Drei Gesundheits-Kiesel am Kieselhumes

Die riesige Brachfläche oberhalb des Kieselhumes-Stadions harrt ihrer Bebauung. Projektentwickler Rüdiger Renno, ein Saarbrücker aus Leipzig, möchte ein Gesundheitszentrum bauen, das sowohl Frankfurter wie auch die Nachbarn begeistert. Der Park wird für alle da sein.

Rüdiger Renno kann sich noch an den Tag erinnern, als er zum letzten Mal auf dem Hartplatz oberhalb des Saarbrücker Kieselhumes-Stadions trainierte - April 1986, kurz nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl. In den Nachrichten habe man empfohlen, sich vorsichtshalber nicht im Freien aufzuhalten, schmunzelt der ehemalige Fußballer des SV Saar 05 genau 30 Jahre später. Wer sich heute auf dem fast 30 000 Quadratmeter großen Gelände umsieht, könnte glauben, die Saarbrücker hätten sich an den Rat gehalten. Das riesige Braschen-Areal wird seit Jahren nicht mehr für sportliche Zwecke genutzt, allerdings nicht wegen Verstrahlung, sondern weil Konflikte mit der Wohnbevölkerung wegen Lärms wie ein Damoklesschwert darüber schweben.

Rüdiger Renno, inzwischen 53, Architekt und Geschäftsführer des in Leipzig ansässigen Bauentwickelers Lesax ("Le" für Leipzig, "sax" für Saxony, englisch für Sachsen), möchte wieder Leben auf die Fläche bringen - und ein Gesundheitszentrum mit 4-Sterne-Betten bauen. Zur Zeit läuft die Offenlage des Bebauungsplanes "Sport- und Therapiezentrum am Kieselhumes" im Bauamt der Stadt. Wenn alles gut läuft, könnte der Stadtrat im Juli Baurecht schaffen, dann würde Lesax das Gelände von der Stadt erwerben (Kaufpreis Geheimsache), den Bauantrag einreichen, ab 2017 bauen und nach 20 Monaten Bauzeit öffnen, günstigstenfalls zum Jahreswechsel 2018/19. Stadtverwaltung und alle maßgeblichen politischen Lager haben dem Projekt Wohlwollen und Unterstützung signalisiert. Vereinzelten Einsprüchen aus der Nachbarschaft gewinnt Renno, der familiär immer noch mit Saarbrücken verbunden ist, sogar Gutes ab: Man könne daraus lernen, es noch besser zu machen, schließlich wolle man "kein Störenfried sein, sondern eine Bereicherung, auch für die Anwohner". So werde beispielsweise die Grünlage des Gebäudes als öffentliche Parkanlage gestaltet. Renno versichert, er werde sich dafür einsetzen, dass die Hauptzufahrt zum Stadion wieder über die Kieselhumes-Straße erfolgt und nicht mehr über die Dr-Schoenemann-Straße.

Wie der Bauherr bei einem Rundgang über das topfebene potenzielle Baugelände erläutert, firmiere das Vorhaben nicht unter dem Titel "Hotel mit Wellnessbereich". Man plane vielmehr ein "ganzheitliches Gesundheitszentrum mit Beherbergungsmöglichkeit". Zielgruppe: körperbewusste Menschen, die sich Gedanken um den Zusammenhang von Lebensstil und Gesundheit machen und aktiv gesund sein wollen; Menschen, die "nicht über den Arzt kommen", sondern aus eigenem Antrieb. Als Einzugsbereich gelten anderthalb Autostunden, also auch Klienten aus Baden und Hessen, aus Frankreich und Belgien. Die drei "Bausteine" des Hauses seien Therapie/Bewegung, Gastro/Ernährung sowie Entspannung/Medical Spa. Der Anspruch werde auch im Bauwerk selbst durch drei voneinander unabhängige, organisch geformte Gebäudeteile sichtbar werden. Sinnigerweise sehen sie im Querschnitt wie Kiesel aus, womit sich der Kreis zur Adresse schließt. Als verbindendes Element der drei Kiesel werden maximal zwei Brückengeschosse mit den etwa 100 Hotelzimmern darüber gelegt. Dem zweiten Wortbestandteil "Humes", also Erde, möchte der Projektentwickler auch entsprechen, und zwar mit möglichst naturnaher Bauweise: Holz statt Stahl und viel Wasser - der Regen soll gesammelt werden und zu einem Teich zusammenfließen. Die 200 Parkplätze verschwinden in der Erde. Was das alles kostet und wer mit seinem Investitionskaptital dahinter steht, möchte Rüdiger Renno zumindest zum jetzigen Zeitpunkt nicht verraten.