Dillinger Hütte fast am Tiefpunkt

Die Dillinger Hütte schreibt rote Zahlen. Das ist bitter, nicht nur für die rund 5300 Mitarbeiter und deren Familien. Denn das dicke Minus bei der Hütte wirkt sich indirekt auf den ganzen Landkreis Saarlouis aus.

Die Dillinger Hütte Gruppe hat rund 500 Millionen Euro Umsatz verloren. Bittere Bilanz von 2013, ihrem schwierigsten Geschäftsjahr seit Jahrzehnten, wie der Vorstandsvorsitzende Karlheinz Blessing gestern bei der Jahrespressekonferenz resümierte: Lag das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) 2012 bei 161 Millionen Euro im Plus, erreichte es 2013 satte 167 Millionen Euro - im Minus. Der Hauptgrund für die Schieflage: die schlechte Auftragslage und fallende Preise auf dem Rohrblechmarkt. Bei der Grobblechproduktion war die Hütte 2013 "fast auf dem Tiefpunkt angelangt", sagte Blessing.

Schon im Oktober hatte die Hütte deshalb das Programm "DH 2014 plus" gestartet, um langfristig viel Geld, 130 Millionen Euro im Jahr, einzusparen. Bis zu 450 Stellen werden dabei abgebaut, aber ohne betriebsbedingte Kündigungen, "sozialverträglich", betonte Blessing: "Wir nehmen unsere soziale Verantwortung auch in Krisenzeiten wahr!"

Als Arbeitgeber bleibt die Hütte trotz Personalabbau wichtig. In den nächsten drei Jahren sollen 400 Auszubildende bei der Hütte und Saarstahl anfangen - keine Selbstverständlichkeit in schlechten Zeiten, meinte Blessing.

Die Hütte erwartet für 2014 einen besseren Geschäftsverlauf, aber schwierig wird es bleiben: Der Standort Dillingen sei voraussichtlich besser ausgelastet als im Vorjahr. Allerdings rechnet Blessing mit Schwankungen: "Wir müssen immer kurzfristiger reagieren."

Diese Schwankungen betreffen auch direkt die Stadt Dillingen als Standort, oder vielmehr deren Haushaltslage. Denn die Gewerbesteuer ist die Haupteinnahmequelle der Kommunen. Und hat Dillingen weniger Einnahmen, sinkt die Kreisumlage, die die Stadt dem Landkreis abgeben muss. Das bedeutet: Das Geld fehlt beim Kreis und die anderen Kommunen müssen mehr zahlen. "Für 2013 haben wir keine Gewerbesteuern bezahlt", sagte Fred Metzken, Vorstandsmitglied für Finanzen. Dillingen hat den Einbruch schon deutlich zu spüren bekommen und übt sich im Sparen. "Die Stadt hat ein Problem", bestätigte Metzken. "Aber wir haben in den vergangenen Jahren auch sehr viel gezahlt, das darf man dabei nicht vergessen." > Bericht, Seite A8

Wenn ein Unternehmen Strom selbst erzeugt, war es bislang von den Umlagen des Erneuerbaren Energien Gesetzes (EEG) befreit. Doch auch für Eigenstrom soll nun ein Cent pro Kilowattstunde fällig werden. Diese Änderung könnte das Aus für das VSE-Kraftwerk Ensdorf bedeuten, betonte Blessing: Denn Saarstahl hat das Kraftwerk gepachtet, um günstigen Eigenstrom zu produzieren. Durch die Umlage drohen jedoch Mehrausgaben in Millionenhöhe. Der Pachtvertrag soll gekündigt werden, wenn das Kraftwerk nicht von der Umlage befreit wird, kündigte Blessing an: "Wahrscheinlich im August."