Drei Tage Feiern und Schlemmen

Das 37. Stadtfest Neunkirchen bekam einige kalte Duschen von oben ab. Dennoch schlemmten und feierten die kleinen und großen Besucher drei Tage lang. Bevor abends die Musik tobte, unterhielten Vereine die Besucher.

Die Augen hatten auf dem dreitägigen 37. Stadtfest Neunkirchen einiges zu tun; der Blick der Besucher blieb etwa an knallbunten Fahrgeschäften und verführerischen Speisen aus aller Herren Länder hängen. Die fast schon obligatorische Rostwurst ließ sich am Samstagnachmittag gut vor der Bühne Stummplatz verputzen, wo der Polizeisportverein Neunkirchen und andere Vereine ihrer Kampfsportart ein Gesicht verliehen. Mit gezielten Tritten oder Schlägen zerteilten Mitglieder von Taekwando-Neunkirchen scheinbar "mal eben" etwa drei Zentimeter dicke, massive Holzstücke - da war der Applaus auf den Bierbänken groß. Der Karate Dojo Neunkirchen verpackte das ernste Thema Selbstverteidigung in einer anschaulichen Vorführung. "Unser Auftritt auf dem Stadtfest ist immer purer Spaß", sagte Dojo-Leiter Salvatore La Marca. Seit fast 35 Jahren streifen sich die Vereinsmitglieder für die Stadtfestbesucher gerne ihren weißen Trainingsanzug über.

Anstatt Kampfschreien gab es am Sonntagmittag auf dem Stummplatz vielfältige Melodien des Musikvereins Hangard und der Musikfreunde Münchwies auf die Ohren. An allen drei Festtagen kümmerten sich etwa die NKA-Vereine um das leibliche Wohl der Stadtfestbesucher; der Untere Markt war ganz in der Hand der Karnevalisten und zugleich Oase für ausgetrocknete Kehlen. Einmal um die Ecke abgebogen, stießen Besucher in der Pasteurstraße auf Piratenflaggen und begeisterte Kindergesichter.

Beim alljährlichen Neunkircher Kinder-Stadtfest, organisiert von der Kinderkommission und dem Kinderbüro Neunkirchen , drehte sich alles rund um die gefürchteten Freibeuter. Nicht jeder kann ein fahrtüchtiges Piratenschiff sein Eigen nennen, aber Arda (8) aus Neunkirchen jetzt schon. In der Kreativwerkstatt bastelte er innerhalb einer Viertelstunde aus einem Getränkekarton ein kleines Piratenschiff: braune Farbe an den Schiffsrumpf alias Karton, ein kleiner Holzstab als Mast plus eine kleine Piratenfahne. Zusammen mit Bruder Baran (11) wolle er zu Hause testen, ob das Gefährt schwimmt; als "gefährliches" Gewässer solle das heimische Waschbecken dienen. Baran selbst trug stolz einen handgroßen Totenkopf aus Ton nach Hause. "Wir kommen jedes Jahr hierher. Toll, dass den Kindern so etwas geboten wird", sagte die Mutter der beiden Jungs. Dass die pfiffigen Bastelideen so gut ankamen, freute Organisatorin Doris Weber von der Kinder-Kultur-Werkstatt am Hüttenberg: "Ich habe etwas gegen das heutige Konsumdenken. Die Schiffe aus Karton zeigen, dass es auch anders geht." Zwar konnte bei den gelegentlichen Regengüssen über Neunkirchen kein solches Piratenschiff durch die Innenstadt segeln, dennoch habe es laut Michael Hohmann vom Veranstaltungsteam des Stadtfests Neunkirchen "katastrophal viel geregnet". "Wir hatten ein bisschen Pech mit dem Wetter", sagte der Mitarbeiter der Neunkircher Kulturgesellschaft. Dennoch sei alles gut und ruhig verlaufen. Bereits zum 13. Mal oblag der Neunkircher Kulturgesellschaft die Aufgabe, das Neunkircher Stadtfest zu organisieren. Bei der Planung achtete man auf ein breites Kulturprogramm, für jeden Besucher sollte etwas dabei sein. Die drei Bühnen wurden deshalb thematisch voneinander abgegrenzt.

Auf der großen Bühne am Stummplatz wurde vornehmlich Musical , Rock- und Pop-Musik gespielt, was erfahrungsgemäß die meisten Zuschauer anlockt. So zeigten unter anderem die Gruppe Elm F. & the Rooks und die Stefan Sünder Band ihr Pop-/Rock-Können. Das Musical Projekt Neunkirchen präsentierte "Steam - Das Fantasy-Musical". Am Samstagabend bewiesen Teamwork mit Rock-, Pop- und Partyhits ihre Vielseitigkeit, ehe Die goldenen Reiter mit Liedern der Neuen Deutschen Welle auftraten. Das Highlight auf der Bühne am Stummplatz begann aber erst gegen 23 Uhr: Die Funky Freak Show widmete sich in einem multimedialen Konzert dem aktuellen Top-Thema des Sommers, dem Fußball. In zwei "Halbzeiten" kombinierten die zehn Musiker bekannte Fußballzitate mit rhythmischen Klängen, blendeten auf der Leinwand passende Szenen ein und lenkten die verbliebenen Besucher so von den starken Regenfällen ab. "Trotz des Wetters ist die Stimmung recht gut", fand Moritz Scheid, der sich bei einem Getränkestand trocken hielt. Unbeirrt von Wind und Wetter rockten die Funky Freaks in ihren Fußballtrikots die Bühne und schafften es, die Besucher in den Niederschlagspausen in Richtung Bühne zu bewegen. Die Bühne am Hammergraben bildete das Gegenstück zum lauten, rockigen Bereich am Stummplatz. Akustische Musik , Soul und Blues dominierten das Geschehen auf der kleinen Bühne. Mit bekannten Musikern wie Ro Gebhardt, Nino Deda und Michael Marx setzten die Veranstalter auf sanfte Klänge. Durch den starken Regen bedingt hielt sich der Zuschauerzuspruch auf dem unüberdachten Gelände in Grenzen.

Die Bühne am Unteren Markt hielt für die Besucher viel Abwechslung bereit: Neben Chormusik von zum Beispiel Gospeltrain und der Stadtkapelle Neunkirchen am Sonntagnachmittag wurden am Freitag- und Samstagabend eher rockige Klänge geboten. Besonders die Band Prozac machte mit Coversongs aus dem Bereich Rock und Pop auf sich aufmerksam und zog am nassen Freitagabend viele Zuschauer auf den Unteren Markt. "Das Stadtfest ist jedes Jahr ein Highlight," attestierte Festbesucherin Gisela Molter, "da ist das Wetter nicht so wichtig."

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