."