Dieses Gefühl, Musik zu brauchen

Auch ihre Eltern sind Berufsmusiker und touren durch die USA. Scarlett Seither ist geprägt von vielen Musikstilen und hat daraus ihren ganz eigenen entwickelt. An der Hochschule für Musik gibt sie Konzerte.

Saarbrücken. "Seit wann ich Musikerin werden wollte? Es klingt vielleicht komisch," sagt Scarlett Seither, "wahrscheinlich von Geburt an." Wie sie das sagt, klingt es kein bisschen komisch. Gerade 24 Jahre jung, hat Scarlett bereits eine starke Ausstrahlung: besonnen, fröhlich und sehr aufmerksam, die Stimme kristallklar. Und für ihr Alter berichtet sie schon über eine ungewöhnliche Menge "Musiker-Leben". "Unser Haus war immer voller Musiker und Musik," erinnert sich Scarlett Seither, "ich kannte das nicht anders." Beide Eltern sind Berufsmusiker, touren mit ihrer Country-Rock-Band durch USA, vor allem Texas. Im Hause der Familie in Heidelberg gehen Musiker aus und ein, darunter viele aus dem Kreis der "American Forces" mit ihren Kindern. So wird Scarlett quasi nebenbei zweisprachig, und bald singt sie akzentfrei in der Band der Eltern mit. Da ist sie vier. Es folgen Gesangsunterricht (Pop, Soul, Country und Klassik) sowie Gitarre- und Klavierstunden bei Mama und Papa. Und als sie acht ist, eine erste CD mit Scarletts eigenen Kompositionen. Mit 16 wird sie Frontfrau der Country-Band Stars'n Bars, mit der sie bis heute durch Europa tourt; mit 18 nimmt sie in Nashville ihre erste "Scarlett"-CD auf; präsentiert sich als eigenständige Songwriterin, lässt mit sehr junger Stimme erstaunliche Klangvariationen erkennen. Ebenfalls mit 18 beginnt sie ihr Studium an der Hochschule für Musik in Saarbrücken. Eine glatte Biografie, - lineare Fortsetzung inbegriffen? Mit dem Studium kommen Scarlett erstmals Zweifel an der Zwangsläufigkeit ihres Werdegangs. Denn nun heißt es "24 Stunden Musik, nichts anderes. Kaum andere Gespräche unter den Studenten". Sie fragt sich: Ist ihre Konzentration auf Musik wirklich so "natürlich", wie es sich bisher angefühlt hat? Kennt sie bloß nichts anderes? Könnte sie nicht auch, zum Beispiel, gärtnern? Irgendwann spielt und singt sie doch wieder, vor kleiner Runde, da ist es zurück, "dieses Gefühl, Kunst und Musik zu brauchen, um mich auszudrücken". Sie entdeckt Funk, Blues, Jazz; sie mag Subtiles in der Musik, "wenn Bilder entstehen". Richtig ins Schwärmen kommt Scarlett, wenn sie von Tom Waits erzählt, dem Sänger mit der Reibeisenstimme. Sie liebt "diesen dreckigen Sound bei ihm. Tom Waits ist einfach absolut echt". Interessant ist, wie Scarlett selbst von anderen charakterisiert wird, etwa von dem Jazzgitarristen Luis Cardoso, der sie von der HfM kennt: "Sie zieht keine Grenzen zwischen Stilen und hat doch einen starken eigenen Stil. Sie weiß, was sie kann - und das ist viel - trotzdem ist sie überhaupt nicht arrogant. Sie ist echt. Sie macht Kunst." Scarlett Seither ist zu hören bei Konzerten der Musikhochschule, z.B. bei der Jazznacht im Juni.scarlett-s.com