Eiertausch im Taubenhaus

In den Taubenhäusern des Vereins Stadttauben Saarbrücken können die Vögel fressen und brüten. Vereinsmitglieder tauschen dann ihre Eier gegen Attrappen und sorgen für weniger Tauben und Dreck in der Stadt.

Tauben machen nicht mehr Dreck als Menschen, entgegnet Helga Ehretsmann jenen, die ihre geflügelten Freunde als "Ratten der Lüfte" bezeichnen. Tauben verbreiten auch nicht mehr Krankheiten als Amseln oder Meisen, sagt sie. Als Vorsitzende des Vereins Stadttauben Saarbrücken kämpft sie, so wie die anderen 42 Mitglieder, oft gegen Vorurteile. Dabei tut sie genau das, was viele Taubengegner sich erhoffen: Sie versucht, die Taubenpopulation in der Stadt zu verringern und die Stadt damit sauberer zu halten.

In einem großen Taubenhaus am Lampertshof und zwei kleineren am Rathaus, wo dem Verein kostenlos Fläche in den Parkhäusern von Q-Park zur Verfügung steht, sorgt sie mit etwa vier anderen aktiven Helfern für artgerechte Fütterung. Dadurch erkranken weniger Tauben. Außerdem entsorgen sie den Taubenkot, der laut Ehretsmann auch zum Düngen gut ist.

Durch ihre Arbeit blieben der Stadt im Jahr 2011/12 insgesamt 4,5 Tonnen Taubendreck erspart. In diesem Jahr sind es sogar fünf Tonnen. Am Wichtigsten ist für Ehretsmann aber eines: der Austausch der Eier gegen Attrappen. Jeden Tag besucht sie das Haus am Lampertshof, putzt es, füttert und trickst die Tauben aus. "Das mache ich ganz raffiniert", sagt die 69-Jährige, "in meiner Hosentasche halte ich die Gips-Eier warm und tausche sie dann schnell gegen die echten aus". Nach 16 Tagen verließen die Tauben dann ihren vermeintlichen Nachwuchs, sagt Ehretsmann. Dann merken sie, dass daraus nichts schlüpft.

Sechs bis acht Mal brüten Tauben in der Regel im Jahr, so Ehretsmann. 1732 Eier hat der Verein im vergangenen Jahr einkassiert - über 100 mehr als im Vorjahr. Für den Verein ist es ein Zeichen, dass seine Arbeit funktioniert. Die Tauben bleiben der Stadt fern, machen ihr Geschäft "zuhause" und vermehren sich nicht so stark, wie üblich.

Stadtsprecher Thomas Blug bestätigt: "Regelmäßige Taubenzählungen haben ergeben, dass sich der Bestand in der Saarbrücker Innenstadt von 2005 bis heute von etwa 1100 auf 800 Exemplare reduziert hat."

Ehretsmann erklärt, dass die Saarbrücker Tauben keine Wildtauben sind. "Viele von ihnen sind ausgesetzte, verwilderte Haustiere", Brieftauben also, die den Weg nicht mehr zurück geschafft haben, sagt Ehretsmann.

Die monogamen Brieftauben, die durch den Wunsch, zum Partner zurückzufliegen, besonders schnell sind, leiden aber nicht nur an gebrochenem Herzen, sondern oft auch an gebrochenen Flügeln oder anderen Verletzungen. Verletzte Tiere nimmt Helga Ehretsmann bei sich zuhause auf und pflegt sie bis zum Aussetzen gesund. Doch sie sucht auch nach mehr ehrenamtlichen Helfern, die sich engagieren. Früher habe sie immer Katzen gerettet, heute seien es eben Tauben. Sie tue es nicht nur aus Mitleid zu den Tauben, sondern auch für die Stadt. "Oft sagen die Leute: Wir tun alles für Hund' und Katz', aber für Tauben nicht", klagt die tierliebe Dame, "dabei tun Tauben wirklich niemandem etwas zu Leide."

Laut Stadtsprecher Blug ist es problematisch, dass die Tiere in der Innenstadt Futter finden und "dass es Menschen gibt, die die Tiere aus Unwissenheit oder aus falsch verstandener Tierliebe bewusst füttern". Das Füttern sei verboten und werde mit einem Bußgeld ab 30 Euro geahndet. Blug: "Bei Wiederholungstätern erhöhen wir die Strafe."