Drei Diplomaten in Theater-Diensten

Saarbrücken. Müsste man ihre Arbeit mit Schlagwörtern betiteln, lauteten diese: Kommunikation und Organisation. Ganz zu schweigen von der Fähigkeit, Illusionen zu schaffen und das Unmögliche möglich zu machen. Oder behutsam zu vermitteln, dass Selbiges eben nicht geht, weil Wunschdenken und Wirklichkeit allzu weit auseinanderklaffen

Saarbrücken. Müsste man ihre Arbeit mit Schlagwörtern betiteln, lauteten diese: Kommunikation und Organisation. Ganz zu schweigen von der Fähigkeit, Illusionen zu schaffen und das Unmögliche möglich zu machen. Oder behutsam zu vermitteln, dass Selbiges eben nicht geht, weil Wunschdenken und Wirklichkeit allzu weit auseinanderklaffen. Dann heißt es Überzeugungsarbeit leisten und nach lösungsorientierten Kompromissen suchen - der Zeitdruck durch die herannahende Premiere kann dabei oft sehr hilfreich sein.

Ausstattungsassistenten sehen sich oft mit allerlei realitätsfernen Vorstellungen, Allüren und Uneinsichtigkeiten konfrontiert. Das Saarländische Staatstheater (SST) beschäftigt drei dieser Vermittlungsspezialisten.

Christian Held ist drei Jahre im Haus und studierte Kostüm- und Bühnenbild in Dresden; seine Kollegin Anja Büld absolvierte das gleiche Studium in München und ist nun in der ersten Spielzeit am SST. Beide haben außerdem eine Schreinerlehre absolviert - handwerkliches Geschick ist von Vorteil. Einen anderen Ausbildungsweg beschritt Ina Reichert: Sie erlernte im SST den Beruf der Raumausstatterin und ist nun schon insgesamt acht Jahre hier.

Das Trio ist das Bindeglied zwischen Ausstattungsleiter Wendelin Heisig und dem jeweiligen Bühnenbildner und Regisseur sowie diversen Abteilungen: den ausgelagerten Werkstätten in der Heinrich-Böcking-Straße mit Tischlerei, Schlosserei, Malerei und Dekoration und den hausinternen Abteilungen Technik, Requisite und Beleuchtung.

Zu Beginn jeder Spielzeit teilt Heisig die Stücke gleichmäßig auf, so dass jeder Schauspiel, Ballett und Musiktheater zu betreuen hat. Ab der Bauprobe sind die Assistenten aktiv involviert, feste Arbeitszeiten kennen sie keine. In der Regel sind sie von 10 bis 14 Uhr bei den Proben dabei; müssen vielleicht vorher noch was organisieren. Später geht's eventuell noch in die Abendprobe, dazwischen werden die Besorgungs-Listen gepflegt.

Wenn die Proben dann von der Probebühne auf die richtige Bühne wechseln, geht's ganztägig rund. Und man erlebt mitunter eine böse Überraschung. Ina Reichert erzählt, wie sie für die Oper "Il Tigrane" mit unterschiedlichen Luft-Gasgemischen für Luftballons experimentierte, damit diese in unterschiedlichem, aber genau festgelegtem Tempo sanken oder stiegen. Auf der Probebühne funktionierte es schließlich; auf der Bühne leider nicht - weil die Thermik eine andere war.

"Das Schönste ist, wenn man von seinen To-do-Listen was abhaken kann!", seufzen die Drei einstimmig. Ausstattungsassistenten müssen fit sein im Recherchieren und sich auskennen im einschlägigen Jargon und in Stil- und Möbelkunde. Eine gute Quelle für Fundstücke ist etwa das Internet-Portal Ebay. Außerdem kennt das Trio jeden Flohmarkt in der Großregion und durchstöbert gern Second-Hand-Läden im benachbarten Frankreich.

Zeitlich eng wird's, wenn man zwei Stücke gleichzeitig betreut, weiß Anja Büld. Borcherts "Draußen vor der Tür" hatte gerade Premiere in der Alten Feuerwache, nun freut sie sich auf die Premiere von Beethovens Oper "Fidelio" am Samstag: "Das New Yorker Regie-Team hat einen ganz eigenen ästhetischen Zugriff - das macht Spaß, weil die Oper komplett aus dem zeitlichen Kontext gerissen wird."

Premiere "Fidelio'': Samstag, 29. Januar, 19.30 Uhr, Staatstheater. Karten: Tel. (06 81) 30 92- 4 86.

www.saarlaendisches-

 Die Ausstattungs-Assistenten des Staatstheaters: Anja Büld, Christian Held und Ina Reichert (von links). So manchem Regisseur mussten sie schon allzu fantasievolle Ideen ausreden. Foto: Oliver Dietze
Die Ausstattungs-Assistenten des Staatstheaters: Anja Büld, Christian Held und Ina Reichert (von links). So manchem Regisseur mussten sie schon allzu fantasievolle Ideen ausreden. Foto: Oliver Dietze

staatstheater.de