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Die Wünsch-dir-was-Tagung

 Das „Saarcamp“ fand an der HTW Saar statt. Foto: Oliver Dietze
Das „Saarcamp“ fand an der HTW Saar statt. Foto: Oliver Dietze FOTO: Oliver Dietze
Saarbrücken. Bei einem Barcamp kann man sich Themen wünschen oder anbieten. Bei der 6. Ausgabe des saarländischen Ablegers „Saarcamp“ ging es unter anderem ums Geldsparen beim Bahnfahren und um das Programmieren von Lego-Robotern.

Thomas will wissen, wie "scrum", eine Projektmanagement-Software, funktioniert. Bei einem Barcamp ist das kein Problem. Denn Barcamps, deren saarländische Version namens Saarcamp am Wochenende in der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Saar stattfand, sind Wünsch-Dir-Was-Tagungen. Thomas, einer von 120 Teilnehmern, warf die Frage am Sonntagmorgen einfach in die Runde. "Da hat sich Fabian schnell hingesetzt, Folien gebastelt und dazu eine Session gemacht", erzählt Thomas. Nicht nur Computer-Begeisterte frönten auf dem HTW-Campus am Waldhausweg zwei Tage lang dem unbürokratischen "Wissenstransfer". "Nur ein Drittel der Themen haben mit IT zu tun", betont Thomas, der als "Exil-Saarländer" in Stuttgart arbeitet. Die Teilnehmer kämen nicht nur aus allen möglichen Berufen, sondern auch viele auch aus entfernten Städten der Republik.

Thomas Nummer zwei, Nachnamen zählen bei Barcamps nicht, erklärte in einer seiner Sessions, wie man beim Bahnfahren - ganz legal - Geld sparen kann. "Wenn man nach Saarbrücken fahren will, lohnt es sich eventuell ein Ticket nach Forbach zu lösen, um von einem verbilligten Europa-Ticket zu profitieren", erklärt der frühere Eisenbahner. Er sei einer der aktivsten Barcamp Besucher in Deutschland, erzählt er, und zum sechsten Saarcamp extra aus Magdeburg angereist, trotz Streiks mit der Bahn. Auch die fünf weiteren Themen, die Thomas Nummer zwei am Samstag und Sonntag nach dem gemeinsamen Frühstück in die Plenumsdiskussion einbrachte, stießen auf Interessenten. Beim Barcamp kann man Themen wünschen oder auch anbieten. Jana, mit 13 Jahren die Jüngste, erklärte vier Erwachsenen, die ihre Eltern sein könnten, wie man Lego-Roboter programmiert. Das Themenspektrum reichte diesmal vom "Kalten Bürgerkrieg" durch Datenüberwachung, über "Freifunk", "Arbeitsrecht und Social Media" bis hin zur Frage: Wie halte ich die täglichen Informationsströme im Zaum, um mir nicht meine Zeit fressen zu lassen? Auch bizarres Wissen eines Krankenpflegers über Menschen, die beim Selbstmordversuch scheiterten, war gefragt. Rund ein Dutzend Firmen unterstützen als Sponsoren das Saarcamp, das von Ehrenamtlichen wie Kevin, Tobias und Achim organisiert wird. Während im Rhein-Main-Gebiet die ersten Barcamps mangels Geld wieder verschwänden, hält sich das Saarcamp laut Andreas ziemlich gut. Auch 2016 soll es eines geben. Auf der Webseite saarcamp.org, empfiehlt er, könne man bis dahin schon mal die Ergebnisse des sechsten Saarcamps nachlesen.