Dynamische und kraftvolle Menschenbilder

Saarbrücken. Nora Hildebrand-Miersen zählt mit ihren 93 Jahren zu den ältesten, aber immer noch aktiven Künstlerinnen des Saarlandes. Davon kann man sich aktuell in der Galerieampavillon überzeugen, denn dort werden Zeichnungen und Gemälde von ihr aus den Jahren 1944 bis 2012 gezeigt

Saarbrücken. Nora Hildebrand-Miersen zählt mit ihren 93 Jahren zu den ältesten, aber immer noch aktiven Künstlerinnen des Saarlandes. Davon kann man sich aktuell in der Galerieampavillon überzeugen, denn dort werden Zeichnungen und Gemälde von ihr aus den Jahren 1944 bis 2012 gezeigt. Die Arbeiten von Nora Hildebrand-Miersen passen sehr gut ins Programm der Galerie, die ihren Schwerpunkt auf Grafiken und Zeichnungen gelegt hat. Auch im Lebenswerk der Künstlerin nehmen die Zeichnungen und Druckgrafiken einen hohen Stellenwert ein.

Nora Hildebrand-Miersen wurde 1919 in Aachen geboren, studierte in Lübeck und Berlin Kunst und Malerei. 1945 führten die Nachkriegswirren sie ins Saarland, wo sie bis in die 70er Jahre am öffentlichen Ausstellungsgeschehen teilnimmt. Dann aber zieht sie sich zurück, unternimmt viele Studienreisen - mit dem Zeichenstift als treuem Begleiter. Erst 2007 präsentiert sie das erste Mal wieder ihre Arbeiten in der Öffentlichkeit. Mit großem Erfolg, denn Nora Hildebrands Zeichnungen leben, sind ausdrucksstark, dynamisch und kraftvoll.

Bemerkenswert sind die Porträts ihrer Eltern aus dem Jahr 1944 oder aber auch eine Kohlezeichnung, die noch das Grauen des 2. Weltkriegs thematisiert, "Der Tod und das Mädchen". Mit großer Realitätsnähe wird der Sensenmann neben einem jungen Mädchen abgebildet. In den folgenden Jahren befreit sich die Künstlerin von der Realität, ihre Zeichnungen konzentrieren sich nur noch auf eine schwarze Tuschelinie, ihr Motiv aber bleibt die Figur, das menschliche Wesen. Die verspielte Linie stellt dann ein Gesicht dar, nur um sich daneben in Schnörkeln und Schraffuren zu zerstreuen. Besonders ansprechend ist dies in den Zeichnungen aus dem Skizzenbuch von 1981, entstanden im südfranzösischen Menton, wo neben der schönen Linie auch immer irgendwo eine Muschel oder ein Segelboot zu finden ist. Ab den 90er Jahren wird die Zeichnung dann rau und grob. Der Tuschestift wird gegen einen Filzschreiber eingetauscht. Und genauso wie die Spitze des Filzschreibers ausfranst, wird die Zeichenlinie vereinfacht, das Motiv verfremdet.

Die wenigen Gemälde und deren stumpfe und verhaltene Farbgebung, meist aus den 60er Jahren, bringen Kolorit in die Ausstellung, runden die sehenswerte Schau ab.

"Nora Hildebrand-Miersen/ Im freien Fluss der Fantasie". Galerieampavillon, Bismarckstraße 10. Bis 23. März geöffnet: Dienstag bis Freitag, 14-18 Uhr, Samstag, 11-14 Uhr.