Drei Kilo Kleider umsonst

Wer wenig Geld hat und hier etwas Passendes findet, muss es am Ausgang nicht bezahlen. Bei der Kleiderbörse des Diakonischen Werkes in St. Johann dürfen sich Leute mit geringem Einkommen einmal im Monat drei Kilo „neue“ Textilien aussuchen.

Jeden Tag tummeln sich in der Johannisstraße etwa ein Dutzend Menschen vor dem Diakonischen Werk Saar. Es ist neun Uhr und ein Mann mit einem riesigen Koffer betritt das Gebäude, um Hilfe an der Rezeption zu suchen.

Weiter hinten ist ein von Neonröhren beleuchteter Raum, vollgestopft mit Klamotten: die Kleiderbörse des Diakonischen Werks. Bunt gemischt und auf zahlreichen Kleiderstangen sind die gespendeten Waren aufgehängt, andere sind in riesige Pappkartons gestapelt und mit Größenangaben versehen. Am Eingang wird man freundlich empfangen, eine beinahe familiäre Atmosphäre herrscht an diesem Ort voller bunter Klamotten. Neben Schuhen mit Gebrauchsspuren finden sich hier auch neue Pullover, Hosen oder Hemden von hochwertigen Marken. "Na, hast du noch was gefunden?", fragt ein Kunde seine Frau. Der Korb, den sie am Eingang bekommen haben, ist schon gut gefüllt. Was die Börse von normalen Läden unterscheidet? Niemand muss am Ausgang bezahlen. Die Waren sind Spenden von Saarbrücker Bürgern, und die Kunden sind Leute mit geringem Einkommen. Einmal im Monat sind sie dazu berechtigt, sich mit drei Kilogramm neuer Kleidung einzudecken. "Für mich ist das fast wie mein zweites Zuhause", sagt Bianca Schröder, Mitarbeiterin der Börse. Vormittags begrüßt sie die Leute gut gelaunt am Eingang, und um 11.30 Uhr geht die Arbeit dann weiter. Klamotten müssen sortiert, gebügelt und aufgehängt werden. Manchmal kämen Säcke, die man gleich wieder schließen und entsorgen könne, aber oft seien auch sehr gute Sachen dabei, erklärt Bianca Schröder. Die Mitarbeiter sind Ehrenamtler oder arbeiten als Ein-Euro-Kräfte. "Mir ist es wichtig, dass hier Leute arbeiten, die Verständnis haben für die soziale Situation der Kunden", erklärt Ulla Franke, Mitarbeiterin der Diakonie und zuständig für die Bereichskoordination Wohnungslose: "Die Leute würden auch lieber zu Karstadt gehen, da wollen wir ihnen den Aufenthalt so angenehm wie möglich gestalten." Franke berät in der freien Sprechstunde und draußen auf der Straße, Wohnungslose und andere Hilfesuchende. Die Kleiderbörse organisiert sie nebenher. Bedauerlicherweise wurden in den letzten Jahren von sechs Stellen vier gestrichen. Die Anzahl der Kunden aber steigt. Insgesamt beinahe 5000 Kunden aus insgesamt 52 Nationen kamen im letzten Jahr in die Börse. Auffällig, aber wenig verwunderlich ist, dass 2015 neben den Deutschen, syrische Bürger die zweitgrößte Kundengruppe darstellten. Auch für Obdachlose sei die Börse eine wichtige Anlaufstelle. Öffnungszeiten: Montags, mittwochs und freitags von 9 bis 11 Uhr 30, donnerstags von 14 bis 15 Uhr 30.

Kleidung kann direkt in der Johannisstraße 4 oder in den Containern gegenüber dem Staatstheater oder am Gymnasium am Rothenbühl abgegeben werden.

diakonisches-werk-saar.de