Ein abtrünniger Linker, der nun endlich Cola trinken darf

Saarbrücken. "Ein Kind der Linken" sei er, sagt Jan Fleischhauer (47), seit 1989 Redakteur beim Wochenmagazin Spiegel. Einer, der in einem linken Elternhaus aufwuchs, in dem McDonald's und Cola aus politischen Gründen Tabu waren. Einer, dessen Mutter bitterlich weinte, als Helmut Kohl 1982 Bundeskanzler wurde

Saarbrücken. "Ein Kind der Linken" sei er, sagt Jan Fleischhauer (47), seit 1989 Redakteur beim Wochenmagazin Spiegel. Einer, der in einem linken Elternhaus aufwuchs, in dem McDonald's und Cola aus politischen Gründen Tabu waren. Einer, dessen Mutter bitterlich weinte, als Helmut Kohl 1982 Bundeskanzler wurde. Aber auch einer, der im Laufe der Jahre erstaunt feststellen musste, dass er selbst eigentlich gar kein Linker ist."Unter Linken - Von einem, der aus Versehen konservativ wurde", heißt das erste Buch von Fleischhauer. Es ist die kritische, gleichzeitig aber auch humorvolle Betrachtung einer politischen Idee, von der er sich selbst losgesagt hat. Am Dienstagabend lud die Union Stiftung den Autor in die Saarbrücker Congresshalle ein. Dort trug er vor knapp 170 Zuhörern Auszüge aus seinem Werk vor und stellte sich anschließend den Fragen des stellvertretenden Chefredakteurs der SZ, Bernard Bernarding.Links sein beinhalte "das Lebensgefühl, immer auf der richtigen Seite zu stehen", sagt der bekennende Konservative, der den Linken einen Hang zur Selbstzufriedenheit vorwirft. Sie spielten sich gern als Anwalt anderer auf, seien es sozial Schwache, Frauen oder Ausländer. Dabei gerieten sie oft in einen Konflikt mit ihrem eigenen Lebensstil: "Ein Linker muss immer Angst haben, dass jemand die Trauben in seinem Mund zählt", spottet Fleischhauer. Ein Konservativer dürfe dagegen auch ohne schlechtes Gewissen einen Porsche fahren.Ob er nicht ein wenig zu abfällig über die Linken schreibe, wollte Bernarding wissen. "Mir liegt die Boshaftigkeit beim Schreiben eben im Blut", antwortete Fleischhauer. Die Linken hätten dagegen keinen Humor: Da müsse immer erst vom Humor-TÜV geprüft werden, ob man auch die richtige Botschaft rüberbringe.Doch Fleischhauer macht sich nicht nur über "kuriose Verhaltensweisen" der Linken lustig, er fährt auch härtere Geschütze auf: In der Bildungspolitik hätten die Linken in den letzten Jahren vollkommen versagt: "Es wird nichts besser, wenn man Kinder mit unterschiedlicher Begabung in eine Klasse steckt." gda