Drei Tüten läuten neues Müllzeitalter ein

Saarbrücken. Zehn Menschen schauen gespannt auf Tüten in einem Container. Die Pappe, in der einst eine Steinofen-Pizza steckte, blitzt aus der roten Tüte. Dabei gehört die Verpackung in eine blaue Tüte. Die Tütenwirtschaft ist Teil des neuen Abfallsystems an der Uni. Und Alois Etringer ist dafür verantwortlich, dass in den Gebäuden alles funktioniert

Saarbrücken. Zehn Menschen schauen gespannt auf Tüten in einem Container. Die Pappe, in der einst eine Steinofen-Pizza steckte, blitzt aus der roten Tüte. Dabei gehört die Verpackung in eine blaue Tüte. Die Tütenwirtschaft ist Teil des neuen Abfallsystems an der Uni. Und Alois Etringer ist dafür verantwortlich, dass in den Gebäuden alles funktioniert. Die Sache mit der Pappe in der falschen Tüte wurmt ihn sichtlich. "Tja, da haben wir wieder einen klassischen Vorführeffekt", sagt er. Dabei sollte doch alles so einfach sein. Was in den gelben Tüten steckt, wird irgendwann, wie der Inhalt jedes gelben Sackes, wiederverwertet. Papier kommt in die blauen, der Restmüll in die roten Tüten. 540 000 Euro kostete der neue Hof, der das Uni-Mülltrennsystem, vom gelben Sack bis zum Bauschutt, möglich macht. Und das soll richtig Geld sparen, wie Gerhild Sieber von der Uni-Pressestelle erläutert. Bisher kostete die Abfallwirtschaft 220 000 Euro jährlich, künftig sollen es nur noch 108 000 Euro pro Jahr sein. Vom Nutzen für die Umwelt ganz zu schweigen. "Der Darm funktioniert wieder", sagt Universitätspräsident Volker Linneweber. Der Spareffekt kommt auch dort an, wo es Tag für Tag ums Geld für die Landes-Bauten geht. Johannes Meiers, Leiter der Abteilung Hochbau im Finanzministerium, lobt die Leute vom Campus und ihr neues System: "Die Uni hat es verstanden." Der Entsorgungshof ist 1400 Quadratmeter groß. Darauf stehen sechs Großcontainer, drei Abfallpressen und mehrere Deckel- und Seecontainer. 640 Tonnen Abfall macht die Uni künftig pro Jahr. Der lässt sich auf dem Hof in 21 Müllsorten trennen. 19 davon lassen sich wiederverwerten. Dafür sind nun alle Müllcontainer vom Campus verschwunden. Stattdessen holen Mitarbeiter der Saar Service GmbH die Tüten täglich zwischen 8 Uhr und um 10.30 Uhr an 50 Sammelstellen ab. Die Drei-Farben-Methode klappt offenbar. "In den Gebäuden wird das Farb-Trenn-System gut aufgenommen", sagte Linneweber. Anderer Müll wie Computer oder Kartonagen werde lose abgeholt. Positive Folgen dieser neuen Abfallbeseitigung sieht Linneweber beim Erscheinungsbild des Campus. Bisher hätten viele Bürger ihre Abfälle auf dem Unigelände abgeladen. Dank der vor kurzem aufgestellten Schranken und des Verzichts auf die Container biete die Uni nun ein Bild, das eines Campus würdig sei. Etringer bekräftigt: "Solange Container auf dem Campus standen, lag auch immer Müll daneben." Für Privatmüll sei dort nun kein Platz mehr, sagt Margret Stragand-Dörrenbächer, die Betriebsbeauftragte für Abfall. Fast jede zweite Tonne Abfall auf dem Uni-Gelände sei "Fremd-Ertrag" gewesen, sagt Stragand-Dörrenbächer. Das heißt: Dieser Müll war in den vergangenen Jahren einfach auf den Campus gekippt worden. "Solange Container auf dem Campus standen, lag auch immer Müll daneben."Alois Etringer, Universität