Platz vor der Synagoge : Die ,,unendliche Geschichte” eines Denkmals

Die Stadt baut 2018 den Platz vor der Synagoge um. Dort soll an die von den Nazis ermordeten saarländischen Juden erinnert werden.

Schon seit vielen Jahren wird über ein würdiges Erinnern an die von den Nazis ermordeten saarländischen Juden diskutiert. Klar ist bisher nur der Standort: Das Denkmal soll vor der Synagoge am Beethovenplatz aufgestellt werden. Nun hat der Stadtrat in der Mai-Sitzung 105 000 Euro für das Denkmal freigegeben.

Nach SZ-Informationen will auch die Landesregierung einen Beitrag leisten, dessen Höhe aber noch nicht feststeht. Für Richard Bermann, Vorsitzender der Synagogengemeinde Saar, ist die Diskussion über das Denkmal eine "unendliche Geschichte". Seit 2013 werde schon debattiert. Zu der Frage, ob es nach dem Stadtratsbeschluss endlich vorangeht, meint Richard Bermann: "Ich bin äußerst zurückhaltend."

Bevor das Denkmal aufgestellt werden kann, muss die Stadt aber erst mal das Areal vor der Synagoge umbauen - und sie will in diesem Zusammenhang gleich noch für eine barrierefreie Bushaltestelle in der Dudweilerstraße in Höhe des Beethovenplatzes sorgen. Derzeit verlegen die Stadtwerke in der Straße Leitungen. Die eigentlichen Bauarbeiten in der Dudweilerstraße sollen Mitte Juni beginnen, erklärt Stadtplanerin Cornelia Schiffer-Wortmann. Allerdings steigen die Kosten, weil bei der Ausschreibung nur ein Unternehmen ein Angebot abgegeben habe.

Baudezernent Heiko Lukas begründet das damit, dass die Auftragsbücher der Bauindustrie voll seien. Dies sei ein bundesweiter Trend. So steigen die Ausgaben um 140 000 Euro auf 1,16 Millionen Euro. Der Stadtrat hat dem in der vergangenen Sitzung zugestimmt. Die Verwaltung hat wegen der höheren Kosten einen weiteren Zuschuss für die Haltestelle bei der Landesregierung beantragt. Wird der genehmigt, läge der Eigenanteil der Stadt bei rund 560 000 Euro für die Bauarbeiten, sonst wären es 640 000 Euro, sagt Schiffer-Wortmann. Die Haltestelle an der Ecke Dudweilerstraße/Kaiserstraße werde künftig entfallen, meint die Stadtplanerin.

Ein wichtiger Aspekt bei der Umgestaltung des Platzes ist die Sicherheit. An beiden Enden der Lortzingstraße werden "Hochsicherheitspoller" aufgestellt. Nur wer eine Erlaubnis hat, darf dann noch in die Lortzingstraße einfahren, zum Beispiel Rettungsfahrzeuge. Außerdem tritt das Unternehmen Q-Park sieben Stellplätze ab. Dafür werden auf der übrigen Fläche des Beethovenplatzes durch geänderte Markierungen diese Parkplätze ersetzt. 2018 beginnen die Arbeiten für den Platz vor der Synagoge. Im Sommer 2018 soll er fertig und die Poller eingebaut sein.

Anschließend könnte das Denkmal mit den Namen der ermordeten Juden aufgestellt werden. Derzeit wird die Synagoge mit dicken Betonblöcken geschützt. Die werden verschwinden, wenn der neue Platz entsteht. Damit auch vom Parkplatz aus kein Auto oder Laster in die Synagoge rasen kann, werden dort hohe Betonsteine installiert, erklärten Schiffer-Wortmann und Baudezernent Heiko Lukas.

Die Synagogengemeinde Saar wollte ursprünglich, dass die Namen der ermordeten Juden am Rabbiner-Rülf-Platz verewigt werden. Doch dagegen rührte sich Widerstand in den Stadtratsfraktionen. Also brachte die Gemeinde 2013 die Fläche vor der Synagoge ins Spiel. Auf dem Rabbiner-Rülf-Platz steht das Mahnmal "Der unterbrochene Wald" des Künstlers Ariel Auslender, das ebenfalls an den Holocaust erinnert. Auch das hatte bis zur Einweihung für Diskussionen in der Öffentlichkeit gesorgt. Das jetzt geplante Denkmal an der Synagoge soll aus mehreren Stelen bestehen, auf denen die Namen von rund 2000 ermordeten Juden verewigt werden, deren Biografien Bermann recherchiert hat.

Zum Thema:

105 000 Euro für das Denkmal Die 105 000 Euro für das Denkmal werden aus dem Haushaltsposten "Stützmauern Bezirksverwaltung Dudweiler" finanziert. Das Geld gehe aber dem Stadtbezirk nicht verloren, sagt Pressesprecher Thomas Blug. Denn dieser Haushaltsposten sei im Grunde nicht nötig für Stützmauern. Den Auftrag für die Bauarbeiten rund um die Synagoge hat die Stadt an die Arbeitsgemeinschaft Dittgen aus Schmelz und Wolff aus Güdingen vergeben.