Die Wachküsser vom Dienst

Wie es weitergeht mit dem Jagdschloss Karlsbrunn, ist immer noch unklar. Doch mit dem Veranstaltungsprogramm im Denkmal geben die Gemeinde Großrosseln und der Regionalverband die Richtung vor: Das Schlösschen soll Kulturort sein.

"So ein Schloss gehört bespielt", sagt Großrosselns Bürgermeister Jörg Dreistadt (SPD) kurz und knapp. Das ist beim barocken Jagdschloss in Karlsbrunn freilich nicht so einfach. Denn nachdem der Saarforst-Landesbetrieb dort ausgezogen ist, gehört der denkmalgeschützte Bau dem Land. Und noch ist offen, ob und wie das Schlösschen in die Zukunft kommt. Vorerst hat die Gemeinde Großrosseln die Erlaubnis, das Schloss und den angrenzenden Forstgarten zu nutzen, für Trauungen - dafür ist ein Schloss-Zimmer schlicht und fein hergerichtet - und für Veranstaltungen aller Art. Das tut sie nach Kräften: Der Kalender 2014 ist voll gepackt wie nie.

Mit ein paar Neuerungen. Eine davon läutet die Saison ein: Am Donnerstag laden die Schlosskulturmacher erstmals zum Künstlergespräch ein. Um Thema und Ziel zu erklären, nimmt Peter Michael Lupp, Regionalentwickler beim Regionalverband, ordentlich Anlauf. "Kunst und Kultur müssen den Menschen begegnen", zitiert er den chinesischen Künstler Ai Weiwei. Hier, im Schloss, konzentriere sich das: Die Nutzung des Baus sei nie abgerissen. Im 18. Jahrhundert fürstliches Jagd-Domizil. Danach kam der Forst. Und jetzt müsse ein "kultureller Background" her: "Kunst lässt die Leute nicht vergessen, dass der Ort eine Geschichte hat." Kunst sei zudem ein "Werte-Katalysator", sagt Lupp. Sie soll nun helfen, den Ort neu in Wert zu setzen.

Wie? Lupp hofft, dass sich im Künstlergespräch mit dem Bildhauer Thomas Wojciechowicz und dem Maler Nicola Dimitrov Antworten ergeben, "Ergebnis offen", ein Anfang halt. Später könne vielleicht ein Künstler am Ort Neues schaffen, in einem zeitweiligen Atelier; "dafür braucht man auch keine Hochglanz-Denkmalsanierung". In der Wintringer Kapelle, schon länger "Kulturort" des Regionalverbandes, klappt das gut. Dort hatte Lupp schon etliche Künstler zu Gast.

Jörn Wallacher, neuerdings als Programm-Macher mit dabei, sekundiert: Der Garten am Schloss sei zwar umgestaltet, das Schloss aber liege im Dornröschenschlaf. "Mit Künstlern kann man Orte wachküssen": Das hat er erlebt bei seinem Engagement fürs Schloss Karlsberg in Homburg, fürs Schlösschen Philipsborn bei Neuhaus. Wallacher, bis zu seiner Pensionierung Referatsleiter im Umweltministerium, nimmt in Karlsbrunn das Wald-Thema auf. Parforcehorn-Bläser unter Leitung des Staatsorchester-Musikers Martin Hanna geben ein Jagdkonzert im Forstgarten (29. Mai). Die Garten-Fachfrau Eva-Maria Ratius lädt zu vier sonntäglichen Themen-Frühstücken ein. Stets mit Speis' und Trank dabei: "Der Lust-Aspekt gehört dazu, damit es einem immer barock gut geht", sagt Wallacher lächelnd.

Und dann gibt es noch eine Vorlesung mit dem Freiburger Forst-Historiker Uwe Eduard Schmitt: "Von Menschen und Bäumen - Aus- und Einwanderung in die Alte und Neue Welt" (17. Juli). Vorlesung? "Keine trockene Wissenschaft", sagt Wallacher. Sondern eine Wander-Vorlesung quer durch Karlsbrunn; an geschichts trächtigen Stationen im Dorf wird das Thema nach und nach entfaltet. Anschaulich, mit Beispielen aus der Region, gestützt auf Schmitts eigene Recherchen und die Arbeit lokaler Heimatforscher, sagt Wallacher.

Vielerlei Wanderungen - zu Bäumen, Kräutern, Pilzen, Fledermäusen -, Advents- und Kinder-Veranstaltungen: All das bleibt im Programm. Es sei enorm wichtig, sagen Lupp und Wallacher unisono und loben Nadia Haag, die Gemeinde-Mitarbeiterin, die es organisiert. Daneben aber gelte es, neues Publikum für den Karlsbrunner Kulturort zu gewinnen. Künstlergespräch oder Wander-Vorlesung, "das sind strategische Veranstaltungen", sagt Lupp.

Bürgermeister Dreistadt wünscht sich beide Facetten, Kunst und Kräuterküche, Familien- und Forscher-Veranstaltungen. "Man muss ja auch der Bevölkerung klarmachen", sagt er, "wie wichtig das Schloss ist. Für uns."

 Blick von der Hügelkuppe über den neu angelegten Karlsbrunner Schlossgarten, das Jagdschloss und das Dorf. Foto: Döpke
Blick von der Hügelkuppe über den neu angelegten Karlsbrunner Schlossgarten, das Jagdschloss und das Dorf. Foto: Döpke Foto: Döpke

Zum Thema:

Auf einen BlickEin Künstlergespräch gibt es zum ersten Mal im Jagdschloss Karlsbrunn, und zwar am Donnerstag, 10. April, 18 Uhr, im Gartenzimmer. Die Gäste: Thomas Wojciechowicz - 1953 geboren, seit 1977 als freischaffender Künstler in Saarbrücken - arbeitet als Bildhauer, sein bevorzugtes Material ist Holz. Nicola Dimitrov - Jahrgang 1961, ursprünglich Musiker - arbeitet seit 2000 als freischaffender Maler, mit Ateliers in Heusweiler und in Köln. Im Gespräch mit den Künstlern und dem Publikum will Peter Lupp als Moderator unter anderem der Frage nachgehen, wie künstlerische Arbeit "die Inwertsetzung unserer Kulturlandschaft inspirieren kann". Der Eintritt ist frei. Im Anschluss gibt es "Brot, Wasser, Öl, Wildsalami und Wein" (Hutsammlung). Anmeldung bei der Gemeinde Großrosseln, Nadia Haag, Tel. (0 68 98) 449-112, E-Mail nadia.haag@grossrosseln.de. Das komplette Jahresprogramm im Jagdschloss Karlsbrunn steht unter www.grossrosseln.de im Internet. dd