Durchsuchungen bei Saarbrücker Polizeibeamten

Ein Ermittlungsrichter hat wegen Verdacht des Betruges in einem schweren Fall Durchsuchungen von Büros und Wohnungen mehrerer Polizisten der Saarbrücker Inspektion in der Karcherstraße angeordnet.

Die auf besondere Ermittlungen spezialisierten Fahnder des Landespolizeipräsidiums schlugen am Dienstagvormittag bei vier ihrer Kollegen aus der Polizeiinspektion in der Saarbrücker Karcherstraße zu. Ein Richter am Amtsgericht Saarbrücken hatte zuvor die Durchsuchung der Privatwohnungen eines bereits vorzeitig pensionierten Kriminalkommissars und seines früheren Sachgebietsleiters, ein Kriminalhauptkommissar, angeordnet. Fast zeitgleich tauchten Ermittler bei einer 36-jährigen Bekannten des Ex-Kommissars in Saarbrücken auf. Zudem wurden die Arbeitsplätze von zwei Beamten des Wachdienstes und des Hauptkommissars durchsucht. Dies bestätigte Pressestaatsanwalt Christoph Rebmann auf Anfrage.

Hintergrund sind Ermittlungen, die unter anderem wegen Betrugs gegen den Kommissar und seine Vorgesetzen laufen. Durch fingierte und manipulierte Angaben in einer Dienstunfallanzeige, so der Verdacht, sollte dem 42-jährigen Saarbrücker, der auch im Amateurfußball bekannt ist, eine erhöhte Pension und eine Abfindungszahlung aus der Staatskasse besorgt werden. Die Staatsanwaltschaft geht hier von einem besonders schweren Fall des Betrugs (§ 263 Absatz 3) aus, weil die Befugnisse oder die Stellung als Amtsträger missbraucht worden sein sollen. Anlass war - wie bereits ausführlich berichtet - eine nächtliche Schlägerei in der Saarbrücker Altstadt, bei der der angeblich stark angetrunkene Kommissar schwer verletzt wurde. Ermittelt wird auch wegen Beihilfe zum Betrug, sowie wegen Urkundenfälschung, Strafvereitelung im Amt und Volksverhetzung.

Bei der Durchsuchungsaktion legten die Fahnder ihr besonderes Augenmerk auf Mobiltelefone, die detailliert ausgewertet werden sollen, insbesondere wohl auch auf Kurznachrichten unter den Betroffenen, Zudem wurden Computer und Speichermedien in Büros und einigen Privatwohnungen zumindest vorläufig beschlagnahmt.
Das Landespolizeipräsidium hatte den Fall in den eigenen Reihen nach umfangreichen Vorermittlungen der Staatsanwaltschaft vorgelegt. Bereits Ende Juli wurden die insgesamt betroffenen fünf Polizisten, darunter auch leitende Beamte, informiert, dass disziplinarrechtliche Untersuchungen gegen sie eingeleitet wurden.

Der 56 Jahre alte Kriminalhauptkommissar, unmittelbarer Vorgesetzter des vorzeitig pensionierten Kommissars, wurde auf Anordnung des Landespolizeipräsidenten am Dienstag vorläufig von seiner Funktion im Kriminaldienst der PI Saarbrücken St. Johann entbunden und auf eine andere Dienststelle versetzt.