Ehrenamt am Sterbebett

Vielen Schwerstkranken fehlt in der letzten Lebensphase ein guter Zuhörer mit Zeit und Einfühlungsvermögen. Zwei Seelsorgerinnen laden deshalb zur Ausbildung für ein anspruchsvolles Ehrenamt ein. Sie dauert ein halbes Jahr.

Am Ende - allein. Mit bedrängenden Fragen und quälenden Ängsten auf dem letzten Abschnitt des Lebens, dann, wenn die heilenden Möglichkeiten der Medizin aufgebraucht sind. Diesem Schreckensbild vom Sterben in einer Welt voller Alleinstehender oder Alleingelassener wollen zwei saarländische Pfarrerinnen etwas entgegensetzen.

Anette Weber, Seelsorgerin im Evangelischen Stadtkrankenhaus Saarbrücken (EVK) der Kreuznacher Diakonie, und Marianne Tusch vom Städtischen Klinikum Neunkirchen ermuntern alle, die Talent zum Zuhören haben, zu einem anspruchsvollen Ehrenamt. Sie bieten demnächst eine sechsmonatige Ausbildung für Seelsorgehelferinnen und -helfer. Und sie hoffen auf Interessenten aus der gesamten Region.

Weber weiß, dass auf die Neuen im Ehrenamt eine Herausforderung zukommt. "Immer mehr unserer Schwerstkranken und Sterbenden in den Krankenhäusern sind ohne Angehörige. Wir brauchen Menschen, die am Bett sitzen, die Hand halten und suchen dafür Ansprechpartner mit dem Gespür, so schwierige Gespräche führen zu können." Und das nicht nur in Einzelfällen. Denn das Sterben gehört auch im vergleichsweise kleinen Evangelischen Stadtkrankenhaus der Kreuznacher Diakonie zum Alltag. Etwa 200 der 5300 Patienten, die das Haus an der Großherzog-Friedrich-Straße jedes Jahr hat, sterben dort.

Meist gehen dem Tod noch Tage oder auch Wochen voraus, in denen die Schwerkranken Zuhörer brauchen - für intensive, lange Gespräche, die das professionelle Pflegepersonal angesichts seiner großen Arbeitsbelastung einfach nicht bieten kann. Gesprächsführung wird denn auch ein Baustein der mehrmonatigen Ausbildung in Theorie und Praxis sein, die dem Ehrenamt vorausgeht.

Natürlich gehören das Verständnis für Sterbende und die der Situation angemessene Kommunikation mit ihnen zur Vorbereitung auf diese ganz besonderen Einsätze am Krankenbett. Sie sind, wie Weber hervorhebt, keine Konkurrenz zum Besuchsdienst, den die Grünen Damen und ein Grüner Herr im EVK schon heute Tag für Tag leisten. Nein, sie ergänzen mit der spezialisierten Aus- und Fortbildung dieses Angebot und werden Teil eines großen Ehrenamtlichen-Teams, in dem jeder seinen Stellenwert hat. Die Konfession spiele bei den Anwärtern auf das Ehrenamt keine Rolle.

Wohl aber die Bereitschaft sich mit religiösen Fragen auseinanderzusetzen. Denn um Theologie und Antworten auf die Frage nach der Bedeutung von Gott in einer Lebensphase voller Ängste und Schmerzen werde es auch gehen, sagt die Krankenhausseelsorgerin Weber. "Die Sinnfrage spielt gerade für diese Patienten eine große Rolle."

Dieser Weg müsse nicht zwingend ins Ehrenamt am Sterbebett führen. "Am Ende können beide Seiten entscheiden, ob sie miteinander weitermachen oder einen Schlussstrich ziehen wollen."

Wer erst einmal die Ausbildung zum Seelsorgehelfer machen möchte, sollte sich die Freitagnachmittage freihalten können. Der Theorieteil des Kurses ist jeweils von 14 Uhr bis 15.30 Uhr. Ihm folgt ebenfalls einmal pro Woche ein Praktikum im Krankenhaus.

Auch um zu erleben, was oberster Grundsatz dieses Ehrenamts sein soll. Anette Weber: "Der Mensch steht im Mittelpunkt. Ihm schenken wir Zeit und Zuwendung."

Weitere Informationen gibt Anette Weber im Evangelischen Stadtkrankenhaus Saarbrücken der Kreuznacher Diakonie montags und mittwochs von

9 bis 16 Uhr unter Telefon (0681) 3 88 65 49. An den anderen Werktagen ist Anette Weber im Neunkircher Fliedner-Krankenhaus der Kreuznacher Diakonie unter Telefon (06821) 90 15 49 erreichbar.

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