Wir möchten auf unserer Webseite Cookies und pseudonyme Analysetechniken auch unserer Dienstleister verwenden, um diesen Internetauftritt möglichst benutzerfreundlich zu gestalten.

Außerdem möchten wir und unsere Dienstleister damit die Besuche auf unserer Webseite auswerten (Webtracking), um unsere Webseite optimal auf Ihre Bedürfnisse anzupassen und um Ihnen auf unserer Webseite sowie auch auf Webseiten in verbundenen Werbenetzwerken möglichst interessante Angebote anzeigen zu können (Retargeting).

Wenn Sie dieses Banner anklicken bzw. bestätigen, erklären Sie sich damit jederzeit widerruflich einverstanden (Art. 6 Abs.1 a DSGVO).

Weitere Informationen, auch zu Ihrem jederzeitigen Widerrufsrecht, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.

| 00:00 Uhr

Die Unruhe der Ahnungslosen

Saarbrücken. Ab August können Eltern einen Betreuungsplatz für ihre Kleinkinder einklagen. In Saarbrücken fehlen allerdings noch 220 Krippenplätze zur angepeilten Mindestquote von 35 Prozent. Droht nun eine Klagewelle? Von SZ-RedakteurFabian Bosse

Es war ein Paukenschlag, den das Verwaltungsgericht Köln mit seinem Urteil zum Anspruch auf Kita-Plätze Mitte Juli setzte. Die Richter warfen mit ihrer Entscheidung sämtliche Pläne der Stadt Köln zur Betreuung von Kleinkindern über den Haufen. Die Richter entschieden in ihrem Urteil, dass der Betreuungsplatz nicht weiter als fünf Kilometer von der Haustür entfernt sein dürfe. Darüber hinaus sei es nicht einfach damit getan, bei einem fehlenden Platz in der Krippe auf eine Tagesmutter zu verweisen. Hier müssten die Kommunen die Wünsche der Eltern respektieren. Die Stadt Köln will diese Entscheidung nicht hinnehmen und hat Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht in Münster eingereicht. Auf dessen Urteil schielen jetzt viele Kommunen in Deutschland, so auch im Regionalverband.

Der Gesetzgeber gibt vor, dass es ab August für Kinder unter drei Jahren einen Betreuungsplatz geben muss. Als Richtwert für die Kommunen hat der Gesetzgeber eine Bedarfsquote vorgegeben: Für mindestens 35 Prozent der Kleinkinder sollten Betreuungsplätze vorhanden sein. Diese Quote können sich die Verantwortlichen in Saarbrücken abschminken. Regionalverbandssprecher Stefan Kiefer sagt: "Wir kommen aktuell auf 29 Prozent." 220 Plätze fehlen. Insgesamt haben der Regionalverband, die Stadt und die freien Träger 856 Krippenplätze und 376 Plätze in der Tagespflege geschaffen. Das Problem ist nur: Eltern ziehen Krippenplätze vor. Während in Saarbrücker Kinderkrippen die Wartelisten schon mal dreistellig sind, gibt es aktuell in der Tagespflege 30 freie Plätze. Saarbrückens Jugendamtsleiterin Uschi Biedenkopf sah diese Situation bereits in einem früheren SZ-Gespräch dem Sicherheitsbedürfnis der Eltern geschuldet. In der Krippe sei die Betreuung gesichert, wenn eine Erzieherin mal krank sei oder Urlaub habe. Das Kölner Urteil kommt den Kommunen daher ungelegen. Denn auf die Frage, ob der Ausbau in der Tagespflege nicht an den Bedürfnissen der Eltern vorbeigehe, antwortete Biedenkopf damals unverblümt: "Die Tagespflege ist für uns eine stille Reserve. Wir müssen sicherstellen, dass ab August keine Klagewelle hereinbricht".

Das Hauptproblem von Stadt und Regionalverband ist die Ungewissheit: Was ist ausreichend? Wie viele Eltern suchen für ihr Kleinkind einen Krippenplatz? Und werden Eltern klagen? Gerade Letzteres könne man nicht einschätzen, sagt der Regionalverbandssprecher Stefan Kiefer. Was die Kommunen wissen, ist die Anzahl der Kleinkinder in der Stadt: 4150. Nach der 35-Prozent-Quote müssten Plätze für 1452 Kinder ausreichen. Aber stimmt diese Rechnung? Um die Wissenslücke zu füllen, hat ein Institut im Namen des Regionalverbandes einen Fragebogen erstellt und Saarbrücker Eltern angeschrieben. Die Ergebnisse der Studie liegen aber noch nicht vor. Grund: Eltern hätten auf das Anschreiben nur mäßig reagiert.